06.04.2016, 11:57 Uhr

Vogelkiller Glas!

© Heidi Kurz
In Österreich sterben jährlich hunderttausende Vögel bei Kollisionen an Glasflächen. Aufkleber von Greifvogelsilhouetten als Abhilfe sind wirkungslos. Glasflächen müssen vollständig sichtbar gemacht oder in regelmäßigen Abständen markiert werden.

In Österreich sterben jährlich hunderttausende Vögel bei Kollisionen an Glasflächen mit freier Durchsicht wie Lärm- und Windschutzwände, Verbindungsgänge, Wintergärten oder Bürohäuser mit Spiegelglasfassade. Es wird vermutet, dass Glasscheiben nach der Lebensraumzerstörung die häufigste von Menschen verschuldete Todesursache bei Vögeln sind. Vögel können durchsichtige Glasflächen nicht erkennen. Sie sehen entweder das Gelände dahinter oder bei Spiegelglas die gespiegelte Umgebung. Bei einem Anprall erleiden sie meistens Schädel-Hirnverletzungen, sterben gleich oder bleiben benommen liegen und werden in diesem Zustand sehr oft von Katzen oder anderen Tieren erbeutet. Die in guter Absicht angebrachten Greifvogelsilhouetten sind leider wirkungslos. Schon Konrad Lorenz hat nachgewiesen, dass sich ein Greifvogel in der für ihn typischen Art und Weise bewegen muss, um von seiner Beute als Feind erkannt zu werden. Aus diesem Grund lösen Vogelaufkleber keine Fluchtreaktion aus. Viele Vögel prallen unmittelbar neben diesen Aufklebern gegen die Glasscheibe.

Bestehende Gefahrenstellen entschärfen

Grundsätzlich sollte bei der Planung neuer Gebäude und Schutzwände unbedingt auf diese Problematik Rücksicht genommen werden. Die Markierung sollte aber auf jeden Fall über die gesamte Fläche verteilt sein! Wissenschaftliche Studien belegen eindrucksvoll, dass für Vögel nur vollflächig markierte Scheiben als Hindernis erkennbar sind. Schon zwei Millimeter breite Streifen in 30 Millimeter Abständen können Vogelanprall verhindern. Auch kontrastreiche Punkt- und Gittermuster haben sich als wirkungsvoll erwiesen. Gut bewährt haben sich Außenjalousien. Ebenfalls außen angebrachte Bänder, Windspiele oder Dekorationen mit Fensterfarben können das Risiko vermindern. Wenn sich diese Strukturen allerdings innen befinden, bleibt außen immer noch die Gefahr der Spiegelung. Ein einfacher Tipp: Verzichten Sie an vogelschlaggefährdeten Stellen auf das häufige Fensterputzen! Schon ein Grauschleier kann unter Umständen das Glas sichtbarer machen. Futterhäuser und Vogelbäder sollten nicht in der Nähe gefährlicher Scheiben angebracht werden. Wenn doch, dann gleich so nah, dass die Vögel bis zum Glas keine hohe Geschwindigkeit mehr erreichen.

Was tun mit einem Scheibenopfer?


Wenn Sie einen benommenen Vogel finden, geben Sie ihn in eine mit Luftlöchern versehene, geschlossene Schachtel und warten Sie ein bis zwei Stunden. Weder Wasser noch Nahrung zuführen, er könnte daran ersticken. Erholt sich der Vogel von selbst wieder, kann er an einer sicheren Stelle freigelassen werden. Ist das nicht der Fall, muss ein Tierarzt entscheiden, ob und wie zu helfen ist. Verunfallte Greifvögel und Eulen können an die Greifvogel- und Eulenschutzstation OAW des Naturschutzbundes Oberösterreich übergeben werden. Tote Vögel geben Sie bitte im Biologiezentrum Linz ab, so Heidi Kurz vom Naturschutzbund.
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