13.07.2016, 20:00 Uhr

"Warum lassen wir nicht was Neues entstehen?"

Die Manipulationsfläche neben der Eisenbahnbrücke ist riesig und bietet verschiedenste Möglichkeiten. (Foto: PTU/Pertlwieser)
Für den Abriss der Eisenbahnbrücke sowie den darauffolgenden Neubau wurde eine große sogenannte Manipulationsfläche geschaffen. Dort werden die entsprechenden Brückenteile bearbeitet. Derzeit stellt sie eine perfekt begradigte Fläche aus Kies dar. Bis zur Fertigstellung der neuen Donaubrücke wird sie auch weiter so aussehen, ehe dann ihr ursprünglicher Zustand wiederhergestellt werden soll. Sprich: eine Wiese. Für Lorenz Potocnik, Fraktionsvorsitzender der Linzer NEOS, ist das eine vergebene Chance für die Stadtentwicklung. "Das ist eine historische Möglichkeit, um näher an die Donau heranzukommen. Vieles ist dort möglich, ein innerstädtischer Campingplatz, eine Badebucht, ein besonderer Garten, eine kleine Marina für Ruderboote, Kajaks und Ähnliches", so Potocnik. "Im Grunde geht es darum, den sowieso kommenden Rückbau einer sehr aufwendigen und sehr großen Baustelleneinrichtung zu nutzen, um etwas Besseres entstehen zu lassen. Das ist nicht nur finanziell relevant – Stichwort Synergien – sondern auch projektentwicklerisch: Es ist viel einfacher, im Zuge so eines Rückbaus etwas Neues zu machen als von null weg. Vor allem aus emotionaler Sicht", sagt Potocnik.

Stimmenthaltungen
Einen entsprechenden Antrag brachte Potocnik im vergangenen Gemeinderat ein, fand aber keine Mehrheit. Unter anderem hat er vorgeschlagen, die Fläche mit der Landesgartenausstellung 2021 zu verknüpfen und ausschließlich externe Experten zu beauftragen. Zwei Details, die auf wenig Anklang stießen. Einen anderen Grund für die Stimmenthaltung hat die FPÖ: "Ich habe den Anrainern versprochen, dass aus dieser Fläche wieder eine Wiese wird", sagt der für Stadtplanung zuständige FPÖ-Stadtrat Markus Hein. Auch die Grünen enthielten sich der Stimme mit der Begründung, dass den Anrainern ja eine Wiese versprochen wurde. Weitere Probleme sieht SPÖ-Vizebürgermeister Christian Forsterleitner. "Wenn wir überall überlegen, wo wir sparen, sehe ich diese Investition schon als ,Nice to have'. Ist es angesichts der Finanzlage der Stadt wirklich die richtige Zeit, hier zu investieren? Ich sage Nein", so der Finanzreferent. Grundsätzlich positiv steht dem NEOS-Vorschlag die ÖVP gegenüber: "Wir möchten das im Planungsausschuss weiterdiskutieren. Uns ist wichtig, dass es eine integrierte Stadtplanung gibt, bei der auch die Betroffenen beteiligt sind", sagt ÖVP-Klubobmann Martin Hajart.

"Nur eine Lappalie"
Für Potocnik sind die Argumente nicht nachvollziehbar, schließlich wurde mit den Anrainern ja noch nicht über mögliche Alternativen gesprochen, sondern lediglich das Versprechen abgegeben, dass keine Baustelle bleibt. "Mein Vorschlag wäre ein Ideenwettbewerb mit den Anrainern gemeinsam. Das ist für ein paar Zehntausend Euro zu machen. Das ist eine Lappalie im Vergleich zu den Investitionen in die neue Brücke. Die Kosten könnten auch die Projektbetreiber übernehmen – und nicht die Stadt", so Potocnik. Der auch das Argument der Investitionskosten nicht gelten lassen will: "Es ist verrückt: Eine riesige Infrastruktur wird errichtet mit einer Brücke um 60 bis 70 Millionen Euro, dazu eine zweite Schienenachse um 300 Millionen Euro aufwärts. Aber keiner macht sich Gedanken über die Brückenköpfe und das Drumherum." Er wolle sich weiter für eine alternative Nutzung der Fläche einsetzen und auch eine entsprechende Bürgerinitiative ins Leben rufen. "Ich werde die Sache nicht so stehen lassen", so Potocnik.
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