29.08.2016, 08:12 Uhr

Faire Kakaobohnen aus Neubau

Richard Hofer bei der Ernte in Brasilien. Heute verkauft er Kakao in Wien. (Foto: Richard Hofer)

Vom Bau zur Bohne: Richard Hofer hat seinen Job als Bauingenieur aufgegeben und betreibt einen Onlinehandel für faire Kakaoprodukte.

NEUBAU. Dass Richard Hofer heute von Neubau aus faire Kakao-bohnen verkauft, ist eigentlich einem Zufall geschuldet. Als er im Jahr 2014 seinen Job als Bauingenieur kündigte, um eine Weltreise zu machen, war der Plan nur so weit gediehen, in Südamerika in sozialen Projekten und auf Bauernhöfen mitzuarbeiten.

Dass er und seine Freunde dann ausgerechnet auf einer Kakaofarm in Brasilien gelandet sind, war nicht geplant. Und als sie während der Arbeit immer wieder davon gesprochen haben, eine Außenstelle der Kakaofarm in Wien zu eröffnen, war es nicht mehr als ein Scherz. Heute, zwei Jahre später, ist aus dem Scherz ein Onlinehandel mit fairen Kakaobohnen, der seinen Sitz in Neubau hat, geworden.

Richard Hofer hat im Juni dieses Jahres seine Firma gegründet und handelt mit Bio-Kakaoprodukten. Im Gegensatz zu anderen Firmen verkauft er aber nicht das fertig verarbeitete Produkt Schokolade, sondern bleibt bei der Vorstufe. Er verkauft ganze Kakaobohnen, geröstet oder roh, aber auch Kakaobohnen-Stückchen, Kakaobutter und Kakaomasse – entweder im Onlineshop oder in ausgewählten Lokalen, in Neubau etwa in der Marktwirtschaft in der Siebensterngasse 21.


"Viel Arbeit und Liebe"

Warum ausgerechnet diese Produkte? "Die Erfahrung, einmal selbst von der Ernte bis zur fertigen Kakaobohne mitzuarbeiten, hat mir die Augen geöffnet", sagt Hofer. Der Prozess, der viel "Arbeit und Liebe" erfordert, dauert rund vier Wochen. Zuerst wird geerntet, fermentiert, getrocknet und zu guter Letzt geröstet. Das alles hat er in Brasilien gelernt und sein Wissen und die Begeisterung für dieses Produkt mit nach Wien gebracht.

So ist jene Farm, auf der er im Jahr 2014 gearbeitet hat, auch einer von drei Partnern, mit denen Hofer in Südamerika zusammenarbeitet. Weitere Partner hat er in Peru und Ecuador. Bei der Wahl seiner Zulieferer ist Hofer vor allem wichtig: die biologische und insbesondere die faire Produktion. So sind seine Produkte auch komplett naturbelassen und auch nicht gesüßt – "es ist immer nur eine Zutat, und zwar die Kakaobohne selbst".

Müsli, Smoothies und Snacks

Was man damit zubereiten kann, wird Hofer auch immer wieder von seinen Kunden gefragt, etwa, wenn er samstags am Bio-Markt in der Lange Gasse in der Josefstadt zwischen 9 und 15 Uhr seine Kakaobohnen verkauft. "Die Kakaobohnen kann man einfach roh naschen. Die Kakaobohnen-Stückchen wiederum kann man ins Müsli oder beim Backen in einen Kuchen geben oder Smoothies verfeinern. Und natürlich gibt es auch Kakaopulver."

Studien, wonach Kakao schon im Jahr 2020 zu einem äußerst knappen Gut werden könnte, machen ihm keine Sorgen. "Für mich ist es dennoch eine Zukunftsbranche. Denn warum es diese Bedenken hinsichtlich der Knappheit gibt, ist ja, dass die industrielle Massenproduktion von Schokolade durch einige wenige riesige Konzerne zum Aussterben kleinerer Kakaoproduzenten beiträgt", so Hofer. Gerade sein Zugang – nachhaltige Produktion mit kleinen Bauern, die nicht auf Monokulturen setzen – könnte die Zukunft des Kakaos durchaus positiv verändern.
Mehr Infos und Onlineshop: www.caucawa.at
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