21.09.2016, 14:00 Uhr

Vom Milchbetrieb zum Bio-Mastschweinebetrieb

Erfolgreich expandiert: Die Landwirte Gabriele und Christian Holzer aus Thurnhof mit den Kindern Jonas, Johanna und Katharina. (Foto: Privat)

Bauern gehen in Richtung Bio, Direktvermarktung und suchen sich Nischen.

BEZIRK PERG. Schließung der Perger Bauernkammer, Milchpreis-Krise, Wegfall der Mutterkuhprämie: Die Lage der Bauern ist zurzeit alles andere als rosig – siehe unten. Für Bezirksbauernkammer-Obfrau Rosemarie Ferstl gibt es aber auch erfreuliche Entwicklungen. Wie etwa die hohe Nachfrage nach Bio-Produkten. Zudem entstanden einige neue Hofläden in der Region, die gut ankommen. Jungbauern-Bezirksobmann Christoph Mayrhofer aus Ried ergänzt: "Es gibt quer über den ganzen Bezirk verteilt positive Beispiele, die als klein strukturierte Landwirtschaft von Nischenprodukten leben. Sei es von Bio-Schweinehaltung, Kürbisanbau bis zum Aroniabauern." Was ihm als Jungbauer wichtig ist? "Nie den Mut zu verlieren, auch wenn es immer wieder Höhen und Tiefen gibt. Mit ein wenig Mut und Zuversicht lässt sich einiges erreichen."

Mehr Direktvermarktung

Mayrhofer, 26, wird den im Vollerwerb geführten elterlichen Betrieb später übernehmen. Schwerpunkte am Hof sind die konventionelle Milchviehhaltung, Ackerbau und Direktvermarktung sowie Schule am Bauernhof. Mit der wachsenden Direktvermarktung schaffte man sich ein neues Standbein. Zurzeit befinden sich rund 30 Milchkühe, 25 Stück Nachzucht und 150 Legehennen auf dem Betrieb. "Unser Vorteil ist, dass die meisten Milchviehbetriebe in Oberösterreich als Familienbetriebe geführt werden, die hoch qualitative Produkte erzeugen. Und qualitativ hochwertige Produkte dürfen auch ihren Preis haben, der aber immer seltener beim Bauern ankommt. Zurzeit durchleben wir eine Krise, die leider einige Betriebe zum Aufhören zwingt. Genau hier ist die Politik gefordert."

Von Kühen zu Bio-Schweinen

Ein Vorzeigebetrieb ist jener von Gabriele und Christian Holzer. 24 Zuchtsauen und rund 100 Mastsauen tummeln sich in den weitläufigen Ställen in der Perger Ortschaft Thurnhof. Der Milchbetrieb wurde 2009 auf Bio-Mastschweinebetrieb umgestellt. 2011 übernahmen die Holzers von den Altbauern Maria und Johann Holzer. 2014 bauten sie ein zweihäusiges Gebäude mit Innenhof, um Ferkel züchten zu können. Rund 350 Ferkel werden pro Jahr an die Biofleischerei Sonnberg geliefert. Christian Holzer war 29 Jahre unselbstständig beschäftigt, seit einigen Monaten führt er den Hof im Vollerwerb. "Der neue Stall ist auf das modernste eingerichtet. Sogar Besucher aus Deutschland kamen zur Besichtigung. Heute ist konventionell nicht mehr so viel drin, im Bio-Bereich sind die Preise relativ stabil", sagt Holzer. Bio-Eier wird es in Kürze geben. Stärker will man aufgrund der Nachfrage in Richtung Direktvermarktung gehen: "Die Leute wollen den Hof dahinter sehen und wo das Fleisch herkommt", erklärt Gabriele Holzer.

Sorgen der Bauern

Seit dem EU-Beitritt ist die Anzahl der Perger Bauern um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Etwas mehr als 2000 bäuerliche Betriebe inklusive Forstbetriebe gehen heute noch ihrer Arbeit nach. Der kürzlich erschienene "Grüne Bericht" des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich zeigt den deutlichen Einnahmenrückgang auf. Im Bereich der Schweine passt der Preis laut Bezirksbauernkammer-Obfrau Rosemarie Ferstl derzeit. Weil aus der EU viel nach China exportiert wird. Der Milchpreis bleibt Sorgenkind. Der Handel müsse eine andere Philosophie entwickeln: Mindestpreis statt Dumping. Nicht verschmerzen lasse sich auch der Wegfall der Mutterkuhprämie. Schwer zu verkraften ist zudem, dass die Bezirksbauernkammer Perg bald Geschichte sein wird. Sie dürfte einem gemeinsamen Standort mit Freistadt in Hagenberg weichen.
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