04.03.2016, 20:21 Uhr

Milchexporte nach Indien

Eine faire und Vollkosten-deckende Milch schafft für unsere Kinder eine Zukunft auf dem Land und für die Entwicklungsländer Gerechtigkeit. (Foto: IG-Milch)
Der Export unserer Milch nach Indien, China und Afrika in Form von Milchpulver bringt verschiedene Probleme mit sich. Einerseits können wir dadurch weiterhin ein Wachstumsprogramm forcieren, welches wir sonst korrigieren müssten. Andererseits führt unser Export auch auf den Zielmärkten zu gravierenden Problemen.

Da weltweit zu viel Milch am Markt ist, muss der Export-Preis entsprechend tief angesetzt werden. So bringt die Ausfuhr bloß Preise, welche nicht die vollen Produktionskosten decken. Das geht wiederum nur darum, weil große Player am Markt auch dann die Gewinne erhöhen können, wenn sie die Fixkosten außer Betracht ziehen. Wenn die Exporteure in der Folge im Inland nichts zur Fixkostendeckung der Branche beitragen, können Sie sich vorstellen, wer die Zeche zahlt – der heimische Konsument!

Beispiel: Export von Milchpulver nach Indien
(Quelle: IG-Milch Post, Ausgabe 51, Jänner 2016, S. 10f)

Die Bäuerin und Tierärztin Sagari Ramdas bewirtschaftet zusammen mit ihrer Familie rund ein Hektar Land. Es gibt verschiedene Gemüsesorten und Grundnahrungsmittel, alles biologisch. Die Ernte versorgt die eigene Familie und Überschüsse werden auf einen regionalen Markt gebracht oder an kleine Händler verkauft. Zwei Büffel dienen als Zugtiere und eine Milchkuh stellt die Milchversorgung sicher. Saatgut wird selbst vermehrt, um Abhängigkeiten zu vermeiden.

In Indien leben rund 70 bis 80 Millionen Familien, also ca. 500 Millionen Menschen, von der Milchproduktion. Sie besitzen meist 2 Kühe, die auf den eigenen abgeernteten Flächen oder auf Allmenden (Gemeinschaftsflächen) ihre Nahrungsgrundlage finden. Dabei werden 70 % der Milch direkt auf sogenannten informellen Märkten verkauft. Hier kennen sich Verkäufer und Käufer persönlich (Familien, kleine Läden, Hotels, etc.). Die Käufer wohnen im Umkreis von 20 – 30 km zum Produzenten. Die restlichen 30 % werden an Molkereien geliefert.

Seit 1990 wurden in Indien die Märkte liberalisiert, wodurch über Nacht der Milchpreis verfiel. Eisläden und viele Rohstoffveredler bekamen durch das Milchpulver aus dem Ausland billige Ware in die Hand. Sie wurden dadurch zu Spekulanten am internationen Rohstoffmarkt. Gerade erst 2014 überschwemmte eine große Menge an Milchpulver den indischen Markt, sodass ein weiterer Preissturz folgte. Diese 70 % des direkten Absatzmarktes brechen daher schrittweise weg.

Sagari Ramdas sagt daher, dass der Schutz vor Billigimporten ein existenzieller Schritt ist, um die schon jetzt armen indischen Bauern vor dem totalen Niedergang zu bewahren. Oder sie gliedern sich schnell in die internationale System-Landwirtschaft ein, wo mit dem gentechnisch veränderten Samen (Baumwolle, Palmöl, Kautschuk, etc.) zugleich die notwendigen Spritzmittel mitgeliefert werden. Die damit verbundene Verschuldung macht sie in Opposition zu ihrem Weltbild zu System-Sklaven und innerlich gebrochenen Menschen.

Die indische Landwirtschaft steht also am Wendepunkt, der wesentlich von der geförderten Überschussproduktion Europas und der USA verursacht wird. Die Konsumenten und Landwirte in Europa zahlen die Zeche, einerseits über höhere Preise und Steuerlast und über Erzeugerpreise, welche die Vollkosten nicht mehr abdecken. Zudem steigt durch den Leistungsdruck die Arbeits-, Investitions- und Schuldenlast der Landwirte im Verhältnis zum Einkommen stetig und die Überproduktion übertrifft sämtliche Voraussagen. Und, aus ethischer Sicht genauso wichtig, die indischen Bauern, deren Existenz ist ganz generell in Frage gestellt.

Die Differenzierung dieser Problematik stellt unsere Überschussproduktion in ein neues Licht. Was folgt daraus in Bezug auf unser Handeln auch im Hinblick auf unser christliches Weltbild?
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Josef Breinesel aus Perg | 06.03.2016 | 10:36   Melden
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Franz Leopold Hinterndorfer aus Melk | 07.03.2016 | 12:16   Melden
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