11.10.2016, 00:00 Uhr

Wildunfälle: Wenn das Reh vor's Auto läuft

Mit Reflektoren entlang bekannter, oft problematischer Strecken sollen die Wildtiere geschützt werden, erklärt Fritz Holzinger.

Wenn ein Wildtier vor das Auto läuft, kann es brenzlig werden. Profis geben Tipps zur Vorbeugung.

REGION PURKERSDORF. "Wildunfälle kommen bei uns relativ konstant das ganze Jahr über vor", erklärt Pressbaums Polizeiinspektionskommandant Josef Erber. Vermehrte Unfälle in Frühling oder Herbst habe man hier nicht. "Wenn im ländlichen Bereich im Herbst die Felder abgeerntet werden, ist das was anderes, aber wir im Wienerwald haben keine großen landwirtschaftlichen Kulturflächen." Dafür jedoch Wiesen und Wälder, vor allem auf Straßen, die durch Waldgebiete führen, ist daher Vorsicht geboten: "Zum Beispiel auf der B13 in Wolfsgraben bis Laab im Walde – da kommt’s verhältnismäßig oft vor", erklärt Erber. Auch die Weidlingbachstraße in Richtung Sieghartskirchen, die Straße von Dürrwien in Richtung Hochstraß und die Pfalzauer Straße in Richtung Hengstl seien bekannte Häufungspunkte.

Auf Straße vertrieben

Dies bestätigt Fritz Holzinger, Leiter des Forstreviers Stadlhütte. Auch entlang der B1 am Riederberg sowie im Heimbautal komme es immer wieder zu Wildunfällen, erklärt der Förster: "Meistens werden jüngere Rehböcke zusammengeführt – die sind noch unerfahren und werden häufiger von den anderen Männchen aus den Territorien vertrieben." Neben Rotwild, Schwarzwild und Rehen käme es immer wieder auch zu Wildunfällen mit Füchsen oder Madern.
Doch warum kommt’s überhaupt zu Wildwechsel auf den Straßen? "Der Rehbock zum Beispiel steckt im Frühjahr sein Territorium ab. Wenn dann ein Rehbock vertrieben wird, sucht er einen anderen Platz – und läuft dabei z. B. über die B13", erklärt Holzinger.

Vorsicht: Falsche Tierliebe

Das angefahrene, verletzte Tier zum Tierarzt zu bringen, sei falsche Tierliebe und zudem nicht erlaubt, erklärt der Förster: "Wenn ein Unfall passiert, muss man das gesetzlich der Polizei melden – die verständigt dann den zuständigen Jagdausübungsberechtigten. Das Tier kann ja verletzt davonlaufen, daher muss eine Meldung erfolgen, damit es nicht leiden muss." Zudem könnte unsachgemäßer Transport dem Tier noch mehr Leid zufügen, warnt man auch vonseiten des Landesjagdverbands.

Zäune und Reflektoren sollen schützen

Zäunen entlang der A1-Autobahn und Reflektoren entlang Freilandstrecken sollen das Wild schützen. Aufmerksame Fahrweise und angepasstes Tempo können Kollisionen vorbeugen. Wenn’s aber doch passiert? „Anhalten und die Polizei verständigen. Wir kümmern uns dann um alles weitere", so Josef Erber.

ZUR SACHE:

Im Jahr 2015 fielen im Bezirk Wien-Umgebung folgende Wildtiere dem Straßenverkehr zum Opfer:
Rehwild: 350
Schwarzwild: 10
Feldhasen: 300
Fasane: 70
Füchse: 30
(Quelle: Bezirksjägermeister)
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