23.08.2016, 00:00 Uhr

Bezirk Reutte hat überdurchschnittlichen Bedarf an Fachkräften

Wirtschaftsforscherin Sandra Hofmann, LR Johannes Tratter und AMS-Geschäftsführer Anton Kern stellen den Fachkräftemonitor vor. (Foto: Land Tirol/Sax)
TIROL/AUSSERFERN. Meldungen über steigende Arbeitslosenzahlen können wir fast täglich lesen. Was dabei oft unberücksichtigt bleibt ist der Umstand, dass es im Bereich der Fachkräfte nicht selten Engpässe gibt. Durch die demografische Entwicklung werden Fachkräfte knapp. Mit einem speziellen "Fachkräftemonitoring" will man den Unternehmen jetzt wichtige Daten über die aktuelle Situation am Facharbeitermarkt liefern. Diese Zahlen sind aber auch für die Politik sowie für Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen, sehr interessant.
Beim Fachkräftemonitoring handelt es sich um eine Kooperation von Land Tirol und Arbeitsmarktservice Tirol.

Großer Bedarf im Bezirk Reutte

Das neu eingeführte Fachkräftemonitoring weist für den Bezirk Reutte einen Fachkräftebedarf aus, der über dem Tiroler Durchschnitt liegt.
In der Region Außerfern liegt im Jahr 2016 ein Engpass von 4,8% (bzw. 700 Personen) vor, der im Vergleich zum Bundesland mit ca. 2,4%, überdurchschnittlich ist. Bis zum Jahr 2030 kann der Engpass in der Region Außerfern auf 13,6% der Nachfrage ansteigen und damit über dem Landesdurchschnitt von ca. 11,6% liegen.

Fachkräfteengpässe im Außerfern

In fast allen Tätigkeitsfeldern besteht bereits heute ein Fachkräfteengpass, wie beispielsweise im Tätigkeitsfeld Ingenieurwesen, Verarbeitendes Gewerbe & Baugewerbe, in dem knapp 200 Fachkräfte fehlen. Im Bereich der allgemeinen Bildungsgänge kann für das Jahr 2016 ein ausgeglichener Arbeitsmarkt vorgefunden werden – und auch in den Tätigkeitsfeldern Erziehung, Geisteswissenschaften & Künste sowie in der Landwirtschaft lassen sich nur geringe Fachkräfteengpässe vorfinden.

Interessantes Zahlenmaterial

Im Jahr 2020 ist in allen Tätigkeitsfeldern ein Engpass vorhanden – wenn auch ein nicht sehr großer. Die größten Engpässe sind nun im Tätigkeitsfeldern Sozialwissenschaften, Wirtschaft & Recht, Ingenieurwesen sowie Dienstleistungen zu finden. In allen drei Tätigkeitsfeldern beträgt der ungedeckte Fachkräftebedarf 200 Personen. In den allgemeinen Bildungsgängen, die im Jahr 2016 noch einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt verzeichnen konnten, werden im Jahr 2020 bereits 100 Fachkräfte fehlen.

Situation spitzt sich zu

Bis zum Jahr 2030 spitzt sich die Fachkräftesituation in den meisten Tätigkeitsfeldern zu. So sind die höchsten absoluten Fachkräfteengpässe in den Tätigkeitsfeldern Ingenieurwesen, Verarbeitendes Gewerbe & Baugewerbe sowie den Allgemeinen Bildungsgängen mit rund 600 Personen zu finden. Im Gegensatz hierzu herrscht im Tätigkeitsfeld Erziehung sogar ein kleiner Fachkräfteüberschuss von 10 Personen und in den Geisteswissenschaften ein ausgeglichener Arbeitsmarkt. Unter relativen Gesichtspunkten wird der höchste Engpass im Tätigkeitsfeld Dienstleistungen erwartet – dort können langfristig rund 400 Personen fehlen, was einem relativen Wert von 21,1% entspricht.

Die Internetanwendung ist unter www.fkm-tirol.atfrei zugänglich.




Gemeinsames Projekt

„Der Fachkräftemonitor ermöglicht erstmals die angebots- und nachfrageseitige Betrachtung des Fachkräfteangebotes entlang aller Qualifikationsstufen. Zudem sind tätigkeits- und branchenspezifische Analysemöglichkeiten und die Darstellung der strukturellen Entwicklung und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Tirol möglich – ein praxisgerechtes Instrument für die Tiroler Arbeitsmarktpolitik!“, erläutert Arbeitslandesrat Johannes Tratter. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf: „Es ist für die Tiroler Unternehmen, ja für unseren gesamten Wirtschaftsstandort von großer Bedeutung, genügend Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Nur so können wir die Chancen nutzen, die sich gerade im Export von Tiroler Produkten ergeben. Aber auch für die Erfüllung heimischer Aufträge sind ausreichend Fachkräfte notwendig. Mit dem Fachkräftemonitor Tirol haben wir nunmehr ein Instrument zur Verfügung, das gezielte Steuerungsmaßnahmen ermöglicht und Jugendlichen eine Orientierungshilfe zur Berufswahl bietet.“

Das Projekt wurde gemeinsam von Land Tirol und AMS Tirol initiiert, mit der Realisierung in der Praxis wurde das in diesem Bereich erfahrene WifOR Wirtschaftsforschungs-institut aus Darmstadt beauftragt. AMS-Tirol GF Anton Kern freut sich über die nunmehr erfolgte Umsetzung des Internet-Portals: „Die Visualisierung des Fachkräftearbeitsmarktes in Form einer Web-Anwendung ermöglicht eine einfache Darstellung der Ergebnisse, durch die alle Akteure des Arbeitsmarktes wertvolle Erkenntnisse zur branchenspezifischen Angebot-Nachfrage-Situation gewinnen können.“
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