21.07.2016, 07:26 Uhr

"Der Babynest-Bedarf ist in Ried Gott sei Dank gering"

Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried war das zweite KH in Österreich mit einem Babynest.

Seit der Eröffnung im Dezember 2000 wurden zwei Kinder im Babynest des Rieder Krankenhauses abgegeben.

RIED. Alleine bringt sie ihr Kind auf der Toilette zur Welt. Danach legt sie es irgendwo auf einem Autobahnrastplatz ab. Es ist schmutzig, es ist kalt. Sie ist eine verzweifelte Frau, die keinen Ausweg mehr weiß, die sich nicht im Stande sieht, ihr Neugeborenes zu behalten. Für diese Mütter, die sich in einer solchen extremen Notlage befinden, wurde Ende 2000 im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried das Babynest (Babyklappe) eröffnet. Zehn Jahre lang tat sich in der Einrichtung nichts. Dann, im Jahr 2011, wurde das erste Neugeborene im Babynest abgegeben, 2012 folgte das zweite. "Der Bedarf für die Babyklappe ist in Ried Gott sei Dank gering. Aber das Nest bedeutet für jedes Kind leben oder nicht leben. Es entgeht somit der Gefahr, woanders zu liegen", so Primar Walter Dirschlmayer, Abteilungsleiter Gynäkologie und Geburtshilfe.

Das Babynest besteht aus einem beheizten Raum im Seitentrakt des Krankenhauses, es ist für Außenstehende nicht einsehbar. Das Wärmebett hat konstante 37 Grad. "In der Klappe befindet sich ein Informationsblatt für die Mütter sowie ein Stempelkissen, mit dem sie einen Fußabdruck von ihrem Kind machen können. Außerdem haben die Frauen die Möglichkeit, etwas zu hinterlassen, mit dem man sie später identifizieren kann. Oft handelt es sich um eine Kurzschlusshandlung und sie wollen das Kind später zurückholen", informiert Primar Andreas Wimmer, Abteilungsleiter Kinder- und Jugendheilkunde.

Das Babynest ist eine wichtige Einrichtung, noch besser ist allerdings die Option der "anonymen Geburt", die im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried seit 2002 möglich ist. Denn: Alleine entbinden ist gefährlich, sowohl für die Frau, als auch für das Kind. "Beim Baby können Probleme bei der Atmung oder der Abnabelung auftreten und es kann unterkühlt sein. Bei der Mutter können lebensbedrohliche Blutungen und Infektionen auftreten", erklärt Wimmer. Der große Vorteil der anonymen Geburt: Man entbindet unter medizinischer Betreuung. "Die Frauen werden unter einem Pseudonym aufgenommen. Man braucht irgendeinen Namen um die Befunde zuordnen zu können", sagt Dirschlmayer. In Ried wurde bisher eine offizielle anonyme Geburt durchgeführt.

Die Kinder des Babynests oder der anonymen Geburt werden der Jugendwohlfahrt in Ried gemeldet und erhalten Adoptiveltern. Die Mütter haben am Anfang allerdings eine gewisse Zeit, ihre Entscheidung rückgängig zu machen und das Kind zurückzufordern.

"Es ist sehr gut, dass es diese beiden Möglichkeiten gibt. Wichtig ist aber das Stufenkonzept, das mit der Beratung beginnt. Jungen Menschen muss bei einer ungewollten Schwangerschaft eine Hilfestellung gegeben werden. Dafür gibt es im Krankenhaus Ried die anonym laufende Teenie-Ambulanz. Diese soll junge Frauen vor Kurzschlusshandlungen bewahren", so Dirschlmayer.
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