17.04.2016, 10:50 Uhr

Bezirks-Feuerwehrtagung 2016: Mehr Einsätze und ein neues Stressverarbeitungssystem für die Helfer

Feuerwehr-Bezirkstagung Rohrbach, 2016

Bei der Feuerwehr-Bezirkstagung 2016 in den Rohrbacher Veranstaltungsräumlichkeiten Centro ließ man nicht nur das abgelaufene Jahr Revue passieren sondern zeigte auch innovative Neuerungen auf.

BEZIRK (anh). Turbulent und vor allem einsatzreich war das vergangene Jahr für die Feuerwehren des Bezirkes Rohrbach – dies ging aus der diesjährigen Bezirkstagung im Centro hervor. 3053 Einsätze galt es zu meistern – davon 2882 Technische Einsätze und 171 Brandeinsätze. Das sind um ganze 940 mehr als noch im Jahr zuvor. In Summe investierten 14.129 Einsatzkräfte 30.200 Stunden in diese Arbeiten. Dies ergibt einen Durchschnitt von 8,3 Einsätzen pro Tag. Dabei wurden 11 Personen aus Fahrzeugen gerettet, 52 Menschen aus Notlagen befreit sowie drei Tote geborgen.

Abschnittsleiter "Sicherheit" erstmals in Verwendung

In der letzten Feuerwehr-Periode gab es zwei besonders fordernde Einsätze für die Florianis: den Großbrand in Nösslbach sowie einen Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen in Niederwaldkirchen.
Im Falle des Großbrandes, der mit der Alarmstufe II kategorisiert wurde, waren neun Feuerwehren mit 469 Kameraden vor Ort, wobei der Einsatz über 26 Stunden dauerte. Martin Brandl, der beteiligte Landwirt, erinnert sich zurück: "Es war schlimm, mitansehen zu müssen, wie einfach alles, was man in den letzten 20 Jahren geschaffen hat, abbrennt. Trotzdem hatten die Kameraden die Haupt- und Nebengebäude schnell im Griff. MIr ist ein Stein vom Herzen gefallen." Aus Sicht der Feuerwehren trugen ein paar Faktoren wesentlich zum raschen Löscherfolg des Objektes bei, wie Martin Wakolbinger berichtet: "Wir haben Rücksprache mit der Landeswarnzentrale gehalten und es war wichtig, dass der Einsatzleiter eben 'nur' diese Funktion inne hatte und somit den Kopf frei hatte, um einen guten Überblick darüber zu haben, wo die Schwerpunkte zu setzen waren. Sehr geholfen hat uns auch die Tatsache, dass die vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen vorbildlich getroffen worden waren. Wären die Brandschutztüren nicht geschlossen gewesen, hätte die Situation wahrscheinlich anders ausgeschaut. Die Alarmierung erfolgte außerdem am frühen Abend zu einer Zeit, wo viele Florianis verfügbar sind. Wichtig war auch die Bildung einzelner Abschnittsleiter. So hatten wir in Nösslbach erstmals auch einen Abschnittsleiter für den Bereich 'Sicherheit'. Auch die gute Ausrüstung der umliegenden Feuerwehren, die sich in den letzten Jahren sehr verbessert hat, trug zum Erfolg bei. 2007 hatten wir im gleichen Ort ein ähnliches Szenario zu bewältigen, wo wir nur eine Zubringerleitung der Großen Mühl hatten. 2015 konnten wir innerhalb kürzester Zeit drei Zubringerleitungen herstellen und hatten auch genügend große Löschfahrzeuge mit demenstprechendem Schlauchumfang zur Verfügung. Nicht zuletzt sind natürlich auch die Motivation und das Engagement der Kameraden als signifikante Faktoren zu nennen, genauso wie die gute Zusammenarbeit mit den weiteren Einsatzkräften sowie auch mit dem Besitzer der Landwirtschaft".
Gerade was die kleinen Feuerwehren betrifft – die auch in Nösslbach von großer Wichtigkeit waren – so sind sich übrigens die Ehrengäste des Abends einig, dass es sowohl Feuerwehren im Zentrum als auch in der Peripherie geben muss und dass alle Einsatzkräfte gebraucht werden. In puncto Gemeindezusammenlegung von Rohrbach und Berg, aber auch in Hinblick auf mögliche weitere Fusionen, heißt das für Bürgermeister Andreas Lindorfer auch, dass in diesem Fall beide Feuerwehren – Rohrbach und Perwolfing – bleiben dürfen und müssen.

Kennen der eigenen Mannschaft sehr wichtig

Bei dem schweren Verkehrsunfall in Niederwaldkirchen, der mit der Alarmstufe II kategorisiert wurde, waren zwei Personen eingeklemmt, wobei der Notarzt schon vor Ort war. Herbert Reinthaler erzählt: "Bei Einsätzen mit eingeklemmten Personen schwingt immer sofort die Frage mit: welches Personal nehme ich mit, wer hat die nötige Ausbildung bzw. Erfahrung, wen stelle ich wohin?" Das Kennen und Wissen um die Fähigkeiten der eigenen Truppe sei daher unabdinglich. "Die Tatsache, dass der Notarzt schon vor Ort war, erleichterte die Situation für den EInsatzleiter natürlich, weil man sofort einen Ansprechpartner hat die gesundheitliche Lage der Personen betreffend", ergänzt Reinthaler. Im Falle des besagten Verkehrsunfalles konnte sich einer der beiden eingeklemmten Menschen schließlich selbst befreien, für den zweiten kam jedoch jede Hilfe zu spät. "Hier ist es besonders wichtig, eine Nachbesprechung abzuhalten, um allen Hilfskräften zu signalisieren, dass jemand da ist zum Reden, der auch vertrauensvoll mit allen Ängsten umgeht", sagt Reinthaler. Tragische Szenarien wie unlängst auch bei dem schweren Verkehrsunfall in Julbach, bei dem der Lenker gegen eine Mauer crashte und starb, können Einsatzkräfte oft lange danach noch beschäftigen.

Hilfe für die Helfer: SVE-Team stellt sich vor

Genau hier, bei der Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen, möchte das neue SVE-Team ansetzen. "Kein Feuerwehr-Mitglied sollte nach einem belastenden Einsatz psychische oder seelische Schäden erleiden und es sollte auf keinen Fall zu einem Rückzug, einem Krankenstand oder sogar zum Ausstieg aus der Freiwilligen Feuerwehr kommen", stellt Bezirksfeuerwehrarzt Ingmar Aigner klar. Daher wird das System der SVEs flächendeckend eingeführt. Diese neue Einheit besteht sowohl aus Feuerwehrmitgliedern, die sozusagen für andere Feuerwehrmitglieder da sind, als auch aus psychosozialen Beratern der Krisenhilfe OÖ. Ihnen geht es zum einen um die Prävention, das heißt, die Vermittlung von Basiswissen zum Thema Einsatzstress und Folgen, sowie um die Akutbetreuung, das heißt, die Unterstützung der betroffenen Mitglieder nach belastenden Einsätzen. Als dritte, wichtige Aufgabe sehen sie die Nachbetreuung, um die volle psychische Verfügbarkeit der betroffenen Einsatzkraft wiederherstellen zu können.
Die Truppe aus dem Bezirk Rohrbach setzt sich zusammen aus den folgenden Einsatzkräften: Leiter Ingmar Aigner (Niederwaldkirchen), Stellvertreter Siegfried Kepplinger (St. Martin) und den Mitgliedern Sepp Bröderbauer (Altenfelden), Florian Sonnleitner (Peilstein), Karl Arbeithuber (Niederwaldkirchen), Harald Schönberger (Neustift) und Andreas Reingruber (St. Johann). In Ausbildung befindet sich außerdem Johannes Zeinhofer (Peilstein). Ihnen zur Seite stehen die psychosozialen Berater Veronika Berndl und Josef Pree.

Bewerbswesen und Jugendarbeit wichtig für die Zukunft

Aber nicht nur in puncto EInsätze gab es für die Feuerwehrmänner und -frauen des Bezirkes in letzter Zeit viel zu tun, sondern sie investierten auch viel Zeit in Übungen, die Jugendarbeit, Leistungsbewerbe oder Verwaltungs- und Wartungsarbeiten. Insgesamt waren 85.113 Florianis 346.853 Stunden mit diesen ebenso wichtigen Tätigkeitsbereichen der Feuerwehr beschäftigt. Den größten Teil – nämlich knapp über 30 Prozent – machen das Bewerbswesen und die Jugendarbeit aus. "Das ist auch besonders relevant für die Personalbeschaffung und -erhaltung", sagt Martin Hackl. Auch Landesrat Max Hiegelsberger betont an diesm Abend einmal mehr: "Die Feuerwehren proben ja nicht nur für die Einsätze und trainieren nicht nur für den Erfolg auf Bewerben – nein, es geht um viel mehr, nämlich um Kameradschaft und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung."
Danach – mit 27 Prozent – kommen schon die Einsätze, diverse Übungen und Wartungsarbeiten. Das letzte Drittel enftällt auf Verwaltungstätigkeiten sowie sonstige Bereiche. Dazu gehören etwa Ausrückungen zu Hochzeiten oder Begräbnissen, Haussammlungen oder die Organisation und Nachbetreuung von Festen.
Bewerkstelligt wird dies alles derzeit von 6.386 Feuerwehr-Mitgliedern – eine Zahl, die übrigens gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben ist. Bei den weiblichen Feuerwehrkameradinnen können die Wehren des Bezirkes ein Plus von sechs Mitgliedern verzeichnen. 394 Frauen gibt es derzeit hierzulande bei den Feuerwehren, dies entspricht einem Anteil von rund 6,6 Prozent.

Ein Jahr der Jubiläen und Siege

2015 war für die Feuerwehren des Bezirkes auch ein Jahr der Jubiläen: Sie feierten 10 Jahre Atemschutzleistungsprüfung, 20 Jahre THL-Prüfung und 20 Jahre Funklehrgänge. Im Jänner wurde übrigens der 30. Funklehrgang durchgeführt. Mittlerweile haben 1240 Teilnehmer diese Ausbildung absolviert.
Zudem waren drei Gruppen beim Landes-Feuerwehr-Leistungsbewerb 2015 in Hirschbach sehr erfolgreich: Den ersten Platz gab es für die Jugendgruppe St. Martin in Silber, einen ersten Platz sicherte sich auch die Damengruppe aus Julbach in Silber und einen ersten Platz gab es acuh für die Gruppe St. Martin I in Bronze.

Ehrungen des Abends

Eine Dankesurkunde gab es für Hermann Wallner. Die Bezirksmedaille in Gold bekam Erwin Altenhofer überreicht. Mit dem Verdienstzeichen der dritten Stufe wurde Helmut Ratzesberger ausgezeichnet und das Verdienstzeichen der zweiten Stufe dürfen nun Josef Öller und Sepp Bröderbauer ihr Eigen nennen.
Ein besonderer Dank gebührte an diesem Abend auch alle jenen Kameraden, die im Zusammenhang mit dem Flüchtlings-Transitzelt in Kollerschlag sowie der Unterbringung in Julbach, im Einsatz waren – allen voran die Feuerwehren Kollerschlag, Mistlberg, Julbach und Hinterschiffl.
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