05.06.2016, 19:38 Uhr

Viele Besucher bei Kundgebung gegen Brandstifter in Altenfelden

Landesräte Rudi Anschober, Reinhard Entholzer sowie Landtagsabgeordnete und Bürgermeister treten entschieden gegen Hetze und Hass auf.

ALTENFELDEN. "Mit dieser Aktion wollen wir zeigen, dass Altenfelden nicht den (geistigen-) Brandstiftern und Hetzern überlassen wird", sagte Marco Pühringer von der Sozialisitischen Jugend (SJ), die zum Protest gegen Rechtsextremismus aufgerufen hatte. Viele Leute folgten heute Sonntag, diesem Aufruf und setzten am Ort, wo am Dienstag das Asylwerberhaus "abgefackelt" wurde, ein Zeichen gegen dieses Verbrechen. Laut Polizei waren es 350 Besucher, die Veranstalter sprechen von mehr als doppelt so vielen. Veranstaltet wurde die Kundgebung von Schülerin Agnes Hammerschmied und Katharina Pichler. Bundeskanzler Christian Kern hat sich noch in der Nacht per SMS bei Hammerschmied gemeldet, um sich für ihren Einsatz zu bedanken.

Nächstenliebe im Container

"In den roten Containern dort ist nicht nur die Wohnung von 48 Flüchtlingen sondern auch viel Menschlichkeit, Privatinitiative und Nächstenliebe, die zerstört wurden, drinnen", sagte Altenfeldens Bürgermeister Klaus Gattringer mit Blick auf die Entsorgungscontainer, in denen die Überreste des abgebrannten Asylhauses gesammelt werden. "Das ist ein kapitales Verbrechen", so der Bürgermeister weiter, "ich fordere, dass alles getan wird, damit diese Schandtat aufgeklärt wird. Wir lassen uns das nicht gefallen."

"Wir schaffen das"

Applaus gab es immer wieder zwischen seinen Sätzen von der Menschenmenge. Der Bezirksfeuerwehrkommandant und Altenfeldner Josef Bröderbauer zeigte sich betrübt und nachdenklich, blickte aber optimistisch in die Zukunft: "Wir schaffen das und kommen aus dieser Dilemma-Geschichte wieder raus", appellierte er an den geschlossenen Auftritt gegen Rechtsextremismus im Ort.

"Geistiges Feuer legen"

Diesen will auch Soziallandesrat Reinhold Entholzer entschieden bekämpfen. Er kritisierte die Bierzelt-Aktionen der FPÖ, die dazu dienen würden, Hass zu schürren und "die niveaulose Masse aufzuhetzen." Entholzer: "Wer geistiges Feuer legt, hat die Flammen der Realität zu verantworten." Er zeigte anhand von Zahlen, dass die Zahl der rechtsextremen Straftaten in Oberösterreich im letzten Jahr um fast 41 Prozent gestiegen ist. 1691 rechtsextreme Delikte wurden angezeigt, im Vergleich dazu 186 Straftaten, die der linksextremen Szene zuzuordnen sind.

Wiederaufbau startet sofort

Wie man entschlossen gegen Rechtsextremismus auftreten wird, erklärte Integrations-Landesrat Rudi Anschober: "Wir bauen das Quartier in Altenfelden an dieser Stelle wieder auf. Alle Aufträge sind bereits wieder vergeben. Der Bau wird allerspätestens in der letzten Augustwoche fertig sein und dann gibt es Grund zu feiern", sagte Anschober.

Friedensgebet am 9. Juni, 19 Uhr

Auch die Katholische Jugend beteiligte sich an der Aktion. Nicole Leitenmüller: "Wir lassen uns nicht pflanzen und setzen uns für Hilfesuchende ein." Am Donnerstag, 9. Juni, findet um 19 Uhr im Pfarrzentrum Altenfelden ein multikonfessionelles Friedensgebet mit Flüchltingen statt. Zudem verteilte die Katholische Jugend Anstecker, die ein sichtbares Zeichen für Solidarität gegenüber Flüchtlingen symbolisieren sollen. Hier weitere Infos!

Geistloses Zündeln

Schriftsteller Reinhold Aumaier präsentierte ein Gedicht, das er in der Nacht verfasst hatte und er korrigierte Landesrat Entholzer: "Nicht wer geistiges Feuer legt, hat die Flammen der Realität zu verantworten sondern wer geistlos zündelt", legte Aumaier Wert auf die richtigen Worte.

Viele Redner, klare Worte

Zu den weiteren Rednern in Altenfelden gehörten LAbg. Ulrike Schwarz, LAbg. Georg Ecker, Vertreter der SJ, Bürgermeister Dominik Reisinger, Altenfeldens SPÖ-Ortschef Walter Haselmair, zwei syrische Flüchtlinge mit ihrem Lehrer Hannes Hammerschmied, Schriftsteller Reinhold Aumaier und Organisatorin Agnes Hammerschmied.

Gedicht von Reinhold Aumaier:
oide fäda… neiche gräbn

a ead
håms a glei mitvabrennt
d’åfackla van flichtlingsheim
an båtzn guade mühviala ead

gråbntiaf afgrissn
zwischn de leit

de söm ghearat
a glei mitafbaut…:
hi’broat
ågsamt
und so guat gossn
dass grea wieda afwåxt…

afwåcht & wåchsåm bleibt
untan åfawe blaun himmö
iwas wieda afmare gmåchte
brau‘

wäu heaz- gegn hetzbluat
g’heat pumpat… muaß pumpan

sunst kråchts boi wieda
blitzt’s und brennt’s…

owa dånn
dånn owa wia net gscheit
und egadem: in lånd
und mittn unta uns…

de friedvoi-ånschtändegn leit.

Mehr Infos zum Brand in Altenfelden finden Sie hier: www.meinbezirk.at/1760260





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Wilfried Mayr aus Freistadt | 07.06.2016 | 07:27   Melden
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