09.08.2016, 07:30 Uhr

Von der Kunst, sich zu begegnen

Anton Gugg (Stadtgalerie), Veronika Hitzl (Galerie Eboran) und Brigitte Blüml (Fotohof) sind vom Kunst- und Galerien-Cluster in Lehen begeistert.

Lehen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Mekka für Kunstinteressierte gemausert.

Vor rund sieben Jahren war Veronika Hitzl mit ihrer Galerie Eboran die erste Galeristin, die sich – aus der Bergstraße kommend – in Lehen angesiedelt hat. Mit der Entwicklung und Neugestaltung des ehemaligen Stadtwerkeareals folgten die Stadtgalerie und die Galerie Fotohof. "Im Nonntal hatten wir keine Möglichkeiten mehr, uns auszubreiten – was für unser Workshop-Angebot aber dringend notwendig war", erzählt Fotohof-Leiterin Brigitte Blüml-Kaindl. Das Publikum nach Lehen zu locken, war für sie nicht schwierig: "Ganz im Gegenteil wir haben hier mehr Besucher denn je", so Brigitte Blüml-Kaindl.

Events und Galerien-Rundgänge

Ähnliche Erfahrungen hat auch Veronika Hitzl gemacht, die in Lehen in der Ignaz-Harrer-Straße 38 (mit Dachterrasse) ihren mittlerweile achten Standort hat. "Das Publikum ist jedes Mal mit umgezogen." Stadtgalerie-Leiter Anton Gugg macht das geografisch bedingte Fehlen früherer Laufkundschaft im Mirabellgarten vor allem mit Events wett: "Vor allem anfangs brauchte es oft ein Verführungszuckerl, um an unseren mittlerweile gar nicht mehr so neuen Standort zu kommen. Wir locken die Menschen mit Lesungen, Konzerten und natürlich mit unseren Vernissagen zu uns."

Speziell die geführten Rundgänge "Lehen sehen" würden viele in Lehen wohnende Menschen ansprechen: "Wir haben hier etwa Studenten der PMU, die ältere Wohnbevölkerung aber auch neu Hinzugezogene, die dieses Angebot gerne in Anspruch nehmen", weiß Brigitte Blüml-Kaindl. "Das Schöne ist, dass sich bei uns Österreicher und Nicht-Österreicher begegnen – und vielleicht gemeinsam die Hemmschwelle, erstmals eine Galerie zu betreten, überwinden", ergänzt Veronika Hitzl. "Das Bedürfnis, Lehen über den Weg der Galerien zu sehen, ist jedenfalls groß", freut sich auch Anton Gugg.

Der nächste Galerien-Spaziergang "Lehen erleben" findet am 17. August statt. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr in der Galerie Fotohof. Das Motto: Schauen, spazieren, reden, ganz locker und kostenlos.

Noch eine Galerie für Lehen

Jetzt hat Lehen – was die Kunst betrifft – Nachwuchs bekommen: Mit 5. August hat Marijana Berbakov ihre Galerie "Art-Monopol" aus Mondsee in die Schießstattstraße 69 verlegt. "Salzburg, und ganz besonders Lehen bietet mehr Möglichkeiten, ein internationales Publikum zu erreichen", erklärt Marijana Berbakov. Mit dem neuen Standort in Lehen will sie – neben ihrem auf Schloss Walpersdorf (NÖ) bestehendem Standort und der Online-Galerie – noch mehr Möglichkeiten für junge Künstler schaffen, sich zu präsentieren. Den Anfang machen die Südtirolerin Christina Gallmetzer und der serbische Bildhauer Goran Cpajak. Ihre Werke sind bis 25. September zu sehen.

Was gibt's aktuell zu sehen?

Die Galerie Eboran zeigt bis 2. September Arbeiten von Andrea Bischof. Die in Tirol geboene und am Mozarteum Salzburg ausgebildete Malerin zeigt ihre Werke damit erstmals in einer Einzelausstellung in Salzburg. "Ihre Bilder sind sehr lebhafte, farbenfrohe abstrahierte Landschaftsbilder", so Veronika Hitzl.

Die Stadtgalerie Lehen zeigt bis 2. September in der Ausstellung "Wahlverwandtschaften" Werke von Hans Kruckenhauser, Siegfried Anzinger und Hubert Schmalix. Kruckenhauser (ein Sohn des legendären Fotografen, Ski-Pioniers und Erfunder des Wedelns, Stefan Kruckenhauser) unterrichtete jahrelang in Salzburg und studierte in den 60er-Jahren in Paris. Aus dieser Zeit stammen auch zwei der ausgestellten und bislang noch nie öffentlich gezeigten Ölbilder. Was Kruckenhauser mit den beiden anderen Künstlern verbindet, ist die gemeinsame Zeit an der Wiener Akademie, aus der sich eine lebenslängliche Freundschaft und ein künstlerischer Dialog entwickelt hat. Schmalix gestaltete die Wandfresken im Festspiele-Schüttkasten und in der St. Pauls-Kirche in Maxglan; Anzinger einen in der Privatklinik Wehrle ausgestellten Werkzyklus. "Das Leithema der Ausstellung sind Akte. Kruckenhauser war ein Meister des malerischen Aquarells – die Akte zeigen eine völlig andere Seite an ihm", verrät Anton Gugg.

Die Galerie Fotohof zeigt bis 24. September Arbeiten des Leipziger Künstlers und Fotograf Matthias Hoch. Vor zwei Jahren betrat Hoch erstmals das Hotel Kobenzl am Hausberg der Salzburger, dem Gaisberg. In der Ausstellung "Hotel Kobenzl" wird die Geschichte des Hotels, das seit dem Vorjahr als Flüchtlingsverteilzentrum des Innenministeriums dient, lebendig. Daneben bietet der Fotohof eine mit 12.000 Bänden bestückte Bibliothek zum Thema Fotografie und eine Artothek: Interessierte können sich hier einzelne Bilder ausleihen. "Dieser Service wird gerne von Ärzten für die Einrichtung ihrer Praxen, aber auch von Studenten mit wenig Budget oder beruflich vorübergehend in Salzburg lebenden Menschen genutzt", weiß Brigitte Blüml-Kaindl. Die Kosten belaufen sich auf acht Euro pro Bild – das man dann für etwa zwei Monate behalten darf. Im Fotohof Archiv (Sparkassenstraße 2) ist bis 19. November Christian Wachters Zyklus von 13 Schwarz-Weiß-Fotografien "Europe" zu sehen.
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