08.03.2016, 14:07 Uhr

Unternehmerin des Jahres: Felicitas Kohler, Geschäftsführerin von Planlicht, im Interview

Felicitas Kohler (2.v.l.) mit Bgm. Karl-Josef Schubert (l.) sowie WB-Vomp Obmann Mario Goldbrich (2.v.r.) und WB-Schwaz Obmann Martin Wex (r.) (Foto: Knoflach)

Felicitas Kohler wurde Anfang des Jahres mit dem Award „Unternehmerin des Jahres“ in der Kategorie „Export“ ausgezeichnet. Wir trafen die erfolgreiche Business-Woman zum Interview.


RM: Wann haben Sie davon erfahren, dass Sie die Auszeichnung „Unternehmerin des Jahres“ erhalten?
FELICITAS KOHLER: „Ich habe erst direkt bei der Gala erfahren, dass ich die Erste bin. Über die Nominierung wusste ich schon Bescheid, ich gab auch schon Interviews vorher, aber ich wusste es im selben Moment wie alle anderen.“

RM: Was haben Sie sich in dem Moment gedacht?
KOHLER: „Im ersten Moment ist das nicht so realisierbar. Ich habe grundsätzlich die Ehrfurcht in mir. Ich bin sehr stolz darauf, diesen Award erhalten zu haben, aber das ändert nichts in mir bei meinem täglichen Tun.“

RM: Was verbinden Sie mit Innovation und welche Philosophie verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen?
KOHLER: „Innovation ist sehr breitgefächert. Sie bezieht sich nicht nur auf Produkte, sondern auch auf Prozesse und vor allem das Denken der Mitarbeiter. Anders zu sein ist attraktiv und zieht an. Wir erkennen die Trends am Markt. Wir haben zwar selbst keine Forschung, aber wir sind deswegen nicht weniger innovativ. Innovation ist so viel. Das ist für mich schöpferisches Denken, Anders-Sein, nicht immer nach der Regel zu gehen.“

RM: Welche Linie verfolgen Sie in Bezug auf Ihre Mitarbeiter?
KOHLER: „Das Monetäre muss auf jeden Fall passen. Aber vor allem auch für junge Mitarbeiter ist es wichtig, dass sie einen Job haben, bei dem der persönliche Erfolg zählt.“

RM: Welche Rolle spielen Lehrlinge bei Planlicht?
KOHLER: „Eine ganz wichtige. Seit 2001 sind wir ‚Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb‘ und ich finde, dass Lehrlinge die Mitarbeiter der Zukunft sind. Lehrlinge sollen nach ihrer Lehrzeit schon einen Platz im Unternehmen haben. Ich sehe das so: Lehrlinge ja, gute Ausbildung ja, Lehrlinge behalten: unbedingt. Alles andere wäre demotivierend für die jungen Menschen. Wir haben zurzeit sechs Lehrlinge und stellen jedes Jahr neue ein. Wir haben immer tolle Lehrlinge mit guter Einstellung und gutem Hausverstand, das sind alles ganz tolle Jugendliche. Ich glaube, das ist die Zukunft.“

RM: Sie haben 2013 das Unternehmen von Ihrem Vater übernommen. Was haben Sie im Vorfeld unternommen, um die Übernahme so fließend wie möglich zu gestalten?
KOHLER: „Wir haben drei Jahre daran gearbeitet mit detaillierten Besprechungen. Ich habe noch zwei Schwestern, die allerdings weniger Interesse daran hatten, das Unternehmen zu übernehmen als ich. Ich bin seit 2000 selbst im Unternehmen und habe von der Pike auf in allen Abteilungen gearbeitet. Es gab zuerst die interne Entscheidung und dann haben wir schnell unsere Mitarbeiter informiert. Das ist wichtig, weil die Sicherheit des Arbeitsplatzes das Um und Auf ist. Ich habe dann leitende Positionen übernommen und war ab 2010 Assistentin der Geschäftsführung und habe so alle Aufgaben gelernt, also wie das Unternehmertum ausschaut. Zusätzlich habe ich von 2009 bis 2012 ein berufsbegleitendes Studium am MCI absolviert. Das hat sehr geholfen. Ich hatte so die Verbindung vom Praktischen und Theoretischen. Ich habe Konsequenz und Zeitmanagement gelernt und wie man damit umgeht, aus der Komfortzone herauszutreten.“

RM: Wie funktioniert für Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
KOHLER: „Es ist ein schwieriger Spagat. Hut ab vor Frauen, die alles unter einen Hut bringen. Ich konzentriere mich gerne auf eine Sache im Leben, daher kann ich mir mit so einem Job, wie ich ihn habe, auch keine Kinder vorstellen. Kinder sind die größte Verantwortung und ich habe im Moment nicht die Zeit, um dieser Verantwortung nachzukommen.“

RM: Empfinden Sie es als schwierig, sich als Frau in der Wirtschaft zu behaupten, bzw. haben Sie das Gefühl, sich mehr beweisen zu müssen?
KOHLER: Nein. Ich bin in einer männerdominierten Branche, aber dennoch empfinde ich es nicht so. Ich mache mir darüber gar keine Gedanken. Warum es an der Spitze so ist, dass es hauptsächlich Männer sind, mag in der Vergangenheit begründet sein. Oft liegt es an den Frauen selbst. Frauen zeigen oft nicht so sehr, was sie können. Frauen sollen mutig werden und einfach tun. Frauen sollten nicht zu viel in der Phase des Abwägens bleiben, sondern einfach zeigen, was sie können. Dann erübrigt sich das leidige Thema Mann/Frau. Aus dieser Zeit sind wir heraus. Den Weg gehen müssen die Frauen selbst.“

RM: Worauf sind Sie besonders stolz?
KOHLER: „In erster Linie bin ich sehr stolz auf die Mitarbeiter. Was vor allem in den letzten zwei Jahren passiert ist, ist spannend, aber auch arbeitsintensiv. Meine Mitarbeiter gehen tagtäglich mit Veränderung um, darauf bin ich unheimlich stolz. Ich stehe auf dem Podest, aber ohne die Mitarbeiter im Hintergrund wäre das alles überhaupt nicht möglich. Ich bin sehr wenig angstgetrieben, denn Angst ist nur hinderlich. Ich habe Ehrfurcht, aber keine Angst.“

RM: Was wünschen Sie sich für die Zukunft für Ihr Unternehmen?
KOHLER: „Ein gutes, sicheres und nachhaltiges Vorankommen.“
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