25.07.2016, 14:50 Uhr

Von Patrioten, Helden und Antihelden

Dramatiker und Drehbuchautor Felix Mitterer wurde bei der Lesung im Stadl von Siggi Haider musikalisch begleitet.

Einen vergnüglichen und nachdenklichen Leseabend erlebten die Besucher am Sonntag im Kranewitter-Stadl im Rahmen der Tiroler Volksschauspiele in Telfs: Der beliebte Dramatiker und Drehbuchautor Felix Mitterer las aus dem neuen Buch "Stücke 5" (Haymon-Verlag), eine Sammlung von Werken der Jahre 2007 bis 2013, die zum Teil auch bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs auf die Bühne kamen.

TELFS. "Ahhh, jaaa" - Viele der Besucher im Stadl erinnerten sich noch an das Stück "1809 - mein bestes Jahr", das im Gedenkjahr 2009 im Kranewitter-Stadl im Rahmen der Tiroler Volksschauspiele gespielt wurde. Markus Plattner trug den Text damals eindringlich vor, schlüpfte in die Rolle des "Metzger Klaus". Autor Mitterer erzählt den Hintergrund zum Stück und zum Helden, auf den er vom Telfer Historiker Dr. Stefan Dietrich aufmerksam gemacht wurde: "Stefan hat mir von seinem Ururgroßonkel Nikolaus Dietrich erzählt, den nannten sie "Metzger Klaus", ein Hörtenberger Schütze und ein Wilder Hund, der beim Tiroler Aufstand dabei war." Mitterer wollte Markus Plattner zur Lesung einladen und ihn lesen lassen, der weilt aber derzeit in Griechenland - "und macht Urlaub!", meinte Mitterer ganz erstaunt und trug selbst die Schlüsselszenen aus dem Stück vor.

2009 war auch das Stück "Der Patriot" im Programm der Volksschauspiele: Pepi Pittl spielte den Briefbomber Franz Fuchs – ein Antiheld, den Mitterer in sein Lesungsprogramm aufgenommen hat: "Der Franz Fuchs war mir einfach zuwider, aber ich ließ mich überreden und habe ein Stück geschrieben." Von Fuchs' Gerichtspsychiater Dr. Reinhard Haller hat Mitterer das Gerichtsgutachten erhalten, aus dem Stoff mit dem Gedankengut des Attentäters wurde dann ein interessantes Erfolgsstück.

Mitterer schrieb auch auf Wunsch von Gregor Bloéb für den Theatersommer in Haag die Geschichte des Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter. Tief beeindruckt war Mitterer von der Liebesgeschichte von Franz und seiner Gattin Franziska, die auch 70 Jahre nach dem Tod von Franz und bis zum Tod von Franziska selbst angehalten hatte.
Vieles zu den Stücken, wie sie entstanden sind und die vollständigen Texte selbst werden im Band "Stücke 5" (Haymon-Verlag) ausführlich behandelt, erhältlich im Buchhandel.

Siggi Haider begleitete Mitterer musikalisch passend zu den Stücken, überwiegend Werke von Werner Pirchner. Da wurden auch Erinnerungen wach an die Anfänge der Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall und das "Stigma"-Drama, das die Volksschauspiele schließlich nach Telfs brachte: "35 Jahre in der Burg Hasegg zu spielen wäre mit der Zeit auch langweilig. In Telfs, wo die Textilindustrie zugrunde gegangen ist, haben sich immer tolle Spielorte ergeben, wir konnten in Abbruchgebäuden spielen."

Am Ende der Lesung erzählte Mitterer noch seine Geschichte über die Entstehung der "Weberischen" - und dass diese nun erstmals in seiner Bühnenfassung bei den Tiroler Volksschauspielen im Rathaussaal gespielt werden. Premiere ist am Donnerstag, 28. Juli 2016.
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