10.04.2016, 19:32 Uhr

Jetzt bist du dran!

Ich habe Georg noch nie weinen sehen. Doch heute hat er sich nicht mehr halten können. Schon in der früh hatte er an der Kirchentür einen rumänischen Bettler getroffen. Er gab ihm alles Bargeld, das er in der Hosentasche hatte. "Es ist mir in Wirklichkeit egal, was er damit macht. Aber es war auf jeden Fall eine Geste der Freundschaft." später erzählte dann eine selbst erlebte Geschichte:
Damals traf ich einen fremden Mann auf der Straße. In gebrochenem Deutsch brachte er heraus, dass dieser ein Serbe war. Er war im Krieg aus der serbischen Armee desertiert, weil er das sinnlose Töten nicht mitmachen wollte. Nun stand er da, mit Frau und Kindern, arbeits- und heimatlos. IN Georgs Kopf hämmerte es: "Jetzt bist du dran!" Georg hatte damals eine Firma. Ein Teil des Lagers wurde ausgeräumt, um schnell eine provisorische Unterkunft bereit zu haben.
Zusammen mit der Caritas wurde eine Wohnung gefunden und die wichtigsten Utensilien für die Einrichtung organisiert. Und das war einiges. Jeder, der einmal umgezogen ist, weiß das.
Georg ließ Herrn M. in seiner Firma arbeiten. Nach einigen Wochen kam Georg um 11 Uhr in der Nacht an seiner Firma vorbei und wunderte sich. Er sah noch Licht und dachte eigentlich, dass die Mitarbeiter vergessen hatten, es abzuschalten.

Noch mehr war verwundert, dass er dort Herrn M. vorfand. Er arbeitete fleissig an seiner Aufgabe. Georg meinte: "Warum sind Sie so spät noch hier?"

In seiner Erzählung brach er nunmehr in Tränen aus und konnte sich kaum mehr halten. Wie schon erwähnt ein Novum und das mich meinen alten Freund Georg innerlich noch näher brachte. Als er sich wieder halbwegs gefasst hatte:
Herr M., mein desertierte Serbe sagte: "Das ist die einzige Möglichkeit, die sich mir bietet, meine Dankbarkeit Ihnen gegenüber zum Ausdruck zu bringen."

Bei den Dingen, um die es wirklich geht, merkst halt wie nah sie dir gehen. Wie sehr gutes Dein Herz berührt und dich höheres verstehen lässt. Manchmal und immer wieder ist man einfach "dran" die Initiative zu ergreifen und zu helfen.

Und noch viele Jahre später ist die Erinnerung daran so intensiv, dass man vermutlich zum wiederholten Male dabei weinen darf.

Es gibt ja bekanntlich nichts gutes, außer man tut es.
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