Wien-Kommentar
Ein Aus von "Radio Orange" betrifft vor allem den Nachwuchs
- MeinBezirk-Redakteur Michael Marbacher warnt vor davor, dass Chancen für junge Journalistinnen und Journalisten verschwinden könnten.
- Foto: Carina Baumgartner
- hochgeladen von Michael Marbacher
"Radio Orange" könnte 2027 abgedreht werden. MeinBezirk-Redakteur Michael Marbacher über das, was übrig bleibt, wenn man keine Chance mehr hat, Fehler machen zu dürfen.
WIEN/BRIGITTENAU. Vergangene Woche wurde bekannt, dass "Radio Orange" mit existenzbedrohenden Folgen einer Förderkürzung konfrontiert ist (siehe unten). Die Förderung der MA 13 – Bildung und Jugend fällt ab 2027 weg. Für 2026 konnte ein halbiertes Notbudget von 170.000 Euro nachverhandelt werden. Damit würden im kommenden Jahr rund 240.000 Euro, etwa 30 Prozent des Gesamtbudgets, fehlen.
Aus dem Büro der Bildungs- und Jugendstadträtin Bettina Emmerling (Neos) heißt es mittlerweile, dass man sich bei Förderungen auf Kinder- und Jugendprojekte fokussiere. Radioprojekte könnten "aufgrund der budgetären Vorgaben" nicht aus dem Bildungsbudget finanziert werden. Obwohl gerade der Nachwuchs von Radio Campus profitiert.
Raum, Fehler machen zu dürfen
Die Medienwelt ist ohnehin ein hartes Pflaster. Nicht alle haben die Möglichkeit, Praktika oder Traineeships zu absolvieren. Deren Zahl ist begrenzt und steht Hunderten Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber. Außerdem sind sie für Niedrigstlöhne berüchtigt. Praxiserfahrung ist also ein rares Gut. Genau da setzen Projekte wie das freie Radio an.
- Ulli Weish, Geschäftsführerin von "Radio Orange 94.0", warnt vor den Folgen eines möglichen Aus für das Freie Radio.
- Foto: Frank Jödicke
- hochgeladen von Michael Marbacher
"Radio Orange" gibt jungen Medienmacherinnen und -machern eine wichtige Chance: nämlich Fehler machen zu dürfen. Dort macht man seine ersten journalistischen Schritte, lernt aus Fehlern und von anderen Radiomachenden. Ohne finanzielle Hürden kann man so Teil der Medienlandschaft werden.
Das Gleiche gilt für junge Musikerinnen und Musiker. Das Freie Radio schafft erste Erfahrungen mit On-Air-Situationen oder ermöglicht es, die eigene Musik zum ersten Mal im Radio zu hören. Dass die Stimme von "Radio Orange" als Plattform für die wenig Gehörten, Neo-Musikerinnen und -Musiker sowie allen jungen Medienmachenden verstummen könnte, möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.
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