22.06.2017, 11:52 Uhr

Toynbee-Halle steht vor dem Abriss

Georg S., Andrea Mirtl und Barbara Pickl möchten den Abriss des Gründerhauses in der Webergasse 13 verhindern.

Bezirk und Anrainer wollen Gründerzeithäuser erhalten. Der Abriss hat jedoch bereits begonnen. Die Arbeiten am Dach sind in vollem Gange.

BRIGITTENAU. Aus der Gründerzeit um 1898 sind in der Brigittenau nur mehr in manchen Straßenzügen Reste vorhanden. Umso interessanter ist es für die Anrainer der Webergasse 13, eines der letzten Gründerzeithäuser der Brigittenau mit spannender Geschichte zu erhalten. „Ich kannte noch die Hauseigentümer und viele der ehemaligen Mieter“, zeigt sich Anrainerin Andrea Mirtl über den drohenden Abriss entsetzt. Das Haus mit Charakter und identitätsstiftender Umgebung soll nach der Meinung vieler Anrainer revitalisiert werden.

Die Gaszufuhr wurde jedoch schon unterbrochen und erste Abrissarbeiten am Dach sind seit vergangener Woche im Gang. Und das, obwohl die Beweissicherung rund um die Nachbarhäuser noch nicht stattgefunden hat und Anrainer zusammen mit dem Bezirk einen Einspruch bei der Bauverhandlung eingelegt haben.
Nach dem Tod der ehemaligen Eigentümerin im Jahr 2013 wurden das Haus und das Grundstück von der Entwicklungsfirma Trinum Immobilien GmbH gekauft. Ein Neubau mit fünf Stockwerken und zwei ausgebauten Dachgeschoßen für insgesamt 24 Wohnungen ist geplant. Eine Garage mit Einfahrt in der Webergasse ist berücksichtigt.

Das von Architekt Christoph Schwaighofer GmbH geplante Gebäude liegt mit 18 Meter an der Frontseite und mit 4,5 Meter beim First über den zulässigen Werten. Deshalb wurde der Einspruch bei der Bauverhandlung erhoben.

Ausbau der Schutzzone

Gleichzeitig hat der Bezirk auf Antrag der Brigittenauer Grünen einstimmig beschlossen, die bauliche Schutzzone auf diesen Häuserblock auszuweiten. Das Verfahren zur Umwidmung läuft, wird aber einige Zeit benötigen. Innerhalb dieser Zeitspanne kann jedoch der Eigentümer jederzeit das Haus abreißen lassen, was derzeit bereits passiert. Barbara Pickl, Grüne, kritisiert, dass die Wiener Bauordnung etwa zu investorenfreundlich gestaltet und dieser Abriss innerhalb der Einspruchsfrist möglich ist: „Es wäre schade, wenn man Stadterneuerung mit Scheuklappen angeht.“
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