Interview zum Umweltschutz
Köstinger: Erdöl gehört langfristig der Vergangenheit an
- Köstinnger: "Der Klimawandel ist die größte Herausforderung in diesem Jahrhundert. Dazu braucht es globales Handeln. Die EU kann hier mit gutem Beispiel vorangehen."
- Foto: Arnold Burghardt
- hochgeladen von Wolfgang Unterhuber
Interview mit Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger über Umweltschutz, Klimawandel, Bauernsterben, Abwanderung und die EU.
meinbezirk.at: Wie schnell fahren Sie auf der Autobahn?
KÖSTINGER: Maximal 130 km/h. Aber natürlich nur, wenn es erlaubt ist.
Sie wollen als Nachhaltigkeitsministerin den CO₂-Ausstoß reduzieren. Warum nicht eine EU-weite CO₂-Steuer einführen?
Da gibt es von uns eine Initiative, um das auf europäischer Ebene zu verankern. Frankreich hat zum Beispiel schon eine CO₂-Steuer eingeführt und ist damit nicht sehr glücklich, weil es ein Wettbewerbsvorteil für die angrenzenden Staaten ist. Um wirklich einen Effekt zu erzielen, kann es also nur eine europäische Lösung geben.
Wie realistisch ist das?
Der Klimawandel ist die größte Herausforderung in diesem Jahrhundert. Dazu braucht es globales Handeln. Die EU kann hier mit gutem Beispiel vorangehen.
Was sagt die Öl-Lobby zu Ihrem Kampf gegen das CO₂?
Erdöl ist ein Produkt, das wir jetzt noch brauchen, aber langfristig der Vergangenheit angehören wird. Das erfordert einen enormen wirtschaftlichen Transformationsprozess. Auch die Ölindustrie beginnt, das zu erkennen.
Was wurde aus der Idee "Schiene statt Straße", um CO₂ zu reduzieren?
Der Verkehrsminister investiert massiv, um dem Ganzen wieder Schwung zu verleihen. Und dazu wollen die ÖBB bekanntlich langfristig CO₂-Neutralität erreichen.
In Österreich werden täglich knapp 20 Hektar zubetoniert. Gleichzeitig stehen alte Industrie- und Gewerbeflächen in der Größenordnung von Wien leer. Soll man die Raumordnung ändern?
Ich weiß, wie schwierig es als Bürgermeister ist, eine Widmung nicht zu erteilen. Mein Zugang ist daher ein anderer: Wir müssen viel mehr Bewusstsein für das Thema schaffen. Und wir müssen leer stehende Flächen renaturieren, was auch schon geschieht. Das ist kostspielig, aber ohne Alternative.
Sind wir überhaupt auf den Klimawandel vorbereitet?
In dem Ausmaß, in dem er uns bevorsteht, sicher noch nicht. Die Schädlinge nehmen zum Beispiel durch die anhaltende Wärme zu. Wir mussten heuer aufgrund der Schädlinge 75 Prozent der Kartoffelernte vernichten. Im Forstbereich explodiert die Borkenkäfer-Population. Wir sehen, dass die Fichte keine Zukunft mehr hat – ein riesiges Problem für die betroffenen Forstwirte, aber auch für die Gesellschaft und den Tourismus. Denken Sie an die ganzen Schutzwälder in den Alpen.
Und wie reagiert man?
Wir setzen gerade Forschungsprojekte um, die sich mit der Anpflanzung neuer Sorten in der Agrar- und Forstwirtschaft beschäftigen.
Wie sieht’s beim Wasser aus?
Die Trinkwasserversorgung ist dank der öffentlichen Hand gesichert. Das Problem sind die regionalen Niederschlagsunterschiede. Da brauchen wir künftig Lösungen in puncto effizienter Bewässerungssysteme. Nur sind wir generell derzeit von Bedrohungsszenarien sehr weit entfernt.
Anderes Thema: Wie kann man die Abwanderung vom Land stoppen?
Durch Digitalisierung. Der ländliche Raum hat nur dann eine Zukunft, wenn es überall schnelles Internet gibt. Und da vor allem junge Frauen abwandern, gilt es, gerade für sie flexibel je nach Region entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie bleiben.
Was tun gegen das Bauernsterben?
Regionale Produkte kaufen.
Die sind aber halt leider oft teurer.
Bis zu einem Drittel der diversen Lebensmittel in privaten Haushalten landet in Österreich im Müll. Ich denke, da geht es um Bewusstseinsbildung. Von der billigen Eigenmarkenmilch zum hochwertigen regionalen Produkt sind es nur ein paar Cent. Es geht auch um Umweltschutz und Gesundheit. Heimische, hochqualitative Lebensmittel bedeuten kurze Transportwege und damit weniger CO₂-Ausstoß und gesündere Ernährung.
Zur Regierungsarbeit: Viele Menschen haben den Eindruck, dass wir derzeit nur von der FPÖ regiert werden.
Ich höre dazu auch andere Meinungen. Wir haben ein Regierungsprogramm, und das arbeiten wir sukzessive ab.
Wird hinter verschlossenen Türen auch gestritten?
Wir diskutieren Dinge intern aus, da gibt es immer wieder Meinungsunterschiede, weil wir zwei unterschiedliche Parteien sind. Aber unser Stil ist eben ein anderer. Ich kann verstehen, dass manche Journalisten da unruhig werden, da sie vom Streit in den vergangenen Jahren gut gelebt haben.
Nächstes Jahr sind EU-Wahlen. Wird die Allianz der rechten Parteien Nummer eins?
Nein. Gerade der Brexit zeigt, dass gegen die EU zu sein, wohl nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber: Wir als Volkspartei wollen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema EU, weil vieles eben auch nicht richtig läuft. Wir brauchen wieder mehr Hausverstand. Große Dinge soll man auf europäischer Ebene entscheiden, kleine Dinge auf nationaler.
Sie bleiben nach der EU-Wahl in der Bundesregierung?
Ja.
Redaktion: Wolfgang Unterhuber
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.