5 Minuten: Regen in Wien

WIEN. Der Wiener ist ein besonderer Menschenschlag. Vieles davon verstehe ich nun, schließlich bin ich selbst einer – sogar einer der wenigen gebürtigen. Und kann auch mit Stolz auf eine tschechische Großmutter verweisen (die in Wien gelebt hat), einen österreichischen Großvater (der in Znojmo lebte) und zwei Großeltern aus dem Waldviertel. Also ein echter Wiener.

Als solcher habe ich das Granteln genauso verinnerlicht, wie immer das Schlechte zu sehen – sagt meine Frau jedenfalls. Für mich ist das nichts als eine reale Sicht der Dinge.

Was ich allerdings in fünf Jahrzehnten nicht verstehen gelernt habe, ist, wie Wien bei ein paar Regentropfen regelrecht im Wasser untergeht. Als Erstes merkt man es am Stau, der bei nasser Fahrbahn Wien beinahe flächendeckend überzieht. Dann sind auch noch die Öffis überfüllt. Und die wenigen Meter, die der gelernte Wiener widerwillig geht, werden laufenden Schrittes mit gesenktem Kopf und Regenschirm zurückgelegt. Dabei achten alle peinlichst darauf, nur die Teile des Gehsteigs zu berühren, die am wenigsten nass sind.

Da finde ich es erfrischend, wie die Kinder reagieren: Sie sind noch unverdorben und freuen sich über das Nass. Gebremst werden sie dabei nur von den Erwachsenen mit einem strengen "Das tut man nicht!".

Bis ich den junggebliebenen Opa mit seiner rund 13-jährigen Enkelin gesehen habe: Quicklebendig hüpften beide von Pfütze zu Pfütze – und das natürlich ohne Regenschirm. Die Wassertropfen auf der Brille störten den Mann nicht. Als er erschöpft war, ging er weiter – mit einem Fuß auf dem Gehsteig und einem auf der zehn Zentimeter tiefer liegenden Fahrbahn. An der Hand sein Enkerl, von Pfütze zu Pfütze hüpfend.

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