16.09.2014, 19:14 Uhr

Helfende Hände für Waisenkinder

Viele Kinder in Uganda werden durch Aids früh zu Waisen. (Foto: Fenböck)

Die Wienerin Christine Fenböck verwirklicht mit "Helping Hands Family" ihren großen Traum und ermöglicht damit Waisenkindern in Uganda ein besseres Leben.

Ihr Glaube ist für die ehemalige Kinderkrankenschwester der treibende Motor, wenn es darum geht, etwas zu bewegen. "Alles, was ich tue, ist ein Herzenswunsch und Gottes Auftrag an mich", meint die engagierte Wienerin überzeugt. Den Beginn ihres Engagements bildete der Brief eines verzweifelten Mädchens aus Uganda, das nach dem Tod seiner Eltern ihre vier Geschwister alleine versorgen musste. "Das Mädchen hat meine Adresse in einem Katalog in Kampala gefunden und mir geschrieben, weil wir denselben Namen, Christine, haben." In dem Brief schilderte das junge Mädchen seine tiefe Verzweiflung.

Beginn von etwas ganz Großem

"Ich dachte mir damals: Wenn ich nichts tue, tut niemand was!", woraufhin Christine Fenböck nach Briefkontakt mit Christine Nambi im Jahr 2000 ihre erste Reise nach Uganda antrat. "Als ich Christine und ihre Geschwister kennen gelernt habe, war mir klar, dass ich die Kinder wieder in die Schule schicken muss." Unter anderem durch Beiseitelegen ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes ermöglichte die dreifache Mutter den fünf Waisenkindern den Besuch einer privaten Schule.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. 2005 hatte die Kinderkrankenschwester die entscheidende Vision: "Ich habe gesehen, dass ich regionale Zentren bauen werde- Schule, Klinik, Kindergarten, Kirche, Markt, Landwirtschaft – damit sich die Menschen in Uganda selbst erhalten und ihren Kindern ein besseres Leben schenken können."

"Man muss einfach anfangen!"

Aber wie wird aus einer Vision Wirklichkeit? Diese Frage beantwortet Christine Fenböck ohne zu zögern: "Man muss einfach anfangen!" Doch was so einfach klingt, ist ein steiniger Weg, der die gläubige Wienerin oft an ihre Grenzen brachte. "Ich wollte etwas bewirken, doch ich war nur eine Kinderkrankenschwester ohne Macht und Geld. Die ersten Male um Spenden zu bitten, fiel mir sehr schwer und war schrecklich!" Der Name der Organisation war hingegen schnell gefunden "Helping Hands Family" - eine Familie, die anpackt und einander hilft.

Nach und nach lernte Christine Fenböck durch glückliche Fügungen in Uganda Menschen kennen, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützten und dem eigenen Volk helfen wollten. Unter anderem John, der bereits sieben Waisenkinder betreute und die 21-jährige Alice, die selbst Halbwaise ist und von ihrem Mutter verstoßen wurde. Durch "Helping Hands Family" konnte Alice Englisch lernen und wurde zur Repräsentantin der Organisation in Uganda.

Unvorstellbare Armut

Mit den ersten gesammelten Spenden wurden ein privates Waisenhaus unterstützt und Patenschaften für Kinder übernommen. Sich die Not einiger Kinder in Uganda vorzustellen, ist für uns fast unmöglich. Die ärmsten Menschen wohnen in den Slums, wo zu Regenzeiten das Wasser teilweise kniehoch in den Hütten steht. Gewalt, Armut und vor allem Aids sind die Hauptprobleme in Uganda. Viele Bewohner sterben vor ihrem 50. Geburtstag, weshalb die Hälfte der Bevölkerung mittlerweile unter 15 Jahre alt ist. Christine Fenböck schildert ein bewegendes Erlebnis folgendermaßen: "In einem Slum habe ich durch Alice eine Familie kennengelernt, bei der sich die an HIV-erkrankte Großmutter nach dem Tod der Eltern um ihre vier kleinen Enkel gekümmert hat. Ein dreijähriges Mädchen hat dabei mitgeholfen, ihren einjährigen Bruder und die kranke Oma zu versorgen." Auch diesen Kindern konnte durch die Organisation bereits geholfen werden.

2013 kam Christine Fenböck ihrem Traum mit dem Bau einer Grundschule, in der Kinder von ausgewählten Lehrern unterrichtet und mit Essen versorgt werden, einen großen Schritt näher. Im Juli diesen Jahres wurde mithilfe ehrenamtlicher Volontäre bereits das Fundament für die zweite Schule errichtet. Mit dabei war auch Christines Sohn, Michael, der einen Monat lang kräftig mit anpackte und viel von der Reise mitgenommen hat: "Mein schönstes Erlebnis war die Freude der Kinder und die Herzlichkeit der Menschen. Man lernt, seine Bedürfnisse zurückzunehmen und das Leben mehr zu schätzen. Mit den Menschen zu leben und ihren Alltag kennenzulernen, war wirklich beeindruckend." Aus Dankbarkeit für die Hilfe der weißen "Exoten" auf der Baustelle bekamen die Volontäre nicht nur strahlende Gesichter, sondern auch ein lebendes Huhn geschenkt, das gemeinsam verspeist wurde.

Paten gesucht!

Das nächste Ziel auf der Liste von Christine Fenböck ist eine Klinik, um die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern. Um außerdem möglichst schnell die zweite Schule fertigstellen zu können und noch vielen Kindern den Schulbesuch mittels einer Patenschaft zu ermöglichen, werden laufend Paten gesucht: "Aktuell unterstützen wir 19 Patenkinder, doch wir brauchen noch viel mehr, um das Schulgeld für alle abdecken zu können. Wir organisieren Reisen nach Uganda, bei denen man am Alltag der Menschen teilnehmen und sich sein Patenkind persönlich aussuchen kann. Nähere Infos dazu gibt's jederzeit direkt bei mir!"

Auf die Frage, ob angesichts der vielen Not auf der Welt die Hilflosigkeit überwiegt oder doch der Stolz, im "Kleinen" ewas erreicht zu haben, meint Christine Fenböck abschließend: "Es überwiegt die Freude darüber, dass ich etwas aufbauen konnte und bereits einige Menschenleben mit meinem Handeln gerettet habe." Eines der größten Geschenke dafür war vor Kurzem ein neugeborenes ugandisches Mädchen, das von seinem Vater den Namen "Christine" erhalten hat. Ein lebendes Zeichen der Dankbarkeit.

So kann man helfen

Zur Sache: Alle Infos zu "Helping Hands Family" und wie sie selbst Pate von einem Waisenkind in Uganda werden können, erhalten Sie unter www.helpinghandsfamily.org. Spenden zur Verwirklichung weiterer Projekte in Uganda können Sie unter Schelhammer & Schattera, BLZ 19190, Kto.Nr. 267500
IBAN: AT671919000000267500, BIC/Swiftcode: BSSWATWW
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