23.10.2017, 13:45 Uhr

Genochplatz: Statt Markt kommt Hochhaus

Der Genochplatz ist seit sieben Jahren mit einem Bauzaun umgeben. Nun könnte dort bald wirklich gebaut werden.

Vor sieben Jahren zog das letzte Geschäft weg vom Genochmarkt. Seit damals ist der Genochplatz ein Schandfleck im Bezirk. Jetzt könnten dort Hochhäuser kommen.

DONAUSTADT.Der hohe Bauzaun rund um den Genochplatz ist mittlerweile wohl der berühmteste Schandfleck des Bezirks. Wo einst ein Markt mit vielen Standeln war, herrscht seit sieben Jahren gähnende Leere. Viel wurde gemunkelt: Kommt der Markt wieder oder doch Wohnungen? Nun scheint frischer Wind in die Diskussionen zu kommen.

In der ersten Bezirksvertretungssitzung nach der Sommerpause wurde das Okay des Bezirks für eine neue Flächenwidmung in Stadlau gegeben, die unter anderem auch den Genochplatz umfasst. Auf dem Gelände des ehemaligen Marktes sollen damit Gebäude in einer Höhe von 26–35 Metern errichtet werden dürfen. Ab einer Gebäudehöhe von 35 Metern gilt ein Haus laut Wiener Bauordnung als Hochhaus. Und das mit nur zehn Metern Abstand zum denkmalgeschützten Tröpferlbad. Im Erläuterungsbericht der MA 21, Stadtteilplanung und Flächennutzung, heißt es zur neuen Flächenwidmung: "Seitens des Grundeigentümers wurde 2015 ein Projekt erarbeitet, das vom Gemeinderatsausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerbeteiligung zustimmend zur Kenntnis genommen wurde."

Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy sieht die neue Entwicklung positiv: "Es ist erfreulich, dass dieser allgemein als 'Schandfleck' bekannte Ort nun mit einem modernen Bau neu gestaltet wird." Der Grundeigentürmer, auf dessen Initiative die Umwidmung passiert, ist nach wie vor die Premium Immobilien GmbH. Da noch kein gültiger Baubescheid vorliegt, möchte man sich zu dem geplanten Bauprojekt jedoch noch nicht äußern.


Das passierte bisher

Der nunmehrige Besitzer, die Premium Immobilien GmbH, führte im September 2014 die erste Bauverhandlung. Geplant waren rund 60 Wohneinheiten, seitens des Bezirkes wurde jedoch Einwand aufgrund zu weniger Tiefgaragenplätze erhoben. Das Vorhaben wurde dann an die nächste Instanz, Baustadtrat Michael Ludwig, weitergeleitet. Hannes Kirschner von der MA 37, Baupolizei, informierte Mitte letzten Jahres, dass auf dem Genochplatz ein unterkellertes, elfgeschoßiges Wohngebäude mit Geschäftsräumlichkeiten im Erdgeschoß und einer Tiefgarage mit insgesamt 65 Stellplätzen geschaffen werden soll. Dabei verwies er jedoch auf die ausständige Baubewilligung.

Auf Nachfrage beim Bundesdenkmalamt erklärt man, dass es bedauerlich sei, dass die Sicht auf das Tröpferlbad vom neuen Gebäude genommen werde. Es gebe jedoch keine gesetzliche Handhabe dagegen. "In Österreich gibt es keinen Umgebungsschutz für denkmalgeschützte Gebäude, der etwas Derartiges abdecken würde. Wenn die Bauordnung der Stadt Wien das gestattet, kann man nichts machen", konstatiert das BDA.
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Monika Milec aus Donaustadt | 31.10.2017 | 03:07   Melden
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