Dörfleser Zeitzeugen erinnern sich an sympathische Judenfamilie
Familie Saler: Deportiert und ermordet

Die Familie Saler als Opfer Hitler-Deutschlands.
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  • Die Familie Saler als Opfer Hitler-Deutschlands.
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DÖRFLES (rm). In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg betrieb die Familie Saler in Dörfles 2 ein kleine Gemischtwarenhandlung, in der es über Petroleum bis zu Lebensmitteln alles Mögliche zu erstehen gab.
Die Eltern Emma und Simon und die Kinder Greta und Kurt waren im ganzen Ort beliebt. Besonders Vater Simon war sehr hilfsbereit und legte überall, wo Not am Mann war, Hand an. „Ich war mit Greta befreundet, die ebenso wie ich Jahrgang 27 war. Wir gingen gemeinsam in die Volks- und Hauptschule“, erzählt Zeitzeugin Maria Zimmermann. Dann kam der Einmarsch der Hitlertruppen, da stand eines Tages ein kleiner Lastwagen vor dem Geschäft. Unter Tränen wurde das Ehepaar mit seinen Kindern abtransportiert. Der einzige Fehler der Familie: sie waren Juden, was allein genügte, sie zu verurteilen. Alle, die mit ihnen bekannt waren, waren schockiert, viele Tränen flossen. Das hinderte aber einige Vandalen nicht, sogleich den Laden zu plündern.
Anfangs suchte die Familie noch den Kontakt zu ihren Freunden in Dörfles. „Greta hat uns einen ausführlichen Brief geschrieben, in dem sie sich nach den Freunden in ihrem Heimatort erkundigte und über ihr Leben in Hermannsdorf im Protektorat Budweis erzählte“, berichtet die Zeitzeugin weiter. Im Anhang meldete sich auch Mutter Emma. Sie baten um Rückantwort, aber Briefe, die aus Dörfles abgeschickt wurden, erreichten sie nie. Die Familie dürfte dann getrennt worden sein. So war der Brief, den Maria Zimmermann heute noch hütet, das letzte Lebenszeichen der Deportierten, die vermutlich in einer Gaskammer ihr Leben ließen.
Leopold Hagn erinnert sich
Leopold Hagn, ein weiterer Zeitzeuge aus Dörfles, erinnert sich gut an die Salers. „Eine sehr angesehene Familie“, erzählt er. Als sie deportiert wurden, sei er eingerückt gewesen, als er zurückkam, gab es das Geschäft nicht mehr. Er wollte einen Acker der Familie erwerben, doch diese waren mit der Familie Kurz befreundet, denen sie das Grundstück zugesagt hatten. Nachdem er aber eine Kurz-Tochter geheiratet hatte, gestatteten die englischen Verwandten den Kauf. Über den Tod der deportierten Dörfleser hörte Hagn das Gerücht, bei der Überfahrt sei das Schiff gesunken, aber wirklich glauben konnte dies keiner. In einem Schriftstück kann man lesen, dass alle vier im KZ Theresienstadt am 11. Juli 1942 ermordet wurden.
Auf dem Grundstück, wo das Geschäft stand, befinden sich heute die Bauernhöfe der Familien Hof und Brandhuber.

Autor:

Raimund Mold aus Gänserndorf

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