Schau mal, wer in der Josefstadt hämmert

Mit kräftigen Schlägen hämmert Daniel Holl den Nagel in das Holz des Stocks im Eisen.
  • Mit kräftigen Schlägen hämmert Daniel Holl den Nagel in das Holz des Stocks im Eisen.
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

JOSEFSTADT. 700 Jahre gab es die Wiener Schlosserinnung bereits, als der Stock im Eisen am Schlosserplatzl Ecke Wickenburggasse / Tulpengasse zum Jubiläum im Jahr 1988 aufgestellt worden ist. Das Jahrhunderte alte Symbol der Metallerzunft wirkt seither als lebendige Tradition eines uralten Zunftbrauchs: Schlagen doch Wiens Schlosserlehrlinge regelmäßig zur Zeit ihrer Lehrabschlussprüfungen einen dicken Nagel in das Holz.

So auch Daniel Holl von der nahegelegenen Schlosserei Holl. Als ausgelernter Schlosser ist er im langjährigen Familienbetrieb heute nicht nur als Monteur unterwegs, sondern auch für die CAD-Planung verantwortlich. "Da stecken schon sehr viele Nägel drinnen, aber da oben ist noch ein bisserl Platz", bemerkt er, als er mit dem gewichtigen Schlosserhammer samt rostfreiem Nagel anrückt. Routiniert schlägt er das Metall mit zwei Schlägen hinein,
wie es vor ihm schon Tausende Schlosserlehrlinge getan haben.

Eine bekannte Tradition

"Natürlich weiß ich, dass hier die Schlosserlehrlinge bei ihrer Gesellenprüfung Nägel einschlagen, schließlich wohn ich schon seit über 50 Jahren gleich ums Eck. Außerdem steht's ja auf der Hinweistafel!" lacht Katharina Radbrugg, als sie mit ihrer Einkaufstasche vorbeikommt.

Im Unterschied zum Stock im Eisen nahe des Stephansdoms ist der Baumstamm am Schlosserplatzl nur von Schlossergesellen mit Nägeln versehen worden. In der Inneren Stadt verewigten sich auch andere Handwerksgesellen: Historisch nachweisbar ist der Brauch seit dem Jahr 1715, als Wandergesellen auf der Walz, also auf Wanderschaft, bei ihrer Durchreise einen Nagel in das Fichtenholz beim Palais Equitable an der Ecke Kärntner Straße / Graben schlugen.

Ein weiterer Stock im Eisen kommt dazu

Der Standort des Stocks im Eisen am Schlosserplatzl bleibt zwar auch in Zukunft unverändert, es kommt jedoch ein weiterer Stock im Eisen dazu: In der Floridsdorfer Marksteinergasse 1 wird gerade das neue Kompetenzzentrum der Wiener Metalltechniker gebaut, in das auch die Schlosserinnung einziehen wird. "Dort werden wir dann wieder einen nagelneuen Stock im Eisen aufstellen. Gerade rechtzeitig, denn der Stock im Eisen am Schlosserplatzl ist schon fast vollgenagelt", berichtet Renate Hofer von der Schlosserinnung.

"Vandalismus hat es bei unserem Stock im Eisen bisher noch nicht gegeben", erklärt Renate Hofer, "da klopf' ich sicherheitshalber auf Holz. Aber hinter unseren Hinweistafeln haben Geo-Cacher schon öfter kleine Geschenke versteckt. Da wundern wir uns regelmäßig drüber!" lacht sie.

Autor:

Mathias Kautzky aus Hietzing

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