Mariahilf
Das "Häferl" serviert Armutsbetroffenen kostenlose Mahlzeiten
- Elisabeth Guttmann, welche einige Jahre das "s'Häferl" geführt hat, gibt die Leitung der Organisation innerhalb einer zweijährigen Übergabe an Tobias Riener ab.
- Foto: Diakonie Wien
- hochgeladen von Pia Rotter
Das "Häferl" in der Hornbostelgasse 6 ist ein Armen- und Obdachlosenwirtshaus. Hier erhalten Bedürftige kostenlos ein warmes Essen, ungeachtet ihres sozialen Status.
WIEN/MARIAHILF. Der Ausdruck "Wirtshaus" ist beim "Häferl" bewusst gewählt. Denn die obdachlosen Menschen, die für das Mittagessen hinkommen, werden nicht als Klientinnen oder Klienten angesehen, sondern als Gäste. Dementsprechend wird jedem, der die Einrichtung in der Hornbostelgasse 6 besucht, ein Drei-Gänge-Menü, bestehend aus Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise, serviert.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen den Gästen das Essen und sie müssen es nicht, wie in anderen Institutionen, sich selbst holen. Das einzige Unterscheidungsmerkmal zu einem "richtigen" Gasthaus ist die Rechnung – diese bleibt nämlich aus.
Ein Großteil des Angebots wird durch Lebensmittelspenden durch die Tafel Österreich gedeckt. Aber auch einige Bäuerinnen spenden einwandfreie und frische Produkte, die den Vorgaben des Handels nicht entsprechen, weil sie beispielsweise zu klein oder krumm sind. „Jedes Jahr können wird so rund 20 Tonnen an Lebensmitteln retten“, sagt Wilhelm Raber. Er ist Geschäftsführer der Stadtdiakonie Wien, welche die Trägerorganisation vom "Häferl" ist.
Jeder kann kommen
Seit seiner Gründung vor über 30 Jahren ist "Häferl" ein wichtiger Anlaufpunkt für wohnungslose und armutsbetroffene Menschen. „Wir fragen nicht nach dem sozialen Status. Jeder kann kommen, der Unterstützung benötigt“, betont Raber. Das Obdachlosenwirtshaus hatte früher stets Donnerstag bis Sonntag geöffnet.
Nun wurde das Angebot um einen weiteren Öffnungstag am Mittwoch erweitert. Denn die stetig steigende Zahl von Gästen, die aktuell bei ungefähr bei 300 pro Tag liegt, führte dazu, dass das "Häferl" mit seiner sechs Quadratmeter großen Küchen an seine Kapazitätsgrenzen stößt. „Der zusätzliche Öffnungstag erlaubt uns, mehr Menschen zu versorgen“, erläutert der Geschäftsführer der Diakonie Wien. Möglich wurde das durch einen privaten Sponsor.
- Tobias Riener übernimmt innerhalb einer zweijährigen Übergabe die Leitung im "s'Häferl".
- Foto: Diakonie Wien
- hochgeladen von Pia Rotter
Auch in der Führungsposition gibt es Veränderungen. Elisabeth Guttmann, welche einige Jahre das "Häferl" geführt hat, gibt die Leitung der Organisation innerhalb einer zweijährigen Übergabe an Tobias Riener ab. Dieser absolvierte vor einigen Jahren ein Praktikum im "Häferl" und arbeitete danach lange ehrenamtlich mit. "Ich mache jetzt die Leitung und Elisabeth unterstützt mich", freut sich Riener.
Niederschwelliges Angebot
Die Einrichtung lebt unter anderem von der Unterstützung durch Ehrenamtliche. „Ohne die Hilfe der freiwilligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen könnten wir diese Arbeit nicht leisten“, erklärt Riener. Im ersten Halbjahr 2024 wurden bereits 6.000 ehrenamtliche Stunden geleistet.
- Das "s'Häferl" ist neben einem Armenwirtshaus auch ein Ort der Begegnung und des sozialen Austauschs.
- Foto: Pia Rotter
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Neben den Mahlzeiten bietet die Einrichtung auch Beratungsdienste an. Eine Sozialarbeiterin ist immer mittwochs vor Ort, um ein niederschwelliges Angebot in Form von Beratungsgesprächen zu bieten. Ein weiteres Angebot sind Hygieneartikel für Frauen, die jederzeit eingefordert werden können.
Ort der Begegnung
Bezogen auf die weibliche Obdachlosigkeit ist laut Raber eine bedeutsame Bewegung zu erkennen. Die Zahl der obdachlosen Frauen im hohen Alter ist deutlich gestiegen, was sie auch in den vergangenen Jahren in ihrem Wirtshaus beobachten konnten. Programme wie "Housing First" sollen dabei helfen, sichere Räume und individuelle Hilfsangebote zu schaffen, die speziell auf ihre Lebensrealität zugeschnitten sind.
Viele der Gäste kommen aus prekären Lebenssituationen. Das Angebot soll ihnen mehr als nur Nahrung bieten. Es ist ein Ort der Begegnung und des sozialen Austauschs. Das "Häferl" hat Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 15. 30 Uhr geöffnet. Anmeldung zur ehrenamtlichen Mitarbeit sind unter haeferl@diakoniewien.at möglich.
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