"Der Bockerer" im Stadttheater Mödling
"Antikrieg" zwischen Tragik und Posse
- Bernie Feit als Hatzinger mit Akkordeon und Georg Kusztrich als Karl Bockerer
- Foto: Frenzel
- hochgeladen von Gabriela Stockmann
MÖDLING. Pünktlich zum 81. Jahrestag des Kriegsendes spielt das Mödlinger Stadttheater "Der Bockerer" ist eine "tragische Posse" (1948) rund um einen Wiener Fleischhauer, der sich vom Nationalsozialismus nicht vereinnahmen lässt. Georg Kusztrich spielt diese österreichische "Kultfigur" mit aktueller Eindrücklichkeit, mit mehr Ernst und Mahnung als mit bloßer Possenhaftigkeit. Doch der Wiener Schmäh kommt dennoch in der personalintensiven Inszenierung von Intendant Bruno Max nicht zu kurz. Viele Darsteller spielen mehrere Rollen. Die nicht einfache Übung - Tragik und Posse zu vereinen - ist dem Regisseur überaus gelungen.
Nach der Pause führt die Inszenierung in ein schier gespenstisches Finale. Es thematisiert den Wahnsinn des Krieges, der traumatisierte Menschen erzeugt und hinterlässt.
Karl Bockerer begegnet einem psychisch Kranken, der sich für Hitler hält und liest diesem an Führers Statt gründlich die Leviten. Bockerers konsequente Widerständigkeit hinterlässt aber auch an seinen Nerven Spuren, ebenso wie die Kriegserfahrungen an den heimgekehrten Geflüchteten, Soldaten und NS-Funktionsträgern.
Bernie Feit als pensionierter Postoffizial Hatzinger sorgt von Anfang bis Ende mit seinem kleinen Akkordeon für eine Art roten Faden, den man als trostreich ("Es wird a Wein sein...") oder als traurig interpretieren kann. Traurig selbst dann, als sich die Tarockrunde inklusive dem heimgekehrten Juden Dr. Rosenblatt (Randolf Destaller) nach Kriegsende wieder zum Spiel zusammensetzt. Aber nicht so, als wäre nichts gewesen...
Standing Ovations, Jubelrufe im Publikum. Gespielt wird noch am 14. - 16., 17., 19., 21. - 23. Mai.
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