In memoriam Paul Katzberger

Alt-BGM DI Paul Katzberger (links) mit Prälat Ernst Freiler, 2006
  • Alt-BGM DI Paul Katzberger (links) mit Prälat Ernst Freiler, 2006
  • Foto: Marktgemeinde Perchtoldsdorf
  • hochgeladen von Herwig Heider

Elf Jahre lang, von 1981 bis 1992, war Arch. DI Paul Katzberger Bürgermeister der Marktgemeinde Perchtoldsdorf. Seinem geliebten und wundervollen Heimatort hat er sein umfassendes Wissen, seine ganze Kraft und politische Leidenschaft gewidmet. Am 1. November ist Paul Katzberger wenige Wochen nach Vollendung seines 93. Lebensjahres verstorben.

Paul Katzberger wurde am 11. Oktober 1921 in Rodaun bei Wien geboren. Bereits sein Vater, Baumeister Paul Katzberger (1891-1948), war als Bürgermeister von Rodaun politisch tätig geworden.

Er besuchte die vierklassige Hauptschule im Institut der Schulbrüder am Rosenhügel und danach vier Jahrgänge an der Abteilung für Hochbau der Staatsgewerbeschule in Mödling. Nach der Matura 1939 wurde Katzberger zum Reichsarbeitsdienst eingezogen.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er von der Wehrmacht im Polen- und Frankreichfeldzug eingesetzt und 1940 zur Fliegerabwehr überstellt. 1941 bis 1944 in Norwegen, wurde er dann an die Ostfront versetzt und erlebte das Kriegsende schließlich in Frankreich. Katzberger geriet in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde aus dieser am 4. Januar 1946 entlassen.

Er ergriff sodann das Studium an der Fakultät für Architektur an der Technischen Hochschule in Wien. Unterdessen war er bereits nach dem Tod seines Vaters 1948 als selbstständiger Baumeister in Rodaun, in der Umgebung und in Wien tätig. Von 1951 bis 1957 Praxis in verschiedenen Ziviltechnikerbüros, 1957 bis 1990 als Ziviltechniker mit der Befugnis eines Architekten tätig.

Von 1971 bis 1984 unterrichtete Katzberger als Professor in hochbautechnischen Fächern an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Mödling.

Katzberger wirkte für die Österreichische Volkspartei 1959 bis 1960 als Gemeinderat; von 1960 bis 1970 als geschäftsführender Gemeinderat für Bauwesen und von 1970 bis 1981 als Kulturreferent. In den Jahren 1965 bis 1981 bekleidete er außerdem das Amt eines Vizebürgermeisters. Ebenfalls 1965 übernahm er als Parteiobmann die Geschicke der Ortsgruppe Perchtoldsdorf der Österreichischen Volkspartei, der er bis 1970 leiten sollte. Vom 19. Februar 1981 bis 29. Februar 1992 stand er als Bürgermeister an der Spitze der Marktgemeinde Perchtoldsdorf.

Katzbergers Tätigkeit als Baureferent war von einer klaren Zielsetzung geprägt: er wollte Perchtoldsdorf als eine ländliche, naturverbundene Siedlung mit einem traditionell bürgerlich-städtischen Ortskern und dem Charakter eines Heurigenstädtchens. Vor allem sollten eine überstürzte Ausweitung der bewohnten Bodenfläche sowie eine willkürliche Anlage umweltschädlicher industrieller Betriebsstätten hintangehalten werden.

Diese Überlegungen, die in den griffigen Slogan „Perchtoldsdorf, Stätte der Erholung“ mündeten, führten auf maßgebliche Initiative Katzbergers 1961 zur Erlassung eines niederösterreichweit einzigartigen Flächenwidmungsplans, noch lange vor Einführung des Niederösterreichischen Raumordnungsgesetzes. In diesem Plan wurde insbesondere der Schutz der Eigenart Perchtoldsdorfs als ein Ort mit Erholungscharakter, die Verankerung eines Weinbauschutzgebietes, sowie die Schaffung eines eigenen Industrieareals berücksichtigt und damit noch rechtzeitig eine geeignete substanzerhaltende Entwicklung gewährleistet.

Federführend war der Kulturpolitiker Katzberger bei der Adaptierung der Herzogsburg in den Jahren 1964 bis 1967, der Einleitung und Durchführung wichtiger kommunaler Einrichtungen auf dem Gebiet des Fremdenverkehrswesens, der Jugend- und Sportförderung durch Realisierung des Sportzentrums auf der Kleinen Heide sowie eines eigenen Kultur- und Bildungszentrums im Areal des Knappenhofes.

Besonderes Augenmerk legte Katzberger auf die Freiwillige Feuerwehr Perchtoldsdorf durch die Errichtung eines großzügig dimensionierten Feuerwehrgebäudes mit angeschlossener Dienststelle des Roten Kreuzes wie auch auf den Um- und Ausbau des Gendarmeriegebäudes auf dem Marktplatz und den kommunalen Wohnbau.

Weiters hervorzuheben sind die auf Katzbergers Initiative zurückgehenden und seit 1970 jährlich abgehaltenen Kulturtage, wie auch die Sporttage und die mittlerweile zur Tradition gewordenen Sommerspiele im Burghof. Nachhaltige Beachtung verdient die grundlegende Sanierung und auch wissenschaftlich-literarische Dokumentation der Perchtoldsdorfer Kulturdenkmäler wie Wehrturm, Herzogsburg, Martinikapelle, Spitalskirche, sowie die Fassaden- und Innenrenovierung des Rathauses. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Gestaltung des Marktplatzes im Gedenkjahr 1983 hingewiesen.

Auch museale Einrichtungen sind auf Paul Katzberger zurückzuführen: Das Osmanenmuseum, das Hugo-Wolf-Museum, das Deutschmeistermuseum, die Thomas-Ebendorfer-Gedenkstätte und das Museum der Ortsgeschichte sind weit über die Grenzen Perchtoldsdorf hinaus bekannt. Grenzüberschreitend wirkte Katzberger auch als nimmermüder Motor der Festigung und Vertiefung der Städtepartnerschaft mit Donauwörth.

Als wissenschaftlicher Autor hat Paul Katzberger in seiner zehnbändigen „Perchtoldsdorfer Kunsttopographie“, erschienen in den Jahren 1986–2003, ein Jahrhundertwerk bewältigt. Erfasst und kunsthistorisch beschrieben werden in der „Perchtoldsdorfer Kunsttopographie“ auf insgesamt 5.100 Seiten alle Werke der bildenden Kunst, also Sakral- und Profanarchitektur, Plastik und Skulptur sowie Malerei und Graphik in Perchtoldsdorf. Der Bogen der behandelten Objekte spannt sich dabei von der Romanik über die in Perchtoldsdorf besonders reich vorhandene Gotik bis ins 20. Jahrhundert.

Katzbergers politisches wie wissenschaftliches Werk hat umfangreiche Würdigung erfahren: Silbernes und Goldenes Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich, Berufstitel „Baurat h. c.“, Medaille für Verdienste um den Denkmalschutz, Ehrenring, goldenes Ehrenkreuz und Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Perchtoldsdorf (1986), Ehrenring der Stadt Donauwörth, Verdienstkreuz am Bande des deutschen Bundesverdienstkreuzes, Deutschmeisterehrenkreuz I. Klasse, Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, Julius-Raab-Medaille des Wirtschaftsbundes der ÖVP sowie die Ehrenobmannschaft der ÖVP-Perchtoldsdorf. (Quelle: MG Perchtoldsdorf)

Der Verstorbene wird am Freitag, dem 14. November 2014 um 14.30 Uhr auf dem Perchtoldsdorfer Friedhof in einem Ehrengrab der Marktgemeinde Perchtoldsdorf beigesetzt.
Parte der Marktgemeinde Perchtoldsdorf

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