Er nahm die Rolle wohl zu ernst
TV Serien Pastor soll Kinder missbraucht haben
- Ein weltbekannter TV Serien-Pastor soll sich an 10 bis 13 jährigen Mädchen vergangen haben. Der Mann ist geständig.
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- hochgeladen von Marianne Foregger
Es gibt Geschichten, die wirken wie ein zynisches Drehbuch, das das Leben selbst geschrieben hat. Tatsächlich sind die Enthüllungen schon eine Zeit lang her, aber in Europa ist das nur teilweise bekannt.
Im Oktober 2014 erschütterte nämlich ein Skandal die US-Unterhaltungsbranche, der das Bild des perfekten amerikanischen Familienvaters in seine Einzelteile zerlegte. Stephen Collins, jahrelang gefeiert als der gütige, moralisch unfehlbare Pastor Eric Camden in der Erfolgsserie „Eine himmlische Familie“, wurde öffentlich mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen konfrontiert.
Was folgte, war kein Hollywood-Drama, sondern eine bittere Lektion darüber, wie nah Scheinheiligkeit und Realität beieinanderliegen können, und ein Lehrstück über die Grenzen der Justiz.
Die Enthüllungen nahmen ihren Lauf, als das Promi-Portal TMZ Tonbandaufnahmen einer Paartherapie veröffentlichte. Darauf räumte Collins ein, in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Wenig später folgte das offizielle Geständnis in einem Interview mit dem Magazin People. Er gestand, sich an drei jungen Mädchen vergangen zu haben. Die betroffenen Mädchen waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen 10 und 13 Jahre alt.
Die öffentliche Entsetzen war grenzenlos. Millionen Zuschauer hatten jahrelang eine Figur verehrt, die in der Serie als moralischer Kompass der Nation diente, während der Mensch dahinter genau das Gegenteil lebte. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Taten brachen die Konsequenzen über den Schauspieler herein. Seine Agentur ließ ihn fallen, er wurde aus Projekten wie „Scandal“ und „Ted 2“ herausgeschnitten, und die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA drängte ihn aus ihren Gremien.
Doch trotz des offenen Geständnisses blieb eine Gefängnisstrafe aus. Da die Taten Jahrzehnte zurücklagen, greiften die juristischen Verjährungsfristen in den betroffenen US-Bundesstaaten. Die Polizei konnte ihn wegen der alten Vorfälle nicht mehr anklagen.
Collins zahlte keinen rechtlichen Preis hinter Gittern, wohl aber den wirtschaftlichen und sozialen:
Seine Einnahmen aus Wiederholungen brachen weg, die einstige Karriere war unwiederbringlich vorbei. Heute lebt der disgraced Darsteller weitgehend isoliert und zurückgezogen aus der Öffentlichkeit, fernab des glamourösen Hollywood-Lichts, das ihn einst trug.
Der Fall zog von Beginn an schmerzhafte Parallelen zu den realen Missbrauchsskandalen in kirchlichen Institutionen. Täter in Macht- oder Vertrauenspositionen wählen oft bewusst Berufe oder Rollen, die absolute Integrität ausstrahlen. Die Fassade des Seelsorgers schützte Collins, genau wie es oft in realen Systemen geschah, jahrelang vor Verdacht und gab ihm die Autorität, das Vertrauen von Familien und Opfern auszunutzen.
Wie sensibel und aufgeladen dieses Erbe bis heute ist, zeigte sich im Jahr 2020 auf bizarre Weise in Deutschland. Der christliche Sender Bibel TV wagte den Versuch, „Eine himmlische Familie“ erneut ins Programm zu holen. Die offizielle Argumentation: Man müsse das Werk von den Verfehlungen des Darstellers trennen und die positiven Grundwerte der Serie in den Vordergrund stellen.
Doch dieser Versuch, eine heile Fernseh-Welt über die Realität des Missbrauchs zu stülpen, schlug fehl. Nach massiven Protesten der Zuschauerschaft und heftiger Kritik musste der Sender einlenken und die Serie nach nur wenigen Wochen wieder absetzen. Es war der endgültige Beweis dafür, dass die Figur des Pastors untrennbar mit den Abgründen ihres Darstellers verschmolzen ist.
Die Marke „Eine himmlische Familie“ bleibt seither im Giftschrank der Fernsehgeschichte. Der Fall steht als mahnendes Beispiel dafür, dass manche Fassaden so toxisch werden, dass die Zeit sie nicht heilt, sondern nur die Risse freilegt.
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