19.11.2017, 18:12 Uhr

Schwechat: Sängerin und Schweden-Fan Birgit Denk mit neuem Album

Birgit Denk mit neuem Album (Foto: Birgit Denk)

Album "Tänker" inspiriert im Hohen Norden jetzt neu auf dem Markt

Birgit Denk mit Wurzeln in Schwechat hat sich in Schweden zum neuen Album "Tänker" inspirieren lassen.
Die bekannte Sängerin: "Ich bin Musikerin und mit meiner Band Denk seit 17 Jahren im Zeichen des österreichischen Liedgutes unterwegs. Unser neuntes Album haben wir heuer im Mekka der Popmusik aufgenommen. Meine Erlebnisse teile ich gerne mit Dir."

In Schweden gibt es kein Sie

Das war einer der Fakten die ich wusste, bevor wir unsere Reise antraten. Selbst in Südschweden kann es Ende Juni frisch sein, auch das war uns klar und beeinflusste unsere Kleiderwahl. Zusätzlich zur Handykamera fand auch ein guter Fotoapperat seinen Weg in den Koffer, denn schön wird es dort sein, davon war auszugehen. Natürlich Gelsenmittel, Schlafmaske, gut gedecktes Konto und ein englisch Wörterbuch, denn da oben kann das Volksschulkind, die Busfahrerin und der Studiotechniker im Gegensatz zu meinem Matura-Englisch Wörter, die ich dringend nachschlagen werde müssen. Das waren vor Antritt unserer Reise zwar nur Vermutungen, die sich aber nach zwei Wochen in Linköping und Umgebung als Fakten heraus stellten.

Zwei Musiknationen mit verschiedenen Schwerpunkten

Abba, Roxette, Clawfinger und Mando Diao auf der einen Seite. Mozart, Haydn, Strauß und Schönberg auf der Anderen. Nach Wien und Salzburg reist man um klassische Musik zu studieren, nach Schweden reiste ich also nun mit meinen 6 Musikerkollegen, um unser neuntes Popalbum unter schwedischem Einfluss, in zwei Wochen rund um Mittsommer aufzunehmen und produzieren zu lassen.

Der Entschluss wirklich in den Norden zu fliegen um dort zu arbeiten, was für uns natürlich eine zeitliche wie finanzielle Belastung bedeutete, war vor allem gefasst worden, weil wir Niels Nielsen kennenlernten. (Der Schwedenkennerin ist natürlich sofort klar, dass die väterlichen Wurzeln unseres Produzenten in Dänermark liegen)
Anfang 30 Bandleader, Produzent, Songschreiber, Soundtüftler, vernetzt in der schwedischen Musikszene, Multiinstrumentalist, Musiker durch und durch. Ich lernte ihn bei einer gemeinsamen Autofahrt in Italien kennen, bei der wir uns gegenseitig Musik vorspielen, über das Buisness in Schweden und Österreich plauderten, fachsimpelten und Gemeinsamkeiten wie Unterschiede feststellten.
Wir blieben in Kontakt und sein Feedback über unsere Lieder, welche Fragen er stellte, und welche Ideen er hatte, brachte uns dazu mit ihm vor Ort zu arbeiten.

Haus in Tromsö

Wir Österreicher bewohnten ein gemeinsames Haus in Tromsö. Runderhum viel Gegend. Bäume, Seen, Mäuse, Pferde.
Das Haus selber war zu unserer Überraschung gelb und nicht rot, welches sich aber nach ein paar Tagen als die zweite Hauptfarbe Schwedens herausstellte. Griller hinter dem Haus, Ikea im Haus und Michael (Egon) von Lönneberga Stil vor dem Haus. Inklusive Fahnenmast und Schupfen.
Wir waren begeistert, da unsere Bleibe auch für Band und CD Fotos geeignet war.

Tägliche fuhren wir mit höchstens 110 km/h über die Autobahn ins Studio und zurück. Viele Radaranlagen, persönliche Hinweise und lichthupende entgegenkommende Autofahrer machten uns die Einhaltung des Limits einfach. Die Schweden die wir kennenlernten waren meist sehr besorgt um unser Wohlergehen und unsere Sicherheit. Das war auffällig. Noch nie wurde ich so oft freundlich vor möglichen Gefahren gewarnt. Nämlich ehrlich besorgt. Vorsicht vor einem möglichen Stau vor Arlanda, der dann 3 Minuten dauerte. Achtung vor den vielen Elchen beim Heimfahren in der hellen Nacht. Elchsichtungen leider Null. Mitgefühl für meinen leicht beleidigten Rücken, für den ich von wildfremden Menschen Cremes und Arzttelefonnummern zugesteckt bekam. Warnungen vor zu scharfem Schnaps, Hering, Aufstrichen und großes Mitgefühl dass ich Mittsommer nicht mit meiner Familie feiern kann. Mir war erst später klar wie groß dieses Fest in Schweden wircklich ist und bei uns eher nur mit einem zufälligen Zusammenfall von Geburtstag, Weihnachten und Sylvester zu vergleichen ist.

Mitsommerfest

Der Höhepunkt unserer gemeinsamen Zeit war dann tatsächlich das Mitsommerfest.
Gefeiert mit Schweden mit Blumen in den Haaren und Kindern vor dem Bauch, die uns Volksweisen sangen und Stunde um Stunde mehr Instrumente, Verstärker und Menschen vorstellten. Jeder konnte singen, spielen und liebte jeden noch so schrägen Ton, jedes noch so blöde Lied. Wir wurden ob des Umstandes Musiker zu sein sofort mit Zuneigung aufgenommen und feierten freudig zusammen ein Fest im Regen. (Das soll ja auch ganz typisch sein.)

Das neunte Album hies für uns, viel zu leisten in knapp bemessener Zeit die wir sehr effektiv nutzten. Die Tage waren anstrengend, herausfordernd. Doch die Schweden die mit uns waren, haben uns mit ihrer extrem freundlichen, positiven Art aus unserer gewohnt, sozialisiert raunzig, keppelnden, negativen Stimmung, die uns bis dato in Wien, gar nicht so bewusst war, auf ihre gelassene Seite gezogen und so unsere Musik ganz großartig gelingen lassen.
Wer mehr über grandiose österreichische Dialektmusik in Schweden hergestellt wissen will, siehe HIER
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