28.04.2016, 10:23 Uhr

Wiens Politik hat Bürger als Verbündeten entdeckt

Unterschiedliche Konzepte, um die Bürger abzuholen: Die SPÖ will zu den Menschen vor Ort, die FPÖ holt die Leute lieber zu sich. (Foto: Walter Fetjek)

Gespräche auf der Straße, Demos, Befragungen: Wiens Parteien kämpfen um die Bürgernähe.

WIEN. Das größte Gut der Wiener Stadtpolitik heißt neuerdings Bürgernähe. Ab Mai werden darum SPÖ-Aktivisten ausschwärmen, um direkt mit den Leuten über ihre Anliegen zu reden.

Damit will die SPÖ herausfinden, was die Menschen in Wien eigentlich bewegt. Eine groß angelegte Bürgerbefragung später sollen „Verbündete“ unter den Bürgern gefunden werden. Dabei soll nichts tabu sein: Nachbarschaftsthemen sollen das gleiche Gewicht haben wie große politische Projekte. Das ist der Versuch der SPÖ Wien, dem neuen, klingenden Namen „Mitmachpartei“ gerecht zu werden.
Auch die anderen Parteien wollen mehr Bürgernähe suggerieren. Die Blauen versuchen es zum Beispiel mit dem Bad in der Menge. Eine Großdemonstration in Liesing machte den Anfang. Ein großer Erfolg. Nicht zuletzt auch dank der Gegendemo der Grünen, die noch mehr Aufmerksamkeit darauf lenkte.

In Floridsdorf sah die Sache dann schon anders aus. Fast scheint es, als hätte sich die FPÖ verschätzt. In Liesing trieb die Angst vor dem Asylheim in der unmittelbaren Nähe der Gemeindebauten die Menschen auf die Straße. In Floridsdorf ist die Angst vor dem Heim im Industriegebiet weit weniger spürbar. Das Ergebnis: Die Zahl der Teilnehmer reduzierte sich (laut Polizei) im Vergleich zu Liesing von 1.100 auf 500.

Noble Zurückhaltung

Zusätzlich hielten sich die Grünen bei der Organisation der Gegendemo raus. Vielleicht klug. Vielleicht aber auch nur schockstarr, weil man nicht weiß, wie man der FPÖ auf der Straße auch weiterhin Paroli bieten will. Nur als Demo-Opposition wird man auf Dauer die Bürger nicht abholen können. Und dass man sich ein Gegenkonzept für die FPÖ ausdenken muss, ist spätestens seit dem ersten Durchgang der Bundespräsidentenwahl am Sonntag klar.

Die ÖVP will – ähnlich wie die SPÖ – mehr mit den Menschen sprechen. „Hinaus aus der Parteizentrale“ lautet das neue Motto. Wie das genau aussehen wird, ist aber noch völlig unklar. Und die Neos gehen erst gar nicht vor die Tür, sondern ins Internet. Mittels Befragung wollen sie ermitteln, was die Bürger von der ganzjährigen Schanigartenöffnung halten. Möglicherweise ein Versuchsballon für weitere Befragungen.

Gespräche, Demos, Internet – jetzt wird getestet, was bei den Bürgern am meisten zieht. Und noch scheint der Stein der Weisen nicht gefunden.

Hintergrund

Analyse: Die Flächenbezirke nach der Wahl
0
3 Kommentareausblenden
37.849
Karl B. aus Liesing | 28.04.2016 | 11:16   Melden
1.114
Alfred Kafka aus Penzing | 28.04.2016 | 17:26   Melden
89
johann kailich aus Donaustadt | 11.05.2016 | 19:00   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.