14.04.2016, 09:57 Uhr

Das verlorene Bauerngold

Organisatoren und Sponsoren präsentieren zur Landesausstellung 2016 mit der Sonderschau „1816 - Jahr ohne Sommer“ eine Reise durch die legendären Getreideschätze des Forschers Dr. Erwin Mayr. Sitzend von links: Gerda Stelzinger (Raiba), SBW-Leiter Bernhard Iglhauser, Anneliese Grubinger (Museumsobfrau). Stehend von links: Günther Kendlbacher (Ke-We Bau), Bürgermeister Martin Greisberger, Hans Haslacher (TVB), Willi Klinger (Eltek), Markus Reiter (Kulturausschuss) und Franz Pospischil (Raiffeisen Marketing). (Foto: Franz Neumayr)
THALGAU (ck). Passend zum 200-jährigen Jubiläum Salzburgs bei Österreich präsentiert die 25. Thalgauer Bildungswoche die Sonderschau "1816 - Jahr ohne Sommer". In diesem Jahr kam nämlich nicht nur Salzburg zu Österreich, auf der Insel Sumbawa brach überdies der Vulkan "Tambora" aus und verursachte weltweit einen kalten Sommer und die bisher letzte Hungersnot in Europa. Ein besonders hervorhebenswertes Schmankerl wird dabei jedoch die Sonderausstellung "Das verlorene Bauerngold" im Thalgauer Museum "Hundsmarktmühle" sein. Sie dokumentiert mit dem Nachlass des bedeutendsten Agrar- und Getreideforschers Erwin Mayr die bäuerliche Welt der Arbeit und Entbehrungen nach 1900. Am 18. Juni 1899 in Salzburg geboren, entschied sich Erwin Mayr nach Ablegung der Reifeprüfung für eine Ausbildung an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. 
Schon während seines Studiums erkannte der stille und bescheidene Forscher die Bedeutung der Landsorten und durchwanderte nach seiner Promotion 1923 ohne Rücksicht auf seine Gesundheit bis 1932 Tal für Tal und Gemeinde für Gemeinde in ganz Österreich, um die vorhandenen Getreidevarietäten zu sammeln und deren Ursprung zu erkunden. Parallel mit dieser Kartierung behandelte der leidenschaftliche Volkskundler beispielsweise auch die Themenbereiche "Arbeit und Wirtschaft des österreichischen Bauern" in umfangreichen Beschreibungen, Fotodokumentationen und Gerätesammlungen. Die Sicherstellung von 150 Sommerweizen, 20 Winterweizen, 25 Sommergerstenpopulationen, 50 Mostbirnensorten sowie über 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen und unzählige Fachpublikationen beweisen eindrucksvoll, dass bis zum heutigen Tag keine andere Forscherpersönlichkeit Österreichs tiefer in das Mysterium der alten Getreidesorten und bäuerlichen Arbeitsweise eingedrungen ist wie Mayr. 
Kurz vor Kriegsbeginn pachtete er in Sistrans im Tiroler Mittelgebirge ein Versuchsfeld. 1945 baute er diese Feldstation zur "Lehranstalt für Pflanzenzucht und Samenprüfung Rinn" aus. Die letzte, vor seinem Tode 1969 aufgestellte Forderung zur Erhaltung der Landsortimente in ihren ökologischen Heimatgebieten, ist heute ein Gebot der Stunde und Verpflichtung für die Zukunft jeder Region. Die Ausstellung wird am 22. April 2016 um 19:30 von LR Dr. Heinrich Schellhorn in der "Hundsmarktmühle" eröffnet.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.