26.06.2016, 19:21 Uhr

Das bittere Opfer einer Frau

Das Ensemble des Theaterhaufens Hall spielt "Frau Suitner". (Foto: Heidi Holleis / Emanuel Kaser)

Eindrucksvolle Premierenaufführung von "Frau Suitner" beim BurgSommerHall
Theaterbesprechung von Peter Teyml

HALL. Sprichwörtlich gepflanzt hat der Wettergott die Veranstalter des Burgsommers am Premierentag, zogen doch am Spätnachmittag heftige Gewitter durchs Land, sodass entschieden wurde, vom Burghof ins Salzlager auszuweichen – trotz des unerwartet wolkenarmen Abendhimmels. Aber die Säulenhalle im Oberstock vermag auch ein stimmungsvolles Ambiente zu bieten, akustisch allerdings schwieriger bespielbar als der probenbewährte Burghof Hasegg.
Elmar Drexl hat das Drama von Karl Schönherr in Kooperation mit dem „Theaterhaufen Hall“ und der Bühnenbildnerin Heidi Holleis (mit kreativer Unterstützung Brigitte Jaufenthalers) konsequent in sechs Szenen in einer reduzierten Bühne mit verständlichen Raumzitaten umgesetzt.
Das Stück behandelt den Konflikt einer Krämerin, die sich mittels schwerer Arbeit ein endlich schuldenfreies Leben leisten kann, aber sich unwert fühlt, da sie keinem Kind das Leben geschenkt hatte. Trotz quälender Eifersucht treibt sie ihren Mann zu einer mädchenhaften jungen Frau, um ihm noch eine Zukunft als Vater zu ermöglichen.
Der Preis hiefür ist jedoch ihr Fortgehen in den Tod. Brigitte Jaufenthaler verschafft der Figur Anna Suitner eine vielschichtige und glaubwürdige Aussage, schwankend zwischen Liebe, Verzweiflung und entschiedenem Handeln, Klaus Windisch glänzt dazu auf Augenhöhe mit sprachlicher und gestischer Sicherheit als Ihr Mann Kaspar, ein leichtfüßiger, verführerischer Kraftlackl, herausgefordert vom unverbrauchten Charme der jungen Nachbarin und Helferin im Haus, frisch und temperamentvoll verwirklicht von Ronja Forcher.
Wenn nun an die weiteren 13 engagierten Damen und Herren des „Theaterhaufens“ erinnert werden soll, muss eine Protagonistin dieser Laienbühne besonders erwähnt werden, welche mit großer Authenzität und komödiantischer Verve die Figur der Magd Moidl in Szene setzt: Gertraud Lener
Auch Christine Mair verleiht der Erscheinung von Anna Suitners „alter ego“ Klarheit und Würde, ihr kleiner Sohn Maikel vermag natürlich im Nu die Herzen des Publikums zu bezaubern.
Eine dezente musikalische Gitarrencollage im Hintergrund und ein berührendes Singen von B. Jaufenthaler runden eine anspruchsvolle Aufführung ab und verschaffen dem Burgsommer einen verdienten Höhepunkt. Ein zeitloses Tiroler Drama ohne alpine Schnörkel, Theater im besten Sinn.
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