10.01.2017, 20:20 Uhr

IV-Präsident Swarovski: Wettbewerbsfähigkeit erhalten, Leistungsträger belohnen – mit Video

Klare Worte von Tirols IV Präsident Christoph Swarovski

Standortstärken, Investitionsförderung, Steuer- und Förderpolitik, Europapolitik und Sicherheit standen im Mittelpunkt der Ansprache von IV Präsident Christoph Swarovski.


TIROL. Als einer der ersten Termine für Tirols Industrie, Wirtschaft und Politik steht im neuen Jahr traditionell der Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung Tirol am Programm. Heuer lud erstmals Präsident Christoph Swarovski ins Congress und er fand klare Worte.
Oberstes Ziel der IV-Tirol sei es, die Unternehmen im Lande wettbewerbsfähig zu halten, den Mitgliedsbetrieben attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, um erfolgreich bleiben zu können und damit auch die über 40.000 Arbeitsplätze zu erhalten sowie den vielen Menschen und Familien ihre Einkommen zu sichern. Präsident Christoph Swarovski plädierte für eine von gemeinsamen Werten geprägte Politik und Wirtschaft: „Wir müssen unsere christlich-sozialen Werte - die Österreich ausmachen und zu Wohlstand und Sicherheit geführt haben - erhalten und schützen. Dazu zählen vor allem Leistung, Fleiß, Verlässlichkeit und Sicherheit. Leistungsträger müssen in unserer Gesellschaft auf ein Podest gehoben werden.“

Standort-Check für politische Entscheidungen

„Wir brauchen eine Art Standort-Check, durch den die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die Wirtschaft sichtbar gemacht werden“, stellte Präsident Swarovski fest und präzisierte: „Bei allem was die Politik entscheidet, ist immer die Frage zu stellen: Stärkt oder schwächt das unseren Standort?“ Letztlich gehe es immer um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Der Standort-Check solle unter anderem Inhalt der Standortstrategie sein, die von der IV-Tirol gemeinsam mit ihren Mitgliedern und dem Land Tirol ausgearbeitet wird. Damit solle eine wesentliche Voraussetzung geschaffen werden, um die Tiroler Industrie wettbewerbs- und zukunftsfähig zu erhalten. Bildung und Qualifikation, Digitalisierung und Automatisierung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien weitere zentrale Elemente.

Investitionen fördern

Eine gute Standortpolitik habe immer die Entwicklungsfähigkeit der Unternehmen im Fokus. Für Präsident Swarovski geht es deshalb vor allem darum, Anreize für Investitionen zu schaffen und nicht durch eine Maschinensteuer genau das Gegenteil zu bewirken. Thesaurierte Gewinne - also solche die im Unternehmen verbleiben, reinvestiert und nicht entnommen werden - müssten künftig steuerlich anders behandelt werden wie dies heute der Fall sei. Das gelte besonders auch für Gewinne von Personengesellschaften. Das in Unternehmen investierte Kapital schaffe schließlich Arbeitsplätze, Einkommen und letztlich wieder Steuerleistung.

Innovative Steuer- und Förderpolitik

„Ein innovativer Ansatz wäre ein degressiver Steuersatz für Betriebe in Abhängigkeit bestehender oder neu zu schaffender Arbeitsplätze“, so der Vorschlag von Präsident Swarovski. Es sei auch kontraproduktiv, Unternehmen mit unnötig hohen Abgaben zu belasten, um dann einen Teil davon wieder in Form von Förderungen über mühsame und arbeitsintensive Verfahren zurückzustellen. Weniger Förderungen und dafür geringere Steuern wären zielführender, vertrat der Präsident eine klare Position. Die Politik zwinge mit ihren Entscheidungen die Unternehmen oftmals dazu, in anderen Ländern zu investieren, die mit deutlich attraktiveren Produktionsbedingungen aufwarten können. Als Beispiele führte der Tiroler Industriepräsident die Investitionen der Lenzing-Gruppe und der Voestalpine in den USA an.

Keine Überregulierung

Political Leadership forderte Präsident Swarovski bei der Umsetzung von EU-Recht in Österreich. So sollte künftig ein unabhängiges Gutachten verpflichtend Klarheit darüber schaffen, ob mit einem nationalen Gesetzesvorschlag die EU-Vorgaben erfüllt oder überfüllt werden. Dies, um unnötige Überregulierung zu vermeiden. Das sehr ausgeprägte Regulierungsbedürfnis Brüssel`s sei bekannt und Österreich dürfe nicht auch noch zusätzliche, wettbewerbsverzerrende Regelungen schaffen.

Politik für Europa

Der Brexit habe nicht zu einem stärkeren Wir-Gefühl in Europa geführt und auch nicht dazu, dass die EU selbstkritisch ein Mitverschulden bei sich selbst geprüft hat. „Die EU macht den Spiegel und nicht das Gesicht für ihr schlechtes Aussehen verantwortlich“, analysierte der Tiroler Industriepräsident den Zustand der EU.
Es sei hoch an der Zeit, dass sich die von der Obama-Regierung instrumentalisierte EU nicht durch eine Beharrensstrategie im angespannten Verhältnis zu Russland selbst ins Out stelle. So wie Russland, China und die USA müsse auch Europa seine Politik stärker auf die eigenen Interessen ausrichten. Europa hätte jedenfalls allen Grund selbstbewusst anderen Großmächten gegenüber aufzutreten. Die EU erbringt 24 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, die USA schaffen 22 Prozent und China kommt auf 13 Prozent.

Sicherheit ist Standortfaktor

Bei den Themen Flüchtlinge, Migration, Sicherheit und Missbrauch des Sozialsystems benötige es den Mut, Fehlentwicklungen anzusprechen, auch wenn man dafür von manchen dem rechten Eck zugeordnet werde. Allein wegen der offensichtlichen Unfähigkeit der EU bei der Lösung dieser Probleme, bleibe der Österreichischen Politik nichts anderes übrig, als die erforderlichen Maßnahmen, die eine kontrollierte Zuwanderung sicherstellen, auf nationaler Ebene umzusetzen. „Sicherheit ist bei der Beurteilung der Attraktivität eines Standortes ein wesentliches Kriterium“, betonte Präsident Swarovski und forderte die Politik auf, unsere Wertegemeinschaft, unsere Kultur, unsere freie Art zu Leben und nicht zuletzt unsere Wirtschaft besser zu schützen.

Zahlen und Fakten zur Tiroler Industrie

449 Unternehmen
Arbeitgeber für mehr als 41.000 Frauen und Männer
Produktionswert: knapp 10 Milliarden Euro
22 Prozent der Bruttowertschöpfung Tirols
Exportquote: 69,1 Prozent
Über 90 Prozent der Wertschöpfung werden außerhalb Tirols erwirtschaftet
91 Prozent aller betrieblichen F&E-Ausgaben (578 Millionen Euro) stammen aus der Industrie, das entspricht 525 Millionen Euro
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