04.08.2016, 10:43 Uhr

"Österreich" für den Bodensee

"Österreich" (1928): Die Werftmannschaft stellte die Arbeiten in Bregenz fertig. (Foto: Museumsverein Korneuburg)

Die Geschichte der Korneuburger Werft – Teil 2: Krieg, Rüstung, Russen und die Werft mittendrin.

STADT KORNEUBURG. Rutschte die Korneuburger Werft nach dem ersten Weltkrieg in eine Krise, so ging es ab 1927 wieder aufwärts. Das erste Passagierschiff, die "Österreich", verließ Korneuburg in Richtung Bodensee. "1938, nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, wurde die Werft als kriegswichtiger Betrieb eingestuft", erzählt Otto Pacher vom Museumsverein Korneuburg. Der Betrieb wurde in die Hermann Göring Werke eingegliedert.

Kriegsmaschinerie dreht sich


Von 1938 bis 1945 wurden in der Werft zahlreiche Kriegstransportschiffe nach deutschen Plänen gebaut. Auch acht Hochseeschiffe waren dabei. "Die haben es aber nicht bis ins Schwarze Meer geschafft", erklärt Pacher. "Die Russen haben sie dann okkupiert und sie waren bis in die 80er-Jahre hinein in Betrieb."
In den Kriegsjahren "florierte" die Werft. Rund 1.700 Angestellte fanden dort Arbeit, darunter auch 400 Gastarbeiter aus Holland. Noch heute findet man in Korneuburg den einen oder anderen holländischen Namen.
In dieser Zeit wurde die Werft auch vergrößert. Das Hafenbecken wurde ausgebaggert, die Halle 100 wurde gebaut.

Rettung in letzter Minute


1945 wurde es dann kritisch. Die SS zog sich zurück, rund 30 Mann, sogenannte Werkschutzleute, blieben in der Werft und hatten den Auftrag, sie zu sprengen. Alle Anlagen wurden mit Sprengmitteln versehen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang es jedoch Werftarbeitern die Sprengmittel zu demontieren und sie in der Donau zu versenken. Einzig die erste Rollfähre ging verloren.

Befreiung & Aufschwung


"Von 13. auf 14. April 1945 kam die Rote Armee über die Donau und von Hagenbrunn aus nach Korneuburg. Noch bis zum 8. Mai verlief die Frontlinie quer durch Korneuburg", erklärt Otto Pacher. Die Russen besetzten die Werft und plünderten sie aus. Als man jedoch die Wichtigkeit des Betriebes erkannte, wurde er wieder aufgerüstet. Versenkte DDSG-Schiffe wurden gehoben und repariert. Ab 1949 wurde der Schiffsbau wieder aufgenommen. "Das erste Schiff, das nach dem Krieg gebaut wurde, war die Rollfähre."
Die einst dezimierte Mannschaft der Werft wurde wieder aufgestockt. 1.500 Leute arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. So wurden innerhalb von sechs Jahren rund 60 Hochseegüterkähne gebaut. Zu dieser Zeit wurde auch das Schweißen der Schiffskörper eingeführt. "Die neue Technik kam aus Kiew", erzählt Pacher.

Staatsvertrag


Nach dem Aufschwung der Werft, wurde sie im Zuge des Staatsvertrages 1955 von Russland an Österreich zurückgegeben. Die drastischen Folgen: Aufträge brachen wieder weg. Zudem musste man zwei Millionen an Reparationszahlungen leisten, die in Form von vier Zugschiffen bezahlt wurden.

ZUR SACHE: Das Werft-Mahnmal

1940 formierte sich eine Widerstandsgruppe, deren Kern sich aus 35 Arbeitern und Angestellten zusammen setzte. 12 Personen wurden von 1941 bis 1942 wegen "Bespitzelung und Verrat" verurteilt. Sechs Arbeiter fielen dem Nazi-Terror zum Opfer, an die noch heute ein Mahnmal in der Werft erinnert: Josef Schwarzböck, Franz Czak, Hans Gruber, Rudolf Alexander, Anton Jordan und Johann Mühl.
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