14.06.2016, 00:00 Uhr

Vor 100 Jahren – 16. Juni 1916

Vor 100 Jahren schrieb die Wochen-Zeitung für das Viertel unter dem Manhartsberge:

"Unschöner Neubau. Der Krieg hat die Bautätigkeit wie überall so auch in Stockerau fast lahmgelegt. Nur ein größeres Bauwerk wurde in dieser Zeit hergestellt, der Zubau zu dem Militärverpflegsmagazin an der Ecke der Klesheim- und Judithastraße. Dieser Neubau aber beleidigt das Auge des Beschauers und muß den Freund seines Heimatsortes tief schmerzen als heillose Entstellung des Stadtbildes. Man denke sich einen regelmäßigen Riesenwürfel von drei Stockwerken mit ganz flachem Dache, auf dem scheinbar eine kleine Hütte aufsitzt; die Wände sind völlig nackt, ohne jede Horizontalgliederung durch Gesimse und ohne jede Vertikalteilung; jedes Stockwerk der beiden Schauseiten zeigt nichts als in weiten Abständen drei kleine, völlig quadratische Oeffnungen. Der Schöpfer dieses unglücklichen Kastens hätte an einer sehr verwandten Aufgabe, an den niederösterreichischen Lagerhäusern, lernen können, daß auch reine Nutzbauten nicht so gottverlassen geschmacklos sein müssen. Reine Nutzbauten sind auch die neuen Bahnwächterhäuser an der Nordwestbahn, aber wie reizend sind diese! Welches Juwel, bei aller Schlichtheit, ist das Totengräberhäuschen vor dem Friedhofe! Wenn aber schon die Form aus übertriebener Sparsamkeit so traurig nüchtern werden mußte, so hätte der Eindruck mindestens durch etwas Farbe gemildert werden sollen."

"Vandalismus und Roheit. Schon seit längerer Zeit werden die seinerzeit vom hiesigen Verschönerungsverein der Stadtgemeinde in die Obhut übergebenen Ruhebänke, welche im Interesse der Allgemeinheit an den öffentlichen Wegen der Stockerauer Au aufgestellt wurden, in roher gemeiner Weise beschädigt und verschleppt, wie man solches fast täglich aufs Neue konstatieren kann. So wurden kürzlich u. a. von den eisernen Seitenteilen der obere Teil für die Anmachung der Rückenlehne mit Gewalt abgeschlagen und außerdem die so demolierte Bank von ihrem Standorte am sog. Greifensteiner Weg verschleppt und mitten in das Gerinne des Donauarmes gestellt. Man sollte es kaum für möglich halten, daß dieses rohe Gesindel, welches sich nur abends oder zur Nachtzeit in der Au herumtreiben kann, ein Vergnügen daran findet, derartige Gegenstände, welche doch hauptsächlich von den weniger bemittelten Bevölkerungsschichten mit Vorliebe benutzt werden, in so roher Weise zu demolieren. Sollte es denn nicht möglich sein, diese Horde einer exemplarischen Strafe entgegenzuführen? Es sollte da niemand scheuen mitzuwirken, um diesen Rohlingen das Handwerk zu legen. Leider ist aber auch die Aufsicht in der Au eine so mangelhafte, daß ungestraft die größten Forstfrevel bei hellichtem Tage verübt werden. Man braucht ja nur des Nachmittags die Lasten Holz zu beobachten, welche von Weibern und Kindern täglich unbefugt über die Aubrücke geschleppt werden."
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