02.09.2016, 11:02 Uhr

Lodge mit See statt "Bettenburg" für Scheffau

Barbara Landlinger (GF Hotel Kaiser in Tirol), Johann Haselsberger (Bergbahnen) und Marco Holzer (Planwerker Holzerber, v.l.).

Die Bergbahnen Scheffau bauen nach Entwürfen von "Planwerker Holzerber" um rund 25 Millionen Euro eine "Kaiserlodge" für individuelleren Tourismus – und einen eigenen See.

SCHEFFAU (nos). "Den Gast erden" möchten Barbara Landlinger, Geschäftsführerin des "Hotel Kaiser in Tirol", die Scheffauer Bergbahnen und "Planwerker Holzerber" mit dem Projekt "Kaiserlodge Scheffau".

Johann Haselsberger, selbst seit 45 Jahren bei den Bergbahnen aktiv, gab als "Hausherr des Projekts" eine Übersicht über die Projektentwicklung und -entstehung. "Die Bergbahn hat 2005 und 2007 diese beiden Grundstücke erworben, damit dort ein hochwertiges Hotelprojekt entstehen kann", so Haselsberger. Ab 2006 war als Partner dafür die Südtiroler "Falkensteiner Hotel GmbH" mit an Bord, Finanzierungsschwierigkeiten des Unternehmens im Zuge seines Börsenganges hatten die gemeinsamen Pläne allerdings zunichte gemacht, wie Haselsberger weiter darlegte. Ein dann folgender Optionsvertrag mit der "Porr Solutions GmbH" lief 2013 aus. Heute sind die Verantwortlichen nicht unglücklich darüber, dass das Projekt damals nicht zustande kam.
"Unser Credo war, bloß den Ort nicht zu schädigen", so Haselsberger. Vom damaligen Bürgermeister Rupert Soder kam schließlich, nachdem die Grundverkehrsbehörde die Bebauungsfrist urgierte, die Anregung an die Generalversammlung der Bergbahnen, die Gründe selbst zu verwerten. "Das ist nicht so einfach für die Bergbahnen, wir sind Seilbahner und keine Wirte!", stellt Haselsberger klar, warum man sich dazu entschied als Bauträger zu fungieren und das Projekt von einem Pächter betreiben zu lassen.

"Den Ort nicht erschlagen"

Marco Holzer, gemeinsam mit Gerhard Erber Inhaber der "Planwerker Holzerber" in Ellmau, unterstrich die Grundvoraussetzungen für die Pläne am Ortseingang der Kaisergemeinde: "Man möchte den Ort nicht erschlagen, das war sehr wichtig. Unsere Aufgabe war es, die Kapazitäten in eine Hülle zu stecken."
Diese Hülle soll eine Mischung aus Moderne und Tradition widerspiegeln, auf die Verwendung von Naturwerkstoffen wie Holz und Stein wurde besonderer Wert gelegt.
Vergangene Woche starteten in Scheffau die Vorarbeiten, am 30. August erfolgte schließlich der offizielle Spatenstich. Für einige der Studios und Appartements, die nun in Bälde neben dem "Hotel Kaiser in Tirol" entstehen sollen, gibt's ein spezielles "Schmankerl" – einen eigenen Seezugang.

"Am Berg, am See"

Zwischen dem bestehenden Hotel und dem "Lodge"-Neubau wird ein rund 1.300 Quadratmeter großer Badesee angelegt. Mit bis zu 2,8 Metern Tiefe soll er um die 45.000 Kubikmeter Wasser fassen können, das unter anderem durch die bereits in der Nähe verlegte Schneileitung der Langlaufloipe in den Outdoor-Bereich der Anlage fließen soll, wie Holzer erklärte. Von einigen der Studios aus, gelangen die Gäste dann direkt ans Gewässer. "Das war etwas, was ich in dieser Form aus der Umgebung nicht kenne", merkte Holzer an.
Zur Abdeckung der Grundstromversorgung für beide Häuser, also Lodge und Hotel, soll eine rund 500 Quadratmeter große Photovoltaikanlage mit 70 Kilowatt Leistung dienen.

Alternative zur "Bettenburg"

Barbara Landlingers Grundüberlegung für das "Kaiserlodge"-Konzept war, wie es zu schaffen wäre, einen Neubau an das bestehende Haus anzubinden, ohne, dass dadurch ein "300 Betten Haus" entstünde. Gelöst wurde das gemeinsam mit den "Planwerkern" durch einen Verbindungsbau, in dem sich Rezeption, Bar, Buffett und ein Bauernladen wiederfinden sollen.
"Wir sind nicht daran interessiert, hier eine All-inclusive-Burg hinzustellen. Die Leute sollen hinausgehen ins Dorf!", erklärte Johann Haselsberger die Entscheidung für das "Lodge"-Konzept.
Landlinger und ihr Team wollen in den Appartements und Studios des Neubaus "im Grunde nur das Wohnen" anbieten. Verpflegung und weitere Leistungen können die Gäste hinzu buchen. So sollen die Urlauber animiert werden regionale Produkte zu kaufen und selbst zuzubereiten oder in der lokalen Gastronomie einzukehren.

"Generationenurlaub" lautet das Stichwort für die anvisierte Zielgruppe der "Kaiserlodge", wie Barbara Landlinger weiter ausführte. "Wir können ein Appartement mit zwei bis zwölf Personen belegen", veranschaulichte die Hotelfachfrau die modularen Möglichkeiten des Baus. Auch "außergewöhnliche Seminarräume" sollen unter dem Motto "arbeiten im Urlaub" entstehen. Ein über das gesamte haus ausgebreitetes Kräuterkonzept – vom Saft bis zur Seife –, ein Wellnessbereich auf dem Dach und ein Bauernladen mit lokalen und regionalen Produkten sollen das ganzheitliche Angebot abrunden.
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