15.08.2016, 15:00 Uhr

Karl Christian Handl: "Pianner Speck für die USA"

Karl Christan Handl sieht den Beruf des Metzgers in Tirol immer mehr zurückgehen

Karl Christian Handl ist geschäftsführender Gesellschafter der Oberländer Traditionsfirma Speck Handl.

Sie haben das Familienunternehmen von Ihrem Vater Karl Handl übernommen. Auch Ihr Bruder Markus Handl ist im Unternehmen tätig. Eine reibungslos funktionierende Konstellation?
Karl Christian Handl: „Natürlich ist so eine Übergabe immer etwas Herausforderndes für alle Beteiligten, aber wir haben unseren Weg gemeinsam gefunden. Die Aufgabenbereiche sind klar zugeordnet und wir fühlen uns sehr wohl. Dieser Prozess geht aber nicht in einem Jahr, wir haben 5 Jahre immer daran gearbeitet. Unser Vater hat sich weitgehend aus der Firma zurückgezogen, steht uns aber mit Rat und Tat zur Seite, gerade als Familienunternehmen ist die Erfahrung etwas sehr Wertvolles.“

Handl exportiert rund 60 Prozent seiner Produktion. Haben Sie dem Ausland den Tiroler Speck nähergebracht?
„In gewisser Weise ja. Mein Vater hat zuerst Vorarlberg ‚missioniert’, ehe er dann dem restlichen Österreich den Tiroler Speck nähergebracht hat. Mit zunehmenden Wachstum und einem erfolgreichen Vertriebsteam ist es uns gelungen in Deutschland, Italien und in den Benelux-Ländern als Genussbotschafter für Tiroler Speck in allen Vertriebskanälen vertreten und anerkannt zu sein.. Mittlerweile sind unsere Produkte aber auch in Japan und Südkorea erhältlich, die USA sehen wir als einen Zukunftsmarkt.“

Und worin liegt das Geheimnis Ihres Erfolges, speziell im Ausland?
„Die hohe und lückenlos kontrollierte Fleischqualität sowie unsere innovativen Verarbeitungsmethoden, gepaart mit immer neuen Genussideen, sind ein wesentlicher Teil unseres Erfolges.“

Um erfolgreich zu sein, braucht es neben dem Produkt auch gute Mitarbeiter. Das Metzgerhandwerk schwindet in Tirol, finden Sie genügend qualifizierte Leute?
„Durch die ausgeklügelten Produktionsprozesse und die Automatisierung brauchen wir heute mehr Techniker oder Mechatroniker als Metzger. Aber es ist richtig, der Beruf Metzger geht in Tirol zurück, deshalb kommen auch einige unserer Fleischermeister aus Bayern. Als modernen und zukunftsorientierten Lehrberuf bilden wir junge Leute im Bereich Lebensmitteltechnologie aus, eine Berufsgruppe, die in allen Bereichen große Potentiale und Karrieremöglichkeiten hat.“

Die Zentrale ist in Pians, in Schönwies wird verpackt, in Naturns wird produziert und nun planen Sie einen weiteren Produktionsstandort in Haiming. Ein Meilenstein in der Firmengeschichte?
„Ja, auf alle Fälle, denn hier wollen wir um etwa 55 Mio. Euro eine hochmoderne, exportorientierte Produktionsstätte für die nächsten Jahrzehnte errichten. In Pians werden wir unsere Rohwürste sowie Kleinchargen von Tiroler Spezialitäten produzieren, das Handwerk muss erhalten bleiben, das liegt mir am Herzen. In Naturns werden wir weiterhin den Südtiroler Speck produzieren.

Wie sieht der Zeitplan für den neuen Produktionsstandort aus?

„Anfang 2018 sollte das Werk in Betrieb gehen, der Baubeginn ist für Ende 2016 geplant.“

Wenn Sie als Tiroler Top-Unternehmer Wünsche an die Tiroler Politik hätten, welche wären das?
„In erster Linie den einer Verwaltungsreform. Heute könnte die Digitalisierung viel mehr genutzt werden, um Verfahren rascher abzuwickeln. Hier wäre den Unternehmen sehr viel geholfen.“

Um ein gutes Produkt zu schaffen, braucht es gute Rohstoffe. Woher beziehen Sie vorwiegend Ihr Fleisch?
„Unsere Rohware für den Speck den wir in Österreich verkaufen kommt garantiert aus Österreich (AMA zertifiziert), umgekehrt für den Speck den wir exportieren verwenden wir garantiert deutsches Fleisch (Q+S zertifiziert). Das ist die höchstmögliche Sicherheit für uns als Produzenten und in weiterer Folge auch für unsere Kunden und Konsumenten.“

Wie stehen Sie zu Bio?
„Bio ist für einen Produktionsbetrieb unserer Größe fast kein Thema. Es fehlen die Menge und auch die gleichbleibende Fleischqualität.“

Essen Sie eigentlich selbst noch Speck oder Kaminwurzen?

(Lacht). „Ja, im Winter bevorzuge ich eher eine klassische Marend, im Sommer esse ich Speck eher gebraten mit Ei oder als gebratene Speckwürfel über dem Salat.“

Zur Sache:

Handl beschäftigt 550 Mitarbeiter, erwirtschaftet 130 Mio. Euro Umsatz und verarbeitet etwa 12.000 Tonnen Schweinefleisch pro Jahr. Karl Christian Handl ist Jahrgang 1971, seit 24 Jahren im Unternehmen, gelernter Fleischer und HTL-Ing. für Lebensmitteltechnologie und Fleischwirtschaft. 2006 hat er noch einen MBA in USA absolviert.
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