15.08.2016, 09:56 Uhr

Nach Rumänien mit Concordia: Sechs Monate als Volontärin die Welt verbessern

Christina Kauer und ihr Klient Julian im Fußballfieber während der EM. (Foto: Concordia)

Die Landstraßerin Christina Kauer arbeitete mit Süchtigen in Bukarest.

LANDSTRASSE. Den meisten Absolventen ist nach dem Studienabschluss nach Feiern zumute, oder nach Seele baumeln lassen, vielleicht auch nach reisen. Die Landstraßerin Christina Kauer wollte jedoch etwas zurückgeben und etwas verändern. Nach Abschluss ihres Bachelorstudiums in Volkswirtschaft beschloss die 22-Jährige, für sechs Monate nach Rumänien zu gehen. 2014 war sie dort schon einmal auf Urlaub. Das Land habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen, so Kauer. Sie bewarb sich bei Concordia Sozialprojekte um einen Platz als Volontärin.

Süchtige statt Kinder

Im Jänner 2016 reiste sie nach Bukarest, um mit Kindern zu arbeiten. Überraschend kam es anders: Eine Sozialzentrum für 18- bis 35-jährige Drogen- und Alkoholabhängige wurde zu ihrem Arbeitsplatz. "Der erste Eindruck war furchtbar und ich wollte wieder weg", sagt Kauer. Relativ bald legte die Volkswirtin die Berührungsängste jedoch ab. Mit den insgesamt 60 Klienten arbeitete Kauer im Garten, in der Küche und bei Jobcoachings. Daneben lernte sie Rumänisch. "Mit einer sehr strengen und unter Volontären gefürchteten Lehrerin", so Kauer. Das zahlte sich jedoch aus, denn bald war sie in der Lage, mit den Bewohnern der Sozialeinrichtung in ihrer Sprache zu sprechen. Vieles wurde dadurch einfacher.

"Den Menschen Sinn und eine Struktur zu geben, war erfüllend, beispielsweise bei einfachen Dingen wie dem gemeinsamen Garteln. Für viele geht es nur mit kleinen Schritten wieder nach oben", sagt die Volontärin. Bald ergaben sich unerwartet tiefsinnige Gespräche – über die Freiheit auf der Straße zum Beispiel. Viele der Drogenkonsumenten hätten für ihr Leben auf der Straße durchaus philosophische Begründungen. "Die meisten haben jedoch eine tragische Familiengeschichte hinter sich", sagt Kauer. Das Verständnis für Obdachlosigkeit hat sie nach Wien mitgebracht. Heute habe sie mehr Verständnis für Menschen auf der Straße, mehr Verständnis für ihre Geschichten. Voreilig sollte man niemanden verurteilen.
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