28.03.2016, 13:53 Uhr

"Holz ist ein Weg, um alle Sinne zu berühren"

Bäume vermitteln Größe, Stärke und Ruhe – das greift Flotzinger in der Weiterverarbeitung auf. (Foto: privat)

Ein Bildhauer über seinen Weg zur Kunst, den Reiz der Natur und die Kraft der Freundschaft.

WALDZELL (gasc). Alexander Flotzinger liebt die Kunst. Er liebt die Natur und er liebt es, sie zu thematisieren und mit ihr zu arbeiten. Das wurde ihm spätestens dann klar, als er nach seinem HTL-Abschluss in einem Planungsbüro landete: "Dieses geistig sinnlose Errichten von Anlagen, gegen die ich am Wochenende am liebsten demonstriert hätte und der brutale Umstand, dass dies ein reiner Beruf vor dem Computer war, vertrieben mich", erzählt er. Darum widmete er sich der Bildhauerei, "von der ich mich mein Leben lang nicht mehr wegbewegen werde". Seit 2011 schafft es der Waldzeller, von seiner Kunst zu leben. Dennoch fällt es ihm nicht schwer, sich von einem Werk zu trennen. Sein Grundsatz: "Wichtig ist der Prozess während der Entstehung." In seinen Arbeiten verwendet er viel Holz. "Die Wirkung des Werkstoffes auf den Menschen ist eine angenehm sinnliche und sobald er trocken ist, verstrahlt er immer Wärme – beim Berühren sowie optisch", sagt er. Außerdem sei das Material für ihn allgegenwärtig, er lebt nur einen halben Kilometer vom Kobernaußerwald entfernt. Flotzinger spielt gerne mit den wechselnden Eigenschaften von Holz: "Alle Bäume besitzen in ihrer Holzstruktur unterschiedliche Eigenschaften, die für verschiedenste Aufgaben eingesetzt werden können. Jedes Holz hat seine eigene Dichte, Säure, Elas-tizität und Brucheigenschaft."
Dass er mit Gegensätzlichkeiten spielt, sieht man auch an seinen Skulpturen. Er kombiniert eckig und rund, groß und klein, voluminös und leicht. "Das sind für mich spannende gestalterische Ansätze", meint er, "doch auch der Inhalt zählt. Ich beschäftige mich viel mit den Themen Mensch und Maschine, Kapitalismus vs. Natur, Ausbeutung von Tieren und aktuell auch mit Flucht und Abgrenzungen."

Ein wildgewachsener Haufen
Seit 2008 arbeitet Flotzinger mit anderen Künstlern im Netzwerk "Wüdwux" zusammen. "Bei der Arbeit im Team bringt jeder unterschiedliche Erfahrungen & Qualitäten ein, somit potenzieren sich die Möglichkeiten. Das möchte ich nicht missen. Doch im Vordergrund steht nicht der wirtschaftliche Aspekt, sondern eine Freundschaft, bei der man sich unterstützt und austauscht."
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