19.05.2016, 17:33 Uhr

Linzer mit Solidaritätspreis ausgezeichnet

Bischof Manfred Scheuer (r.) und Landeshauptmann Josef Pühringer (Mi.) überreichten den Preis an Sr. Tarcisia Valtingoier. (Foto: KiZ)
Mit rund 300 Gästen fand am 17. Mai die 23. Solidaritätspreis-Verleihung der KirchenZeitung der Diözese Linz statt. Zehn Einzelpersonen und Gruppen wurden für beispielhaftes solidarisches Wirken ausgezeichnet. Darunter waren auch einige Linzer.

Unermüdlicher Einsatz für Obdachlose

Bei den Einzelpersonen wurde Sr. Tarcisia Valtingoier geehrt. Die Jury zeigte sich beeindruckt von ihrem unermüdlichen Einsatz: Sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr – an jedem Tag ist das Vinzenzstüberl der Barmherzigen Schwestern in Linz Betrieb, und an fast jedem Tag arbeitet Sr. Tarcisia von früh bis spät für obdachlose Menschen und andere Außenseiter unserer Gesellschaft. Seit 1998, als der Aufbau des Vinzenzstüberls begann, setzt sie sich ein für die Versorgung von Menschen am Rand – Obdachlose, Arbeitslose, Haftentlassene, Flüchtlinge, Bettler, ... In den letzten Jahren kommen täglich bis zu 180 Menschen ins Stüberl. Sie erhalten etwas zu essen, können ihre Wäsche waschen lassen, werden medizinisch betreut, können sich duschen und werden, wenn es sein muss, auch einmal geduscht. Hier finden sie Ansprache und können sich auch einmal ausruhen.

No Limits in the Air

Eine Auszeichnung ging auch an die Flugsportgruppe Union Linz. Die Jury würdigte das nun schon traditionelle Fest des Fliegens für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen – „No Limits in the Air“ – als sehr gelungenes inklusives Engagement. Die Flugsportgruppe macht in einem Bereich vor, wie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich, ja selbstverständlich ist. 2009 haben die Union- Flugsportler von französischen Segelflug-Piloten, die in Linz Station machten, dieses Beispiel vorgelebt bekommen. Seither praktizieren sie es selbst: Jährlich werden an einem Spätsommer-Sonntag bis zu 50 Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen zu kurzen Segelflügen am Donauhafen mitgenommen. Die Flüge bescheren den Fluggästen ein unbeschreiblich schönes Erlebnis, das einen schwerstbehinderten jungen Mann zum Ausspruch bewegte: „Do is’s so schen, dass i ned merk, dass i behindert bin!“ Ermöglicht wird der Flugtag samt Erlebnissen auch auf dem Boden (Grillerei, Basteln, Spiele) von etwa 40 ehrenamtlich Helfenden.

Engagierte Studenten

Ein weiterer Preis in der Kategorie Jugendprojekte ging an das Sprachprojekt für Asylwerbende der Studierendenvertretung der Pädagogischen Hochschule OÖ. Das Team hat ein Deutschlernprogramm aus Skripten und Kursen zusammengestellt. Als im Mai 2015 auf dem Sportplatz der Landespolizeidirektion Linz Zelte für 96 Asylwerber errichtet wurden, haben die engagierten Studenten mit den zuständigen Institutionen Kontakt aufgenommen und Deutschkurse im Gebäude der Pädagogischen Hochschule organisiert. Sie haben die nötigen Unterlagen erstellt und diese in die Sprachen Englisch, Arabisch, Russisch und Farsi übersetzen lassen. Das Projekt ist mittlerweile zu einem Betreuungsprogramm mit zahlreichen Freiwilligen angewachsen.

Politik für nächste Generation

Für den Hauptorganisator des Solidaritätspreises, KirchenZeitungsredakteur Ernst Gansinger, war es die letzte Preisverleihung unter seiner Regie. Mit Juli scheidet er nach 35 Jahren aus dem Dienst. In einer Interview-Runde mit Politikern und Bischof Manfred Scheuer brachte er bei der Feier das derzeitige soziale Klima im Land zur Sprache. Landeshauptmann Josef Pühringer verwies auf die höchste Pro-Kopf-Quote der Sozial-Ausgaben Oberösterreichs im Bundesvergleich. „Man muss Politik machen, die der nächsten Generation nicht auf den Kopf fällt“, meinte er. Und: „Jede Partei wird danach trachten, Mehrheiten für ihre Programme zu finden.“ „Wir sind Abbild der Gesellschaft“ skizzierte Soziallandesrat Reinhold Entholzer die jetzige Politik. Man müsse die gesellschaftlichen Realitäten zur Kenntnis nehmen „und versuchen, dass es wieder ein wenig solidarischer und wärmer – und ein Stück gerechter wird“, meinte er.

Politik der Nächstenliebe

Bischof Manfred Scheuer machte auf Grenzen aufmerksam. „Es gibt sowohl in der Kirche als auch in der Politik Grundwerte und Fundamente, die nicht einfach der Mehrheit unterstellt werden dürfen.“ Das Evangelium und die Menschenrechte zählt er dazu. Es ginge also nicht nur um Mehrheitsfindungen, sondern um das Bewusstsein dafür, „was meiner Macht und Willkür entzogen ist". Politik, so Bischof Scheuer, könne auch eine Form der Nächstenliebe sein, manchmal gut, und manchmal der Umkehr bedürftig. Er fügte hinzu: „Ich wünsche der Kirche und auch der Politik manchmal die Umkehr.“
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