10.03.2016, 12:29 Uhr

Holz zum Stricken: die Wollgarnspinnerei Ferner in Unternberg setzt auf "Tencino 80"

Wollgarnspinner Matthias Ferner häkelt hier mit "Tencino 80", die er in seinem Betrieb in Unternberg herstellt. (Foto: Peter J. Wieland)

Lyocell wird aus Holz gewonnen. Die Wollgarnspinnerei Ferner in Unternberg veredelt es zu Garn weiter.

UNTERNBERG (pjw). Die Wollgarnspinnerei Ferner im Gewerbegebiet Unternberg ist einer der letzten Wollerzeugungsbetriebe in Österreich. Was man nicht vermutet: Ferner setzt seit zwei Jahren unter anderem auf den Rohstoff Holz – konkret auf Naturfasern, und hier speziell auf die Funktionsfaser "Lyocell", aus der Ferner in Unternberg Garn spinnt. "Dieser Rohstoff bringt tolle Eigenschaften mit sich und ist zu 100 Prozent botanischen Ursprungs. Lyocell wird aus dem Rohstoff Holz extrahiert", erläutert Firmenchef Matthias Ferner jun. Er fährt fort: "Unter dem Namen 'Tencino 80' (50 Prozent Wolle, 50 Prozent Lyocell) erobert das Garn die Herzen der Strickfreundinnen und - freunde." An einem reinen Lyocell-Produkt tüftelt die Wollgarnspinnerei Ferner übrigens auch bereits.

In Österreich hergestellt

"Lyocell ist eine Funktionsfaser, die aus der Natur kommt und bei der Firma Lenzing AG in Österreich ihren Ursprung hat. Dort wird sie unter dem Namen Tencel® geführt", konkretisiert Matthias Ferner und erklärt: "Rein botanisch, aus dem Rohstoff Holz wird sie gewonnen und ist in ihrer Herstellung aufgrund eines geschlossenen Kreislaufes besonders umwelfreundlich. Der Produktionsprozess von Lyocell basiert auf einem Lösungsmittelspinnverfahren und stellt die größte Errungenschaft in der Cellulosefasertechnologie dar." Mit der Erfindung von Lyocell/Tencel® sei ein neues Kapitel in der Fasergeschichte aufgeschlagen worden, ist man sich in der Wollgarnspinnerei Ferner in Unternberg sicher.

Tragekomfort, saugfähig...

Annemarie Ferner, die in der Marktgemeinde Tamsweg ein Trachtenmodengeschäft – "s'Gwandl vom Ferner" – führt, weiß um die Eigenschaften von Lyocell Bescheid. "Raue Faseroberflächen wie sie bei Baumwolle oder Wolle zu finden sind führen oft zu Hautreizungen", erzählt Annemarie aus Erfahrung. "Durch die glatte Oberflächenstruktur haben Kleidungsstücke aus Lyocell einen angenehmen Tragekomfort. Textilien aus dieser Faser sind saugfähiger als Baumwolle, sanfter als Seide und kühler als Leinen. Auch Bakterien haben bei Lyocell keine Chanche, denn das perfekte Feuchtigkeitsmanagment der Cellulose ist für ein geringes Bakterienwachstum verantwortlich", führt Annemarie aus.

Breites Anwendungsgebiet

Zu finden sei Lyocell mittlerweile fast überall, wie Ferners in Erfahrung gebracht haben: beispielsweise bei Sportbekleidung gemischt mit Merinowolle, in Matratzen, Oberbekleidung, Möbelstoffen, technischen Textilien, Teppichen und Gesichtsmasken. Und auch in der Automobilindustrie sei es in verschiedensten Teilen des Autos zu finden, wie zum Beispiel in den Sitzen oder den Kunststoffteilen.

Text: Peter J. Wieland
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Poldi Lembcke aus Ottakring | 16.03.2016 | 22:57   Melden
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Marlene Gappmayr aus Lungau | 18.03.2016 | 07:02   Melden
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