Schweinezucht steht auf Prüfstand

 

Nach Kritik der Volksanwaltschaft soll neue Verordnung „Tierquälerei“ beenden, Bauern kritisieren erneute Verschärfung

Aufregung im Schweinestall: Gesundheitsminister Alois Stöger hat eine Novelle der Tierhalteverordnung ausgeschickt. Zentraler Inhalt: Zuchtsäue sollen mehr Bewegungsfreiheit bekommen. Die Schweinebauern sehen darin einen Angriff auf ihr wirtschaftliches Überleben.

WIESELBURG/BEZIRK. Vergangene Woche trafen sich die österreichischen Schweinebauern zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Grund war der Entwurf zur Abänderung der Tierhalteverordnung, die auf einer Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft gründet. Der Vorwurf richtet sich an die Sauenhalter, denen nichts weniger als Tierquälerei vorgeworfen wird. Elisabeth Sablik, Mitarbeiterin des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) beschreibt die Situation aus der Sicht der Tierschützer: „In einem drei- bis vierjährigen Lebenszyklus können sich die Zuchtschweine nicht einmal vom Platz bewegen. Sie sind durch die Kastenstandshaltung fixiert, eine vollkommen unnatürliche Situation, die etwa in der Schweiz schon lange verboten ist.“

Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, verweist wiederum auf das Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2004, mit dem eine Vier-Parteien-Einigung auch über die Verordnung einhergegangen ist (mehr Fläche während der Geburtsphase, Umsetzung bis spätestens 2013) und zeigt sich verärgert über die im Raum schwebende Verschärfung: „Die neue Verordnung bedeutet den ,Supergau‘ für die österreichische Schweinewirtschaft. Die Missstandsfeststellung verunsichert die Branche und gleicht einem Vertrauensbruch gegenüber den österreichischen Landwirten.“

Die nötigen Investitionen würden Schweinefleisch auch teurer machen, so die Züchter. „Blödsinn“, entgegnet der VGT. Vergleichsstudien in anderen Ländern hätten gezeigt, dass der Preis für Schweinefleisch lediglich um zwei Cent pro Kilo steigen würde.




„Super-GAU für Zuchtbetriebe“
MANK. Erst 2005 ist das von allen vier Parlamentsparteien beschlossene Bundestierschutzgesetz in Kraft getreten. Wenige Jahre später, nachdem bereits 50% aller Schweinezüchter ihre Stallungen nach den neuen Vorgaben umgebaut haben, droht nun eine erneute Verschärfung.
Auch Familie Zöchbauer aus Mank hat deshalb 2006 ihren Stall auf den neuesten Stand gebracht und dabei rund 400.000 Euro investiert. „Die gesamte Branche ist zutiefst verunsichert über die Zukunft. Die heimische Schweinefleischerzeugung wird so in ihrer Existenz gefährdet“, äußert Michaela Zöchbauer ihren Unmut. „Wir haben ohnehin ein sehr strenges Tierschutzgesetz. Die Ausnahmen zur Gruppenhaltung im Zeitraum der Abferkel- und Säugezeit wurden zum Schutz der Ferkel bewusst vorgesehen“, so Zöchbauer, die mit den Forderungen der Tierschützer wenig Freude hat.



ZUR SACHE
Hauptstreitpunkt: „Ferkelschutz“


Die von Tierschutzorganisationen kritisierte Kastenstandhaltung verhindere bei Schweinen eine natürliche Mutter-Kind-Beziehung, wodurch die Ferkel Schaden nehmen und auch viele sterben würden. Die Schweinezüchter wieder argumentieren, die Kastenstandhaltung schütze den Nachwuchs davor, von der Mutter erdrückt zu werden.
0
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
5.447
Christian Trinkl aus Melk | 29.03.2011 | 12:22  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.