12.09.2016, 08:54 Uhr

Ärztemangel: Wohin mit kranken Kindern in Neubau?

Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm die Grippewelle. Auch die Neubauer werden verstärkt ärztliche Hilfe benötigen. (Foto: Bilderbox)

Im gesamten 7. Bezirk gibt es für 4.295 Kinder nur eine Ärztin, die einen Kassenvertrag mit allen Krankenkassen hat. Für ÖVP-Bezirksobfrau Christina Schlosser ein nicht zu duldender Zustand. Auch die Ärztekammer fordert für den Bezirk neue Vertragsstellen.

NEUBAU. Im 7. Bezirk kommt auf 4.295 Kinder zwischen 0 und 19 Jahren eine einzige Kinderärztin, die mit allen Kassen einen Vertrag hat. Ein Ausweichen in die Nachbarbezirke ist keine Option, da dort ebenfalls kein Ärzteüberschuss herrscht. So können in Mariahilf zwei Kinderärzte und in der Josefstadt ebenfalls nur eine Kinderärztin Verträge mit allen Krankenkassen vorweisen.

Für Christina Schlosser, Bezirksparteiobfrau der ÖVP, ein nicht tolerierbarer Zustand. "Wir werden im nächsten Bezirksparlament eine Debatte zu diesem Thema führen. Ich habe mit etlichen Familien gesprochen und es muss eine zweite Vertragsstelle für einen Kinderarzt mit allen Kassen in Neubau geschaffen werden", so die Politikerin zur bz. Dass Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger von den Grünen keine weiteren Arztstellen im Bezirk schaffen kann, ist Schlosser klar. "Aber er soll mit der Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse kooperieren und sich dafür einsetzen, dass eine weitere Kinderordination mit Kassen kommt."

Ärztekammer unterstützt Forderung

Laut Regine Bohrn, Sprecherin der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), könnte ein Bezirkschef tatsächlich urgieren. "Ein Bezirksvorsteher kann auf mögliche Versorgungsengpässe hinweisen und bitten, dass sich die Gebietskrankenkasse des Themas annimmt und eine Prüfung vornimmt", so Bohrn zur bz. Bei dieser Bitte bleibt es jedoch auch. Für die Planung neuer Kassenstellen wird der "Regionale Strukturplan Gesundheit" des Gesundheitsministeriums herangezogen. "Mit dieser Planungsgrundlage werden Veränderungen wie Bevölkerungswachstum für die Neuvergabe berücksichtigt", so Bohrn.

Diese Neuvergaben werden im "Invertragnahme- Ausschuss" diskutiert, in dem neben der WGKK auch die Wiener Ärztekammer vertreten ist. Dort rennt Christina Schlosser mit ihrer Forderung nach einer weiteren Kassenkinderärztin offene Türen ein. "Die Ärztekammer fordert für den 7. Bezirk sogar zwei zuätzliche Vertragsärzte", sagt Sprecherin Lisa Dittlbacher. "Unsere Forderung nach 300 zusätzlichen Kassenstellen in Wien ist weiterhin aufrecht." Auch Wünsche und Anregungen der Bezirksvorsteher begrüßt die Ärztekammer.

Dort müssen aber die Wünsche erst einmal eintreffen. Bei der Bezirksvorstehung Neubau liegt laut Bezirkschef Thomas Blimlinger keine einzige Beschwerde vor. "Auch auf Nachfrage bei verschiedenen Stellen der Stadt, etwa der Patientenanwaltschaft, gibt es keine", so Susanne Häßler von der Bezirksvorstehung zur bz. "Sollte es zu Beschwerden kommen, kann Bezirksvorsteher Blimlinger diese aufgreifen und weiterleiten. Da dies in den letzten Jahren nicht der Fall war, gehen wir davon aus, dass die Versorgung durch Kinderärzte im Bezirk ausreichend ist. Unserer Einschätzung nach wird hier versucht, ein Problem herbeizureden, das es nicht gibt."

"Modell Wahlarzt muss erhalten bleiben"

Bis es neue Vertragsärzte gibt, können Patienten auch auf Wahlärzte zurückgreifen. Bei einem Wahlarzt wird die Konsultation zwar privat bezahlt, doch ein Teil der Kosten von der Krankenkasse refundiert. Vor rund einem Monat machte die Diskussion um eine mögliche Abschaffung der Wahlärzte medial die Runde: SPÖ-Gesundheitssprecher Erwin Spindelberger stellte den Zuschuß der Krankenkassen für Arztrechnungen in Frage.

Zwar dementierte das Gesundheitsministerium umgehend ein mögliches Aus des Modells, doch bei Christina Schlosser läuten die Alarmglocken. "Wir brauchen prinzipiell in der Gesundheitsvorsorge Wahlfreiheit. Oft ist der Weg zum Wahlarzt die einzige Möglichkeit, rasch medizinische Hilfe für das Kind zu bekommen. Besonders die Hausbesuche werden hauptsächlich von Wahlärzten durchgeführt, weil diese ohne Kassenpatienten in ihrer Zeiteinteilung flexibler sind", so die zweifache Mutter.
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