31.03.2016, 15:02 Uhr

WWF fordert Moratorium für Wasserkraftwerke in Osttirol

Der WWF fordert ein Moratorium für sämtliche Kraftwerkspläne an der Isel.
OSTTIROL (red). Der WWF appelliert an die Tiroler Landesregierung, keine weiteren Schritte in Sachen Kraftwerke an den Zubringern der Isel zu setzen, bevor klar ist, welche Gebiete für Natura 2000 ausgewiesen werden. „Eine weitere Voraussetzung für die weitere Kraftwerksplanung ist das von Landesrat Geisler vor über einem Jahr angekündigte wasserwirtschaftliche Regional­programm für Osttirol“, erklärt Gebhard Tschavoll vom WWF. Erst danach könne überlegt werden, welche Kraftwerke überhaupt notwendig und unter Umständen mit den Schutzzielen des Natura 2000-Gebietes vereinbar wären. Bis dahin sei ein Kraftwerksmoratorium der einzig logische Weg.

Drei größere Kraftwerksneubauten stehen neben mehreren kleinen im Einzugsgebiet der Isel in den Startlöchern. Das Kraftwerk Haslach am Kalserbach, das Kraftwerk Defereggen an der Schwarzach, sowie jenes am Tauernbach bei Gruben. Für die Projekte an Kalserbach und Schwarzach gebe es jetzt schon negative Beurteilungen des Landes wegen ihrer schädigenden Einwirkung auf das Natura 2000.

"Jahrzehntelange Konflikte"

Dennoch laufen die Verfahren für diese Projekte weiter. „Offenbar rechnet man damit, mit Ausnahmebewilligungen durchzukommen. Die Gefahr, auf einen jahrelangen Konflikt mit EU, Bundes- und Landesbehörden zuzusteuern, wird dafür wohl bewusst in Kauf genommen“, schüttelt Tschavoll den Kopf. Aus Sicht des WWF widerspricht es jedem Verfahrensprinzip, Kraftwerke in einem künftigen Schutzgebiet zu planen, von denen bereits jetzt klar ist, dass sie dessen Schutzziel widersprechen.

Einmal mehr weist der WWF deshalb auf die Notwendigkeit einer einheitlichen und lückenlosen Ausweisung der Gletscherflüsse Isel, Kalserbach, Tauernbach und Schwarzach hin. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür liegen vor. „Ob und wie Kraftwerke sich dann in das Iselflusssystem einfügen können, ist Sache einer späteren Abwägung“, so Tschavoll. Daraus leitet der WWF das klare Gebot ab, laufende Bewilligungsverfahren auf Eis zu legen.


kurze Beschreibung des Bildes

VP-Bezirksobmann Martin Mayerl hält überhaupt nichts von den WWF-Plänen (Foto: VP-Lienz)


Mayerl hält nichts von WWF Vorschlag

Für den ÖVP-Bezirksobmann LA Martin Mayerl kommt ein Moratorium für alle Wasserkraftwerke in Osttirol nicht in Frage. „Bereits jetzt werden alle Kraftwerksprojekte auf Basis der gesetzlichen Regelungen strengsten umwelttechnischen Prüfungen unterzogen und von den zuständigen Behörden auf Herz und Nieren geprüft. Es kann nicht sein, dass der WWF laufend die Spielregeln ändern möchte, um den für die Energiewende notwendigen Ausbau der Wasserkraft zu blockieren. Die Projektwerber haben ein Recht auf faire und objektive Verfahren", so Mayerl.
Auch das Natura 2000-Argument geht für den Landtagsabgeordnetenabgeordneten ins Leere, denn mittlerweile wisse man, dass die EU das Natura 2000-Bewertungsseminar nicht wegen Tirol sondern wegen mangelhafter Ausweisungen in Ostösterreich abgesagt habe.
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