12.10.2016, 08:45 Uhr

Das bedingungslose Grundeinkommen - der sichere Untergang oder die einzige Rettung?

Jeder soll einfach eine Summe X als monatliches Grundeinkommen erhalten. Sagen wir einmal 1000,- Euro, jeder. Aber das ist doch Wahnsinn!

Nun, versuchen wir uns als Lehrlinge von Nostradamus und wagen einen zaghaften Blick in die Zukunft. Arbeit wie wir sie heute verstehen wird verschwinden, Maschinen übernehmen sie für uns. Das ist nicht schlecht, denn diese Aufgaben sind meist nicht sehr attraktiv und so bleibt den Menschen mehr Zeit anderen Tätigkeiten nachzugehen, wie zum Beispiel in sozialen Berufen. Schulen, Kindergärten, Altenversorgung, Krankenbetreuung, Seelsorge um nur einige zu nennen, sind wichtige, aber leider vernachlässigte Bereiche.

Autos werden schon lange mit minimalem menschlichem Einsatz hergestellt, bald sollen Sportschuhe völlig von Robotern hergestellt werden, Banken entlassen laufend Mitarbeiter, da die Kundenbetreuung von Automaten übernommen wird, an der Supermarktkasse scannen wir unsere Einkäufe selbst, den Tankwart gibt es ohnehin schon lange nicht mehr und so weiter.
Das bedeutet, immer mehr Menschen werden keine Arbeit haben, also kein Einkommen, oder müssen von sozialer Unterstützung leben, die es ihnen kaum ermöglicht ihre Rolle als Konsument wahrzunehmen. Kein Urlaub, kein zweites Auto, kein Freizeitsport und so weiter. Die Wirtschaft wird einen letzten großen Aufschwung erleben, ein helles Auflodern sozusagen, in dem sie selbst verglüht.

Die Konzerne werden immer mehr, schneller und billiger produzieren, da sie ja keine Menschen mehr anstellen müssen - wunderbar! Die Absatzmärkte werden globaler und die Hersteller verkaufen ihre Produkte und Leistungen weltweit, da die Kaufkraft im eigenen Land zu stark gesunken ist. Doch dieser Trend ist weltweit. Wer konsumiert die billigen, immer schneller erzeugten Produkte, die in immer größerer Menge hergestellt werden, wenn immer weniger Menschen eine Arbeit haben mit der sie genug Geld verdienen?

Die Sozialleistungen wie wir sie heute kennen sind weit gestreut, Arbeitslosengeld, Wohngeld, Familiengeld, Kindergeld, Kindergartenzuschuss, Studienbeihilfen, Sozialgeld, Pensionen und Steuererleichterungen wie Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag und viele mehr. Dieser unübersichtliche Irrgarten an Zuschüssen und Absatzbeträgen könnte durch ein einfaches und menschenwürdiges System ersetzt werden, bei dem sich der Antragsteller nicht offenbaren oder sich als Schmarotzer fühlen muss, denn jeder Mensch bekommt es, das Menschengeld. Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben? Nein, denn es ist kein sozialer Gedanke, der dahintersteht, sondern schlichtweg die Überlebenschance für den Kapitalismus. Denn wir, die Konsumenten, nicht der Mensch, sind es, die das System überhaupt erst am Laufen erhalten, denn ohne Konsumenten, kein Kapitalismus.

Und wer soll das bezahlen? Gegenfrage: Wer macht denn mehr Gewinn mit der Situation? Genau, die Konzerne. Natürlich müssen die einen großen Teil des, durch Mitarbeiterkürzungen ersparten Geldes, in Form von Abgaben an den Staat zahlen und der verteilt es an die Konsumenten, die das Geld wieder an die Konzerne ausgeben. Es wird bereits von einer Maschinensteuer gesprochen - eine gute Idee!

Warum ist das zwingend notwendig? Der Verlust der Arbeit ist nicht nur für die Menschen, die kein Einkommen mehr haben, ein Problem, sondern auch für die Staatskasse, die dadurch Sozialzahlungen übernehmen muss, aber viel schlimmer ist, dass ihr ein Steuerzahler verloren geht.
Der Erlös, der vorher durch die Besteuerung der Gehälter erwirtschaftet wurde, muss nun auf anderen Wegen eingenommen werden. Vermögenssteuer, Umweltsteuer und Maschinensteuer sind nur einige der möglichen Quellen.
Wir müssen verstehen, dass dieses System nur funktionieren kann, wenn der Kreislauf des Geldes erhalten wird, es muss also wieder zu den Konsumenten wandern - ganz egal auf welchem Weg.

Der Regen kann nur fallen, wenn das Wasser wieder verdunstet. Egal wie wichtig Wasser für unser Überleben auch sein mag, würden wir es in riesigen Behältern speichern, würden wir unsere Umwelt und letztlich uns dadurch töten.

Aber vielleicht erschaffen wir ja auch ein gänzlich anderes System, ohne Wettstreit, ohne Unterdrückung und ohne Ausbeutung, indem wir unsere Werte neu priorisieren, uns darauf besinnen was wir zum Leben wirklich benötigen - und einfach nur leben.

Ihr nachdenklicher Ferit Payci
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Alfred Kaipel aus Floridsdorf | 12.10.2016 | 09:09   Melden
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