02.06.2016, 00:00 Uhr

Wann ein Kind reif für die Schule ist

Zur sozialen Reife eines Schulanfängers gehört es, Kontakt mit Gleichaltrigen aufnehmen zu können und sich in eine Gruppe einzufügen. (Foto: Foto: fotolia/Pressmaster)
BEZIRK. Die Schulanfänger – das sind im Kindergarten schon die Großen: Sie helfen den Kleineren beim Anziehen, beim Basteln und Malen, beim Spielen im Garten. Mit dem Eintritt in die Volksschule beginnt aber auch für die großen Kinder des Kindergartens ein neuer Lebensabschnitt und sie stehen vor vielen neuen Herausforderungen. Kinder entwickeln sich nicht geradlinig. Jedes Kind hat sein individuelles Tempo. "Heute ist neben der körperlichen auch die geistige und soziale Entwicklung des Kindes für seine Schulreife ausschlaggebend – die Gesamtpersönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen", sagt Kinderärztin Isabelle Hetzmannseder. "Eltern brauchen ihr Kind nicht Buchstaben und das Zählen bis 100 lehren. Das macht Schulreife nicht aus."

Soziale Reife ist gefragt
Zur sozialen Reife eines Schulanfängers gehört es, Kontakt mit Gleichaltrigen aufnehmen zu können, sich in eine Gruppe einzufügen – sowohl zurückstehen als auch sich behaupten zu können, sich zu wehren, ohne handgreiflich zu werden, Vereinbarungen und Regeln einzuhalten sowie anderen Kindern beizustehen, wenn sie Hilfe brauchen.
Körperliche Reife
"Zur körperlichen Schulreife zählen altersentsprechende Fähigkeiten im Bereich Grob- und Feinmotorik", sagt Hetzmannseder. "Kinder sollten hüpfen, springen, klettern und so ihre Bewegungen steuern, koordinieren und kontrollieren können; sich die Schuhe binden und die Hose zuknöpfen können sowie mit Messer und Schere umgehen, basteln und zeichnen können."

Geistige Reife
"Geistig reif für den Schulbeginn ist ein Kind, das einfache geometrische Figuren erfassen und zeichnen kann, das Fragen stellt, um die Umwelt zu verstehen und das Farben unterscheiden kann", sagt die Kinderärztin am Landes-Krankenhaus Rohrbach und Leiterin der Kinderstation. "Es kann sich verständlich ausdrücken, Gehörtes mit eigenen Worten wiedergeben, versteht Anweisungen und Verbote, hat einen altersgemäßen Wortschatz und kann ganze Sätze bilden." Das Kind kann mehrere Anweisungen im Kopf behalten und auch ausführen, Zusammenhänge erkennen und Neues schnell erfassen. Es kennt Begriffe wie mehr/weniger und größer/kleiner, hat eigene Ideen und kann diese verfolgen und kann sich längere Zeit mit einem Thema beschäftigen.

Seelische Reife
"Kinder sollten auch seelisch reif für die Schule sein", sagt Hetzmannseder. "Dazu gehört es, mit Misserfolg, Kritik, aber auch Lob umgehen zu können, seinen eigenen Willen und Eigeninitiative zu zeigen, sich mit unterschiedlichen Dingen zu beschäftigen, einmal gefasste Vorsätze zielgerichtet umsetzen zu können, sich allein an- und auszuziehen, seine Sachen altersgerecht in Ordnung zu halten, sich auf das Lernen einzulassen und Fantasie von Realität trennen zu können."
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