14.05.2016, 17:16 Uhr

Wenn Computerspielen zur Sucht wird

Sowohl die Spielsucht als auch die Computersucht wandert immer mehr ins Internet ab.
Glücksspiel, Internet und Kaufsucht sind junge Süchte, die die gesellschaftliche Entwicklung gebracht hat.

BEZIRK (alho). „Eine Sucht wie Glücksspiel, Internet und Kaufsucht funktionieren vom Gehirn her ähnlich wie die substanzabhängigen Süchte, Drogen und Alkohol. Egal, ob man cannabissüchtig oder spielsüchtig ist: Es geht um die Handlung, den Kick, den man bekommt. Dadurch wird mehr Dopamin ausgeschüttet, es löst Glücksgefühle aus“, erklärt die Psychotherapeutin Maria Mittermaier.
„Ich brauche dies immer öfter, es fordert eine Steigerung; Spiele und Handlungen mit einer hohen Ereignisfrequenz. Glücksspiele im Casino sind bei uns im Mühlviertel kein so großes Problem. Denn: Je mehr Möglichkeiten es gibt und je leichter der Zugang ist, desto mehr erhöht sich die Gefährdung, spielsüchtig zu werden.“

Automaten im Griff haben?
Die 46-Jährige arbeitet neben ihrer Praxis in Rohrbach-Berg auch in der Ambulanz für Spielsucht im Wagner-Jauregg-Krankenhaus Linz. Die Therapeutin rät Spielsüchtigen sowie gefährdeten Personen, einen großen Umweg um ein Casino zumachen. Wenn man hingeht, ist es sinnvoll, wenig Geld mitzunehmen. Andere Möglichkeiten sind, sich selbst sperren zu lassen, den Partner um Kontrolle zu bitten und vor allem Alternativen zu entwickeln, andere Entspannungs- und Freizeitaktivitäten zu suchen.

Kontrollverlust droht
Mittermaier: „Vom Lottospielen kann ich nicht so leicht süchtig werden, da die Häufigkeit, eine Bestätigung zu erhalten, wöchentlich begrenzt ist. Die Glücksspielindustrie wandert allerdings stark ins Internet ab! Es gibt bei Spielsüchtigen ebenso den Kontrollverlust wie bei der Alkoholsucht. Die Person fängt zu schwitzen an, hat Schlafstörungen, ist grantig, da sie ständig ans Spiel denkt. Verspielte Summen sind hoch. Die Lüge ist die Schwester der Sucht: Das heißt, Freunde und Bekannte werden um Geld gebeten, da angeblich das Auto kaputt ist etc. Außerdem besteht häufig eine Suizidgefährdung.“

Kaufsucht wegen Depression
Anders scheint sich die Kaufsucht auszuwirken: „Dahinter steckt meist Depression. Es geht gar nicht um den Gegenstand an sich, sondern um die Belohnung. Bei vielen Kaufsüchtigen geht es um den Kaufakt selbst. Sie verwenden Gekauftes gar nicht“, sagt Mittermaier. Große Unterschiede bestehen in der Computersucht (Internet) zwischen Männern und Frauen. „Frauen bewegen sich tendenziell mehr in sozialen Netzwerken, während sich Männer Online-Rollenspielen widmen und dabei einen Avatar, eine Kunstfigur, schaffen", sagt Mittermaier. World of warcraft ist ihrer Meinung nach eines der gefährlichsten Spiele. "Internetsüchtige halten sich oft stundenlang in diesen Spielen auf, haben aufgrund der Dauer teilweise einen verdrehten Tag/Nachtrhythmus und vernachlässigen sich selbst. Viele solche Personen haben keine berufliche Ausbildung, brechen Beziehungen ab, da sie selbst keinen Leidensdruck haben.“
Hilfe bietet je nach Altersgruppe das Aufstellen von Regeln, die konsequent eingehalten werden. Je jünger das Kind, umso mehr Kontrolle ist nötig, etwa wie viel Zeit vor dem PC verbracht wird. „Je älter die computersüchtige Person ist, desto mehr muss diese in die eigene Verantwortung gebracht werden. Es gilt bei allem: Das richtige Maß zählt!“

Elterngruppe angeboten

Seit Herbst wird vom Wagner-Jauregg-Krankenhaus aus eine angeleitete Elterngruppe angeboten. Einzelstunden sind auch in der Praxis der Therapeutin in Rohrbach (0664/73601915) möglich.
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