10.10.2016, 14:10 Uhr

RMagazin Buchtipp: Veit Heinichen "Die Zeitungsfrau"

Wenn bei uns der Herbst einzieht, kehrt an den Stränden der Adria wieder Ruhe ein. Dann greift man gerne zu einem italienischen Krimi, um zumindest gedanklich in den Süden zu reisen. Veit Heinichen, deutscher Autor mit Wohnsitz in Triest, und sein Commissario Proteo Laurenti eignen sich exzellent dafür. Nach dreijähriger Pause erscheint nun der neunte Fall, der tief in die Vergangenheit zurückreicht und den Mythos einer legendären (fiktiven) Verbrecherpersönlichkeit entlarven soll. Diego Colombo segelte einst bei Ausbruch des Falklandkrieges auf seiner Jacht Esperanza von Argentinien aus auf abenteuerlichem Weg über den Atlantik. Er landete in Italien, baute sich dort eine neue Existenz als Schmuggler und Auftragsdieb wertvoller Kunstgegenstände auf, gründete eine Familie und verschwand schließlich bei einer Explosion an Bord eines Bootes. Seine Leiche wurde nie gefunden. An Laurenti nagt die Schmach des ungeklärten Falles, und er setzt alles daran, um Jahrzehnte später auch dieses Verbrechen erfolgreich zu den Akten legen zu können. „Du hast ihn nicht erwischt, Laurenti. Er war stets dein Fall. Du und Staatsanwalt Scoglio. Selbst der beste Polizist muss damit leben, dass er trotz aller Erfolge wunde Stellen hat.“ Ein Raubüberfall im Freihafen, bei dem Kunstschätze entdeckt werden, bringt den Fall erneut ins Rollen. Ist Diego Colombo zurück in der Stadt? Was weiß seine Witwe, die Zeitungsfrau Teresa Fonda, von all den Vorgängen? Laurenti und sein Team ermitteln schließlich auf mehreren Ebenen. Dabei geraten sie auch an Lino da Rosa. Der mit Colombo verbandelte, schwer korrupte Finanzpolizist in Ruhe und seine Tochter Daria Bono stecken in einem ganz besonderen Geflecht aus Habgier, Missgunst, Boshaftigkeit und kriminellen Machenschaften. Heinichen erzählt detailliert, facettenreich und spannend von einer Gesellschaft, in der Skrupellosigkeit und Egoismus an der Tagesordnung stehen. Gepaart mit italienischem dolce vita in der Familie Laurenti entsteht daraus wirklich gute Unterhaltung.
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