22.09.2016, 07:30 Uhr

"Bin nach wie vor Ehefrau, Mama und Oma"

Seit annähernd sechs Monaten Obervellachs Bürgermeisterin: Die 57-jährige Anita Gössnitzer (Foto: Schönegger)

Nach knapp einem halben Jahr im Amt: Obervellachs Bürgermeisterin Anita Gössnitzer (ÖVP) im WOCHE-Interview

OBERVELLACH. WOCHE: Sie sind nun seit knapp einem halben Jahr als Bürgermeisterin der Gemeinde Obervellach im Amt. Ihr Resümee?
GÖSSNITZER: Die ersten Monate als Bürgermeisterin waren für mich sehr arbeitsintensiv und erfahrungsreich. Die Arbeit ist sehr umfangreich - hinzu kommt die Tatsache, dass einige Bereiche für mich Neuland sind. Aber ich habe natürlich gewusst, worauf ich mich einlasse - im Großen und Ganzen macht mir die Arbeit als Bürgermeisterin viel Freude. Mein erstes Resümee fällt demnach sehr positiv aus.

Was konnten Sie bis dato umsetzen?
Bis dato wurden - neben kleineren Projekten - mit dem Umbau des Gemeindeamtes und der Verbesserung der Kleinkindbetreuung zwei große Projekte umgesetzt. Das Gemeindeamt-Gebäude, das um 1500 errichtet wurde und unter Denkmalschutz steht, hat nun einen barrierefreien Zugang sowie eine öffentliche WC-Anlage. Weiters befinden sich die Bürgerservice-Leistungen im Erdgeschoss. Der Umbau hat insegsamt 620.000 Euro gekostet. Zur Kleinkindbetreuung: Seit 5. September gibt es für Ein- bis Dreijährige mit Melanie Thaler eine ausgebildete Tagesmutter, die von Montag bis Freitag von 7.30 bis 13 Uhr in der Volksschule zur Verfügung steht. Dass dadurch die Kleinkindbetreuung verbessert wurde, war mir ein besonderes Anliegen.

Sie sind - neben Lendorfs Bürgermeisterin Marika Lagger-Pöllinger (SPÖ) - die zweite Bürgermeisterin im Bezirk Spittal. Wie ist es Ihnen bis dato gelungen, sich bei den Männern in Ihrem Team bzw. in der Gemeinde "durchzusetzen"?
Glücklicherweise gab es bis dato keine Situation, in der ich mich lautstark hätte durchsetzen müssen (lacht). Da dies auch nicht meinem Naturell entspricht, werde ich - sollte es zu einer solchen Situation kommen - natürlich versuchen, alles in Ruhe zu besprechen. Es herrscht ein gutes Miteinander - auch im Gemeinderat - und ich bin dankbar für den Rückhalt, den ich von meinem Team bekomme.

Würden Sie sagen, dass man als Frau in dieser Position weniger ernst genommen wird als als Mann?
Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass ich in meiner Position als Frau weniger ernst genommen werde. Mein Team, die Mitglieder im Gemeinderat und auch meine Bürgermeisterkollegen im Mölltal sind sehr nett zu mir und stehen mir - falls Fragen auftauchen - unterstützend zur Seite.

Vor allem in sozialen Netzwerken wie etwa Facebook wird immer wieder deutlich, dass viele Obervellacher den aktuell 27 Flüchtlingen kritisch gegenüberstehen. Ihr Statement dazu?
Ich denke, jene Gemeindebürger, die den Flüchtlingen kritisch gegenüberstehen, haben eine vorgefasste Meinung, die wahrscheinlich auch nicht mehr veränderbar ist. Fakt ist, dass die Flüchtlinge bei uns integriert sind - die Männer arbeiten am Bauhof, die Frauen helfen in der Schule mit und die Kinder besuchen die Schule. Aus meiner Sicht gab es bis dato kein Problem mit den Flüchtlingen und ich wurde auch noch nie von einem Bürger negativ auf dieses Thema angesprochen.

Immer wieder wird behauptet, dass sich Männer zwar starke und erfolgreiche Frauen wünschen, aber sie ihr Erfolg nicht selten einschüchtert. Wie steht Ihr Ehemann zu Ihrem Erfolg?
Zwischen uns hat sich durch mein Bürgermeister-Amt nichts geändert, wir hatten auch vorher unterschiedliche Aufgabenbereiche. Ich genieße die Zeit mit meinem Mann bzw. meiner Familie in unserem Zuhause, das für mich ein Rückzugsort ist. Ich bin immer noch Oma, Mama und Ehefrau.

Werden Sie bei den nächsten Wahlen wieder kandidieren?
Es ist noch zu früh, um diese Frage zu beantworten. Es werden sicherlich noch schwierige Entscheidungen auf mich zukommen. Aber vorerst bin ich zufrieden in meinem Amt als Bürgermeisterin und die Arbeit macht mir Freude, was ja das Wichtigste ist.
Von Natalie Schönegger

Zur Person:

Name: Anita Gössnitzer (ÖVP)
Geboren am: 18. September 1959
Beruf: Hausfrau
Familienstand: Verheiratet, fünf Kinder
In der Politik seit: 2009, seit 2015 Vizebürgermeisterin, seit 17. April 2016 Bürgermeisterin
Funktionen: Bürgermeisterin, Obfrau des Familien-, Sozial-, Gesundheits- und Kulturausschusses
Hobbys: Lesen, Gartenarbeit, Wandern
Lebensmotto: Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden
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