08.06.2016, 00:00 Uhr

Vatertag-Freuden trotz Rheumaleid

Armin Lindenthaler mit seiner Gabi und die Zwillinge Sarah und Julia.

Von seiner chronischen Rheumaerkrankung "Morbus Bechterew" hat sich der Hattinger Armin Lindenthaler und seine Frau Gabi nicht unterkriegen lassen und sich den Kinderwunsch erfüllt. Nicht nur am kommenden Sonntag, am Vatertag, genießt das Elternpaar aus Hatting eine glückliche Familienidylle mit den aufgeweckten, 10 Monate alten Zwillingsmädels Sarah und Julia.

HATTING. Ein schönes Haus mit herrlichem Ausblick am Ortsrand von Hatting, herumtollende Zwillingsmädchen im hellen Wohnzimmer, herzlich lachende Eltern: Eine glückliche Familienidylle und kein Hinweis auf die Erkrankung von Armin Lindenthaler (32). Seit dem 21. Lebensjahr leidet der Hattinger an "Morbus Bechterew", eine Rheumaerkrankung, die den jungen Familienvater manchmal zur Gänze lähmt. Trotzdem: Seinen Job als LKW-Fahrer übt Lindenthaler fast "normal" aus und stellt sich zusammen mit Gattin Gabi den Aufgaben des Alltags. Er steht auch nachts auf, wenn die 10 Monate jungen Töchter schreien: "Aber sie schlafen mittlerweile schon fast durch", erklärt Gabi stolz. Mit 17 hat sie Armin kennen gelernt, ganz gesund. Eine verschleppte Darmgrippe im Jahr 2005 löste das Leid aus. "Ich hatte plötzlich angeschwollene Knie", schildert Armin. Bestimmte Therapien und Medikamente schlugen nicht an, dann die Diagnose "Morbus Bechterew", eine „versteifende Wirbelentzündung“ (siehe Randspalte). "Es ist so ein brennender Schmerz, wie arger Muskelkater." Diese rheumatische Erkrankung ist erblich. Nach Armin wurde diese Krankheit auch bei seiner Mutter festgestellt.

Kinderwunsch erfüllt
Dass die Krankheit vererbbar ist, deprimierte und beschäftigte Armin und Gabi lange. Ihr Kinderwunsch war groß, das Risiko klein: "Die Wahrscheinlichkeit, dass bei unseren Kindern die Krankheit ausbricht, ist gering. Bei Sarah und Julia merkt man noch gar nichts", lächelt Gabi. Mit guter Laune bekämpfen beide die Krankheit: „Sollten sich bei unseren Kindern Symptome zeigen – was wir nicht hoffen! – können wir dann immer noch reagieren." Der stolze Familienvater lupft Sarah auf: "Derzeit geht es mir gut. Die Phasen, wo es ganz schlimm wird, kommen in immer größeren Abständen." Waren es früher Wochen, sind es jetzt Monate, erzählt Armin: "Ich spüre es bei Wetterumschwüngen und im Winter vermehrt. Ich mache Therapien und vermeide nach Möglichkeit Medikamente, um die ganz argen Schübe herauszuzögern."
2011 war es ganz schlimm: "Ich konnte mich vor Schmerzen nicht mehr bewegen. Da hilft nur eine Infusion." Nach drei bis fünf Tagen sind die Beschwerden meist vorbei.

Positive Einstellung hilft
Verrückt machen lassen sich die beiden nicht: "Es ist reine Einstellungssache. Es hat doch jeder irgend ein Leiden oder einen schlechten Tag." Neben positiver Einstellung hilft Therapie: "Wichtig sind Bewegung, Besuche beim Rheumatologen, Selbsthilfegruppe und Physiotherapie." Am Sonntag ist Vatertag - da genießt Armin das Familienglück.

Morbus Bechterew ...

... ist eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung, die vor allem das aus Wirbelsäule und Becken bestehende Achsenskelett betrifft. Infolge der Erkrankung kann es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Versteifung der Wirbelsäule kommen. Mitunter sind auch andere Gelenke betroffen.
Benannt ist die Krankheit (Morbus) nach dem russischen Neurologen Wladimir Michailowitsch Bechterew (1857-1927).
Etwa 1 % der Bevölkerung ist von einer Form der Spondyloarthritiden betroffen, die Hälfte davon hat einen Morbus Bechterew. Männer sind eher betroffen wie Frauen.
Die genaue Ursache des Morbus Bechterew ist bis heute nicht bekannt. Allerdings weiß man mittlerweile, dass genetische Ausprägungen eine Rolle spielen, denn bei mehr als 90 % der Betroffenen ist das genetische Merkmal HLA-B27 nachweisbar. Bechterew ist also vererbar, damit die Krankheit aber tatsächlich ausbricht, müssen zusätzliche Faktoren wie z.B. Infektionen – oder in sehr seltenen Fällen eben eine verschleppte Darmgrippe – auftreten.
Speziell für jene Menschen, die das Gen HLA-B27 zwar in sich tragen, in deren direkter Verwandtschaft es jedoch keine Bechterew-Erkrankung gibt, besteht nur ein geringes Risiko von sechs bis acht Prozent. Liegt allerdings ein Morbus Bechterew in der Verwandtschaft eines HLA-B27-Trägers vor, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit ausbricht.
Therapie: Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskeln, was einer weiteren Schädigung von Knochen und Gelenken vorbeugen kann. Das ist besonders wichtig, denn chronisch entzündliche rheumatische Erkrankungen können auch dann voranschreiten und Knochen sowie Gelenke schädigen, wenn die Betroffenen keine Schmerzen bzw. keinen aktiven Schub haben.
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