12.05.2016, 04:00 Uhr

Null Toleranz der Stadt bei Rauschgiften

Der Handel mit Rauschgiften aller Art findet in Wels nicht nur hinter verschlossenen Türen statt. (Foto: photographee.eu/panthermedia.net)

2015 wurden in Wels 400 Drogendelikte zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

WELS. Vergangene Woche entzog die Stadt Wels einem Lokal in der Welser Stelzhamerstraße die Gewerbeberechtigung. Verstöße gegen die Gewerbeordnung sollen der Grund gewesen sein. Darüber hinaus sei auch Suchtgift im Lokal sichergestellt worden, wie Gewerbereferent Stadtrat Peter Lehner das Vorgehen der Stadt begründet. Bei vier Kontrollen innerhalb eines Monats wurde die Polizei jedes Mal fündig. Die Drogen seien allerdings nie einer Person zuordenbar gewesen. Im Drogenmilieu war das Lokal kein unbeschriebenes Blatt. "Aus Suchtgiftermittlungen ist bekannt, dass Drogen unter anderem in diesem Lokal umgeschlagen werden", bestätigt Christian Hubmer von der Staatsanwaltschaft Wels. Im Zuge von Ermittlungen seien Abnehmer gefragt worden, woher sie das Rauschgift beziehen und der Name des Lokals sei dabei immer wieder gefallen. Es gebe laut Hubmer aber kein Strafverfahren gegen den Betreiber, da nicht bekannt sei, dass dieser selbst mit Drogen gehandelt habe. Die Stadt Wels will bei den Themen Kriminalität und Drogen null Toleranz zeigen. „Da mehrere Schulen in unmittelbarer Nähe des Lokals liegen, begrüße ich das Vorgehen der Gewerbebehörde ausdrücklich“, so Bürgermeister Andreas Rabl. Ob die Schließung den gewünschten Erfolg bringt, wird sich zeigen. Stadtpolizeikommandant Klaus Hübner spricht von einer Verdrängung in der Drogenszene. "So das Lokal nicht ohnehin unter einem anderen Betreiber wiedereröffnet wird, suchen sich die Abhängigen ein neues oder Handel und Konsum driften in Privatwohnungen ab", so Hübner. Dasselbe gilt für den Handel auf offener Straße. "Der Spitalhof etwa oder der Gaspark sind bekannte Plätze. Kontrollieren wir dort verstärkt, weichen die Dealer auf andere Orte aus und umgekehrt", weiß Hübner. Rund 400 Drogendelikte wurden im Jahr 2015 zur Anzeige gebracht. Im Jahr davor waren es 290. Dieser Wert lässt aber keinen Rückschluss auf steigenden Handel und Konsum zu. "Kontrollieren wir mehr, finden wir auch mehr", erklärt der Stadtpolizeikommandant. Jeder zehnte Dealer, welcher der Polizei in Wels ins Netz geht sei ein sogenannter großer Fisch. Diese Festnahmen sind das Resultat monatelanger ortsübergreifender Zusammenarbeit der Exekutive mit Telefonüberwachung und Ortsanpeilung.

300 Personen in Betreuung

Circle, die Drogenberatungsstelle der Stadt Wels, betreut jährlich rund 300 Abhängige aus Wels, Wels-Land und Grieskirchen. Die Zahl der Klienten ist seit Jahren konstant. Abhängige, aber auch ihre Angehörigen erhalten bei Circle kostenlose und anonyme Beratung und Information, werden aber auch in Therapieplätze und Substitutionsbehandlungen – also die Behandlung mit Drogenersatzstoffen – vermittelt. Laut dem Gesundheitsdienst der Stadt befinden sich derzeit in Wels 210 Personen in so einer Substitutionstherapie. Wieviele Süchtige es in Wels tatsächlich gibt, lässt sich nicht ohne Weiteres sagen. Die Dunkelziffer sei in diesem Bereich sehr hoch, da Suchterkrankungen noch immer zu einem großen Teil tabuisiert werden. Um den Mehrfachgebrauch von Nadeln zu unterbinden und so einen Schutz vor Infektionskrankheiten wie Hepatitis und HIV zu bieten, hat die Stadt in der Reitschulgasse einen Automaten aufgestellt. Hier sind Injektionsnadeln anonym erhältlich. Der Verkauf der Packungen im Automaten nahm von 2092 im Jahr 2014 auf 3588 im Jahr 2015 zu. Tendenz steigend.
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