12.10.2017, 09:26 Uhr

Die Brigittenau als Studienobjekt der Universität Wien

Ein mögliches "Trainingsgelände" für die TU-Studenten ist der Hannovermarkt. Hier wünschen sich auch Standler Neuerungen. (Foto: Mozzato)

Studenten der TU Wien entwickeln ein Semester lang an verschiedenen Schauplätzen städtebauliche Ideen für den 20. Bezirk. Mit Kameras und Notizblöcken werden sie in den Brigittenauer Vierteln unterwegs sein.

BRIGITTENAU. Allerheiligenviertel, Nordwestbahnhof, Hannovermarkt oder Handelskai. Die Brigittenau bietet eine Vielzahl an Orten, die einen genaueren Blick wert sind. Genau diese Vielfalt, egal, ob in gesellschaftlicher Hinsicht oder in Bezug auf die lokalen Schauplätze, war auch der Grund dafür, dass sich Studenten der Technischen Universität Wien die Brigittenau ein Semester lang ganz genau anschauen und städtebauliche Projekte dazu entwerfen.

Die Idee dazu stammt von ÖVP Bezirksrat und Wirtschaftsbundobmann der Brigittenau, Christian Enöckl. Wie er dazu gekommen ist, die Brigittenau als Studienobjekt vorzuschlagen? "Ich bin sehr viel im Bezirk unterwegs, auch gern am Hannovermarkt. Das ist schon jetzt ein beliebter Treffpunkt im Bezirk, aber es gibt noch viel Potenzial, um den Markt noch attraktiver zu gestalten." Die Idee, Studenten den 20. Bezirk als Forschungsobjekt zur Verfügung zu stellen, stieß auch in der Bezirksvorstehung mit Bezirkschef Hannes Derfler auf großes Interesse. Mit der Unterstützung des Bezirks wandte sich Enöckl an Professor Erich Raith, eine Koryphäe im Bereich Städtebau. Raith plante bereits selbst Gebäude für die Brigittenau und kennt sich hervorragend im Bezirk aus.

Trainingsgelände Brigittenau

Warum sich ausgerechnet der 20. Bezirk für eine Lehrveranstaltung anbietet, erklärt Raith folgendermaßen: "Die Brigittenau ist ein junger Bezirk, der erst durch die Donauregulierung entstanden ist. Es gibt viele historische Schichten, und es ist ein Bezirk in Transformation." Die wichtigste Voraussetzung sei jedoch die Tatsache, dass die Brigittenau kein Weltkulturerbe ist. "Das beinhaltet immer einen gewissen Aspekt der Musealisierung und schränkt einen im kreativen Prozess ein", so Raith.

Genau mit dieser Kreativität will Raith mit seinen Studenten den Bezirk auch in den kommenden Monaten entdecken. "Wir geben den Studenten keinerlei Vorgaben, damit sie mit einer größtmöglichen Offenheit an die Aufgabe herangehen. Sie sollen den Bezirk erleben, Probleme sehen und selbst erkennen, wo und wie sie ihre städtebaulichen Ideen einbringen können." Die Lehrveranstaltung nennt sich "Die Stadt und der Austausch" und beschäftigt sich – wie der Titel schon sagt – mit dem Austausch von Gütern, Neuigkeiten und kulturellen Äußerungen. Darauf basierend werden 25–30 Studenten in den kommenden Wochen die Brigittenau und den Bezirk als "Trainingsgelände" erkunden, wie es Erich Raith formuliert.

Spione auf Ideensuche

Dabei appelliert Raith an das Verständnis der Brigittenauer Bevölkerung: "Keine Angst, wenn Ihnen in den kommenden Wochen Menschen mit Kameras begegnen und einige Fotos machen. Sie spionieren sicher niemanden aus, sondern sind auf Ideensuche für die Lehrveranstaltung."
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